Denkschrift zum 50-jährigen Bestehen der Sparkasse zu Rötha

1903 bei Apitz in Rötha veröffentlicht.

Aus dem Inhalt:

In unserem Sachsen arbeiteten schon 1821 die Landstände eine Schrift aus, in der sie die allgemeine Einführung der Sparkassen beantragten und 1822 forderte die Staatsregierung zur Bildung solcher Kassen auf und sprach die Bereitwilligkeit aus, diese Institute nach Kräften zu fördern. Gutes Werk will aber Weile haben und so ging die Gründung solcher Kassen nur ganz allmählich vor sich. Man hatte noch zu wenig Erfahrungen gesammelt und es war nichts geringes, bei grösseren Verlusten Deckung zu finden. Es wurden bestätigt die Sparkassen zu Dresden 1821, Leipzig 1825/26, Freiberg 1833, Bautzen und Grimma 1835, Leisnig, Adorf, Meissen, Zittau 1836, Rosswein 1837, Plauen 1838, Kamenz, Chemnitz, Grossenhain 1839, Colditz 1840, Borna 1841, Rochlitz, Mühltroff 1842, Glauchau 1843, Oschatz 1846, Nossen, Zwickau, Lommatzsch 1845. Natürlich wurde das damals nicht so schnell und so allgemein bekannt, wie das jetzt geschehen würde, da das Zeitungswesen noch in seinen Uranfängen stand. Das Leipziger Intelligenz-Blatt, doch nur von wenigen gelesen, brachte 1845 einen längeren Artikel über Errichtung von Sparkassen mit besonderer Rücksicht auf Landdistrikte. Besonders für Landbezirk war 1842 die Sparkasse für Tharand, Wilsdruff und den Plauenschen Grund gebildet worden. Überhaupt wurde die Errichtung dieser Kassen nicht blos in Städten, sondern auch in landwirtschaftlichen Vereinen erwogen, da man sich von ihnen einen grossen Segen für kleine Besitzer und für das Gesinde versprach.

Der sehr verdienstvolle Begründer des Röthaer Landwirtschaftlichen Vereins, Herr Friedrich Teichmann auf Neumuckershausen, eine treibende Kraft für alle Einrichtungen, die dem allgemeinen Wohle dienten, hatte Anfang der 40er Jahre mit dem Bürgermeister von Rötha, Herrn Karl Braut, Unterredungen und hatte versprochen, bezügliche Schriftstücke zu sammeln und an ihn zu senden. Dies konnte er erst 1845 ausführen und er sendete ein Aktenstück mit mehreren Sparkassenordnungen etc. ein. Im beiliegenden Schreiben vom 16. Juni an den Stadtrat bat er, die Errichtung einer Sparkasse in sorgfältige Beratung zu ziehen. 1847 schickte Herr Kammerherr Freiherr von Friesen auf Rötha die Ordnung der am 28. Juli 1823 eröffneten Sparkasse zu Freiberg und Umgegend ein, die von ihm und dem Rate zu Freiberg unterzeichnet war.

Seitdem kam dieser Gegenstand wiederholt im Landwirtschaftlichen Vereine zur Sprache; aber man vermochte dem Ziele nicht näher zu rücken. Auf Aktien wollte man ungern eine Sparkasse gründen und ausserdem fehlte, es an ausreichender Gewährleistung. Als aber 1850 die Gemeinde Liebertwolkwitz eine Sparkasse gründete, für welche die ganze Gemeinde Gewähr leistete, schrieb Herr Teichmann wieder an den Stadtrat und sandte Unterlagen. „Entschliessen sich die Stadtverordneten zu gleicher Gewährleistung, so werden sich andere Schwierigkeiten gewiss leicht beseitigen lassen. Bei zweckmässiger Einrichtung und gewissenhafter Verwaltung, wie sie beifolgende Statuten der Liebertwolkwitzer Sparkasse vorschreiben, lässt sich wegen der Vertretung irgend eine Gefahr nicht befürchten." An demselben Tage (17. Juli) hatte er auf die Tagesordnung des Landwirtschaftlichen Vereins den Punkt mitgesetzt: Errichtung einer Sparkasse zu Rötha.