Aus der Sittengeschichte des Bornaer Landes

Als die Ehe zur wirtschaftlichen Angelegenheit wurde

Zwischen 1750 und 1850 wurde in allen zivilisierten Ländern eine erstaunlich hohe Quote unehelicher Geburten registriert. Sachsen steht dabei unangefochten vor den USA und Frankreich an der Spitze dieser Statistik. Auch das Bornaer Land machte dabei keine Ausnahme. Der Anteil unehelicher Geburten lag lange Zeit sogar höher als während des 30-jährigen Krieges, während dem Vergewaltigungen an der Tagesordnung waren.

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Machtspiele sind stärker als die Liebe

Am 9. Januar 1753 suchte Rosina Trebis den Gerichtsdirektor Christoph Haubold Schatter auf, um sich über die Großhermsdorferin Maria Stengler zu beschweren. Diese habe sie beschimpft, sie solle sich nach Hause, nach Breitingen, zu ihrer Hurenversammlung scheren und ihren Sohn Christian in Ruhe lassen. Christian Stengler besaß bereits seit 1749 den väterlichen Bauernhof. Sein Vater war gestorben und seine Mutter lebte als Auszüglerin bei ihm. Geschwister hatte er nicht auszahlen müssen. Auf diese Weise war er wirtschaftlich auch recht gut gestellt. Die meisten Bauernsöhnen befanden sich keineswegs in einer so günstigen Lage. Sie mussten auf eine gute Partie warten. Christian Stengler hingegen war nicht wie sie gezwungen auf Gedeih und Verderb eine begüterte Bauerntochter zu heiraten, mochte sie auch noch so hässlich sein. So hatte er sich denn offensichtlich in die Breitingerin Rosina Trebis verliebt und hatte vor, sie zu heiraten. Rosina Trebis diente auf dem Rittergut als Magd. Ihre Eltern aber besaßen weder Gut noch Geld. So eine Schwiegertochter paßte aber Maria Stengler überhaupt nicht. Wenn sie Rosina Trebis wieder bei ihrem Sohn erwische, so drohte sie, werde sie die Hure aus dem Haus werfen.

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Von den Folgen unerwünschter Schwangerschaften

Eheschließungen waren in früheren Jahrhunderten außerordentlich stark von wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt. Bauern oder Handwerker konnten in der Regel erst heiraten, wenn sie ihr Erbe angetreten hatten. Die Attraktivität der in Frage kommenden Partnerin hing nicht unwesentlich von ihrer Mitgift ab. Für viele junge Frauen galt es, auf die Werbung des wirtschaftlich passenden Mann zu warten. Dessen ungeachtet gingen Liebe und Triebe auch damals mitunter ihre eigenen Wege.

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Strafen und Demütigungen

Am 11. Dezember 1758 stand Sybille Greßner, die Großmagd auf dem Rittergut Großhermsdorf, vor Gericht. Einen ganzen Tag lang war sie nicht zum Dienst erschienen. Dreist sagte sie aus, sie hätte es mit dem Großknecht getrieben. Sogar im Bette gelegen hätten sie miteinander, sagte sie aus. Solcherart Auftreten war ungewöhnlich. Aber Sybille Greßner konnte es sich leisten. Ihr Vater zählte ebenso zu den wohlhabenden Bauern der Gegend wie der des Großknechts Johann Christian Jahn. In den Augen der Zeitgenossen passten die beiden zusammen. Da sich Sybille Greßner zudem reuevoll gab, verzichtete man vorerst sogar auf eine Bestrafung.

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Ledige Mütter aus gutem Haus

Am 28. Mai 1814 schrieb der Gastwirt Christian Friedrich Blume einen Brief an Sigismund Germann, den Direktor des Lobstädter Patrimonialgerichts. Am Vortag sei ihm, hieß es darin, „durch einen sehr bekannten Herrn eine Dame zugeschicket worden, welche hier in Lobstädt ihre Niederkunft abwarten soll.“ Die Schwangere, erläuterte Blume, „wäre von sehr guter Familie.“ Der „Ort ihrer Niederkunft“ solle aber „der Familienverhältnisse wegen“ ebenso „geheim bleiben“ wie der Name der Frau. Blume bat deshalb den Gerichtsdirektor darum zu gestatten, dass sie sich während ihrer Schwangerschaft in Lobstädt aufhalte. Gerichtsdirektor Germann kam dieser Bitte nach, forderte von Blume jedoch, dieser möge dafür bürgen, dass der Gemeinde durch den Aufenthalt der „angezeigten Person“ keine Kosten oder Nachteile entstünden.

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