Kindheitserinnerungen aus Kleinzössen

Niedergeschrieben von Ludwig Bräutigam,
1905 in „Mein Heimatbuch – Erinnerungen aus dem Stadt- und Landkreis Borna“ erschienen.

Aus dem Inhalt:

Uns kleinen Dorfjungen waren im Sommer die Schulwege das schönste in unserem Dorfschulleben. Ehe unsere kleine Garde sich in Kleinzössen mittags sammelte, verging schon eine geraume Zeit. In kleinen Trupps wurde dann losgezogen. Und auf dem Wege nach Großzössen gab es allerhand zu sehen. Den meisten Anreiz gab uns immer wieder die Wyhra, die die beiden Dörfer voneinander trennt. War der Wasserstand nicht so hoch, so wurde regelmäßig die Furt durchwatet. Ein immer neues Anschmiegen an die ewig frische Natur waren uns diese Wege. Immer hoffte man etwas Neues zu finden. Wenn ich jetzt Stadtkinder sehe, die durch die Straßen hasten, um rechtzeitig noch zur Schule zu gelangen, da denke ich mit unnennbarer Freude an unsere Kinderglückseligkeit, mit der wir gemächlich der Schule entgegenstrebten. Wir hielten erst Zwiesprache mit den Blumen am Wege, den Fischen im Bache, den Schafen, die im Sommer auf der Wiese weideten. Aber schlimm waren die Schulwege im strengen Winter bei Schnee und Eis. Wir alle, ob reich oder arm, wurden nicht verhätschelt. In dünnen Röckchen trabten wir durch die Winterkälte. Doch wenigstens in der Schule und im Elternhause konnte man ja am warmen Ofen wieder aufleben.