Napoleonische Kriege

1813 – Die Tage von Rötha

Schon im Vorfeld der „Schlacht bei Großgörschen“ werden in und um Rötha Streitkräfte der Alliierten aktiv. Am 30. April 1813 beraten die Oberbefehlshaber der verbündeten Armeen – Graf von Sayn-Wittgenstein und von Blücher – im Röthaer Schloss. Blücher plante hier sein Hauptquartier aufzuschlagen, da zwischen Rötha und Zwenkau ca. 40 000 Mann Infanterie, 8800 Mann Kavallerie und 180 Geschütze aufmarschiert waren. Doch dazu kam es nicht mehr.
Am Abend des 2. Mai überbrachte ein Kurier dem Kommandanten des in Rötha zurückgebliebenem Blücher’schen Tross den Befehl zusammenzupacken und sich Richtung Borna zurückzuziehen. Die Preußen versicherten den Röthaern, dass die Russen für sie weiterkämpfen und man nur eine Umgruppierung durchführen würde. In Wahrheit war es aber eine ungeordnete Flucht, nachdem Napoleon Bonaparte „Großgörschen“ für sich ent­scheiden konnte; bis Ende August blieb es weitgehend ruhig.

Der französische Marschall Charles Lefébvre-Desnouettes bezog schließlich mit einer 6500 Mann starken Kavallerie, 1500 Infanteristen und 8 Geschützen Stellung in Rötha. Lefébvre wohnte im Schloss, während seine Einheiten hinter dem heutigen Rosental ihr Basislager errichteten. Der Marschall hatte den Auftrag das südliche Vorfeld Leipzigs gegenüber den in der Region agierenden allierten Streifkorps zu sichern.

Um den 12. Oktober zeichnete sich schließlich ab, dass das Schloss und die Stadt Rötha zum „strategischen Zentrum“ einer bevorstehenden Schlacht um Leipzig werden würden. An beiden Orten sind derweil Napoleons Gegner angekommen.

Am späten Nachmittag des 17. Oktober 1813 kam es im Schloss Rötha zu einer denkwürdigen Geheimberatung europäischer Monarchen und ihrer Gesandter, welche über die weiteren Geschicke des Kontinents entscheiden sollte. Dass es sich um eine Geheimberatung gehandelt haben muss, ließen bereits umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen in und um das Schloss erkennen. Ohne strenge Kontrolle konnte es niemand betreten. Über das Treffen gibt es außerdem nur wenige Verlautbarungen – und es können heute nur Vermutungen angestellt werden, was im Schloss Rötha geschah.

Der Röthaer Patrouillienritt

Sicher ist, dass der Oberbefehlshaber der Alliierten Fürst zu Schwarzenberg damit beauftragt wird, einen genau abgestimmten Angriffsplan aller verbündeten Armeen zu erarbeiten und diesen den Truppen zuzustellen. Der ungarische Rittmeister Graf Istvan Széchenyi übernahm diesen verantwortungsvollen Auftrag freiwillig.

Am 17. Oktober gegen 21:00 Uhr startete er sein Unternehmen in Rötha und überbrachte den Angriffsbefehl an alle verbündeten Befehlshaber. Er muss wie ein Teufel entlang der Linien geritten sein, denn bereits am Morgen des 18. Oktober konnte er auf dem Schloss Rötha die erfolgreiche Durchführung seines Auftrags melden – und das, obwohl sich die Übergabe des Befehls an Jean-Baptiste Bernadotte schwierig gestaltete.

Für seine erfolgreich abgeschlossene Mission wurde Graf Széchenyi zum Kapitän befördert, eine weitere militärische Karriere blieb ihm jedoch verwehrt.

Er wandte sich stattdessen der Politik zu. Istvan Széchenyi wurde ein gemäßigt-liberaler Vorkämpfer der bürgerlich-demokratischen und wirtschaftlichen Umgestaltung Ungarns. 1825 war er Mitbegründer der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Schon 1818 engagierte er sich für die Vereinigung von Buda und Pest zu Budapest, was dann auch 1839 geschah. Ihm verdankt Ungarn die Gründung der Handelsbank, die Donau-Theiß-Regulierung, die Einführung der Dampfschifffahrt sowie die damit verbundene Belebung von Wirtschaft und Kultur. Ihm zu ehren trägt die „Széchenyi-lánchíd“ (Kettenbrücke), die in Budapest die älteste Brücke über die Donau ist, seinen Namen.

Doch man warf ihm auch Konservatismus und Loyalität zum Haus Habsburg vor. Er wurde bespitzelt und seine Wohnung durchsucht. Seine letzte Tagebucheintragung vom 22. März 1860 lautet daher „Sie werden mich zum Tode quälen. Ich muss mich dem entziehen.“

Am 8. April wurde „der größte Ungar“, wie ihn sein bekannter Zeitgenosse und Gegenpart Lajos Kossuth nannte, tot aufgefunden.