Die große Eiche in Kleinzössen – eine Dorfgeschichte

Geschrieben von Robert Weber (Oberlehrer in Borna),
1935 veröffentlicht.

Aus dem Inhalt:

hr Stamm, der im Umfange etwa 4,5 Meter misst, gehört zwar nicht zu den schönsten seiner Art, denn schon 3 Meter über Erdhöhe zwieselt er in 3 gewaltigen Ästen nach oben. Aber ihre Krone ist überaus prächtig gewachsen und überschattet in großer Höhe, und aus der Ferne bereits sichtbar, weitausladend das spitzgieblige Scheunendach des Gehöftes, wie der Lindenbaum in Sohnrehs „Lindenhütte“.

So ist sie zunächst ein natürlicher Schmuck des stattlichen Gehöftes, und wenn es das Schicksal wollen sollte, auch eine sichere Abwehr der Blitzgefahr und ein Windfang der westlichen Wetterstürme. Dem geräumigen bäuerlichen Anwesen würde etwas fehlen, wenn der alte Baum verschwinden sollte. Denn er war weit über 100 Jahre eher da, als das Gut 1825 erbaut wurde, dem es heute sein ländliches Bild verschönt.

Er steht an einem historischen Platze. An ihm führte einst der alte Handelsweg von Nürnberg über Zwickau, Altenburg und Borna vorüber nach Leipzig, das bereits um 1015 als ein bedeutender Markt genannt wird. Aus ihm entwickelte sich später die weltberühmte „Leipziger Messe“. Aber auch schon vor dieser Zeit lief der alte Weg in südlicher Richtung längs des hochwasserfreien Pleißentalrandes dahin, bis er sich mit anderen alten Verkehrswegen vereinigte, die nach den schon damals stark besiedelten Landstrichen nördlich Leipzig, wie Merseburg, Halle, dem Harzgau, führten. Freilich war es in jenen frühen Zeiten wohl nur ein schmaler Waldpfad, krumm, steinigt, zuweilen recht sumpfig, wie die Siedlungsgeschichte und die prähistorischen Funde ganz in seiner Nähe heute noch beweisen. (Scherben aus der Steinzeit am Lindenberg bei Kleinzössen, solche und Steinwerkzeuge im Witznitzer und Bornaer Flur.)