Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Die Sahliser Schweinezucht

Jedes Bauerngut, selbst das kleinste, muß heute hohe Erträge in Feld uns Stall bringen, wenn es bestehen will. Dazu bedarf es außer vorzüglichen Saatgutes auch hochgezüchteten Viehes, d. h. solchen Viehes, das durch sorgfältige Auswahl und Zucht alle Eigenschaften in sich birgt, die hohe Erträge versprechen. Eine solche Arbeit, die oft Verluste mit sich bringt, können kleinere Güter nicht leisten. Darum haben mehrere Rittergüter die Mühe übernommen, der bäuerlichen Bevölkerung gute Zuchttiere zu liefern. Bei der Vielseitigkeit der Landwirtschaft kann aber ein einzelner Züchter nur einen einzigen Zweig der Hochzucht betreiben, wenn er Hervorragendes leisten und der Allgemeinheit dienen will.

Das Sahliser Rittergut betreibt seit 70 Jahren als besonderes Gebiet die Schweinezucht.

Wenn die Bauern immer wieder nur die Ferkel aus dem eigenen Stall aufzögen, so würden die Tiere sehr schnell entarten, also ihre guten Eigenschaften verlieren und nur geringen Ertrag geben. Darum müssen in jedem Stall von Zeit zu Zeit zur Blutauffrischung fremde Zuchttiere eingeführt werden, damit sich deren gute Eigenschaften vererben.

Es ist das Verdienst des Herrn Dr. Crusius auf Rittergut Sahlis, aus England eine besonders frohwüchsige und frühreife Schweinerasse (Berkshire) eingeführt und gezüchtet und damit die guten Eigenschaften des sächsischen Landschweines vermehrt zu haben.

Ein Gang durch die Zuchtstätten von Sahlis ist ein Vergnügen. In sauberen, luftigen und bequemen Ställen liegen hier 50–60 Muttersauen und 200–300 Läufer- und Mastschweine. Die riesigen Zuchteber und Muttersauen sind in Einzelställen untergebracht, während die Jungtiere in Buchten zu je 10 Stück behaglich im reinlichen Stroh liegen und der Ruhe pflegen. Aus den Ställen der Muttersauen aber klingt das Schmatzen der saugenden Ferkel. Je näher die Futterzeit kommt, desto lauter wird das Quieken und Grunzen; sobald jedoch die Wärterinnen das Futter verteilt haben, hört man nur noch gieriges Schlürfen und wohlgefälliges Glucksen. Bald liegt der ganze Stall in tiefem Verdauungsschlafe.

Vor den Ställen sind in den Obstanlagen des Ritter gutes künstliche Sümpfe, Suhle, angelegt, um den jungen Zuchttieren genügend Auslauf und Gelegenheit zu einem Schlammbad zu geben. Mit Behaben wälzen sie sich hier, wühlen nach Herzenslust und reiben sich an der rauhen Mauer. Träge liegen sie dann ausgestreckt und nehmen ein Sonnenbad. Nur zur Futterzeit und des Nachts suchen sie den nahmen Stall auf. Jedes Schwein trägt in seinem Ohr eine Nummer, die mit einer Zange eingekerbt worden ist.

8–10 Wochen bleiben die Ferkel bei dem Muttertiere. Nach je 28 Tagen werden sie gewogen, um ihre Entwicklung genau zu überwachen. Tiere, die nicht genügend zunehmen, oder deren Bau nicht einwandfrei ist, werden von der Nachzucht ausgeschlossen, gemästet und als Schlachttiere verkauft. Die Zuchttiere mit ihren Nummern erhalten einen Eintrag ins Herdbuch. Dieses Buch gibt genaue Auskunft über Abstammung und Wachstum des Tieres; es sagt, wie oft und wie viele Junge es geworfen hat, auch ob es sich zur Zucht eignet. Die fehlerfreien rassereinen Tiere werden von den Landwirten gern zur Nachzucht gekauft, sie haben den Ruf der Sahliser Zucht weit verbreitet.