Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Vom Webersohn zum Rittergutsherrn

Ursprünglich hieß er nur Johann Christian Schubart. Der Beiname „von Kleefeld“ ist ein Ehrenname, eine Adelsname, den er erst später vom Kaiser in Wien erhielt. Seiner Tüchtigkeit wegen wurde ihm 1851 ein Denkmal gesetzt, nicht weit von unserer Landesgrenze im oberen Schnaudertale bei dem Dorfe Würchwitz, südwestlich von Meuselwitz gelegen.

An der hohen Säule steht:

J. C. H. Schubart,
Edlem
von dem Kleefelde,
geb. 1734 gest. 1787
dem Verbreiter des Kleebaues,
dem Begründer der Stallfütterung.

Johann Christian Schubart wurde am 24. Februar 1734 in Zeitz geboren. Sein Vater war dort Bürger, Zeug-, Leinen- und Wollweber, sowie auch Kramer der mit Schnitt- und Materialwaren handelte. Die Mutter stammte aus unserer Bezirksstadt Borna und war die Tochter des Bauern Jakob Reichelt in Wenigborna. Im November 1732 waren beide in der Stadtkirche zu Borna getraut worden.

Der junge Johann Christian Schubart war ein stiller Knabe, der leicht lernte, was die Schule ihm bot und große Sorgfalt auf eine gute Handschrift legte. Bald war er so weit, daß er kleinere Kinder im Lesen und Schreiben unterrichten und Geburts- und Lehrbriefe mit besonderer Zierlichkeit anfertigen konnte, womit er sich sein erstes Geld verdiente.

Der Vater wollte aus ihm einen Zeug- und Leineweber machen. Der Knabe lernte auch beim Vater aus, ging dann aber als Schreiber zu einem Justizamtmann Tischer in Zeitz, schrieb dem Alten, machte den Laufjungen, klopfte und bürstete seines Herrn Kleider und putzte die hohen Stiefel mit den silbernen Sporen, was damals keine leichte Arbeit war.

Nach zwei Jahren verließ er Zeitz und wurde Schreiber in Lauchstädt und Rammelburg im Harz. Durch seinen Rammelburger Herrn, einen Justizamtmann Schrell, kam er zur Michaelismesse 1751 nach Leipzig. Hier blieb er, von Schreibarbeit lebend, die er für einen Rechtsanwalt und für Studenten verrichtete, wobei er viel lernte.

Was er aber damit verdiente, war zu wenig, um auskommen zu können. Er schrieb deshalb eigenhändig ein Gesuch um Arbeit und heftete es am Leipziger Rathause an. Es brachte ihm Glück; denn es war gerade die Zeit der Ostermesse 1752, und viele Kaufleute aus nah und fern weilten in Leipzig, gingen im Rathause ein und aus und lasen das Gesuch. Die wunderschöne Handschrift veranlaßte einen schlesischen Kaufmann namens Seltmann, ihn als Schreiber in seine Vaterstadt Hirschberg mitzunehmen.

Hirschberg beschäftigte ihn nur ein Jahr. Sein nächstes Ziel war Wien, die Kaiserstadt. Am Tage vor Ostern 1753 kam er mit vier Dukaten in der Tasche dort an und erhielt wieder eine Schreiberstelle. Aber sie beschäftigte ihn nicht völlig. Es blieb ihm noch viel freie Zeit, die er benutzte, um für einen anderen Herrn zu schreiben, der für die Kaiserin Maria Theresia Auszüge aus Bittschriften zu machen hatte. Schubart machte die Arbeiten in der ihm eigenen sauberen Schrift und erregte dadurch die Aufmerksamkeit der Kaiserin. Sie bot ihm eine feste Stellung an, wenn er seinen Glauben wechsele und aus der evangelisch-lutherischen in die katholische Kirche übertreten würde.

Was nun machen? Im Alter von 19 Jahren winkte ihm die erste dauernde, ehrenvolle Stellung! Zum anderen Glauben übertreten mochte er jedoch nicht, und so lehnte er denn das kaiserliche Angebot ab und kehrte nach einiger Zeit nach Hirschberg in Schlesien zurück.

Hier herrschte in dieser Zeit gerade lebhaftes Kriegstreiben; denn der siebenjährige Krieg war ausgebrochen und die Preußen hatten Schlesien besetzt. Schubart lernte dadurch viele preußische Offiziere kennen und trat schließlich als Sekretär in die Dienste zweier preußischen Generale, der Herren von Thadden und Werner. Mit diesen erlebte er die Belagerung Breslaus und ein hitziges Gefecht bei Treptow in Pommern gegen die Russen, die Kolberg belagerten. General Werner wurde dabei gefangen, während Schubart sich mit Mühe noch retten konnte. Er verlor aber seine ganze Habe und besaß nur noch das, was er auf dem Leibe trug.

Völlig mittellos wandte er sich nun nach Berlin und lebte hier eine Zeitlang von der Güte mildtätiger Leute. Bald jedoch übernahm er wieder eine feste Stelle: der Herzog von Braunschweig berief ihn als königlich großbritannischen Kriegs- und Marschkommissar seiner englischen Hilfstruppen nach Hildesheim. Um die Stellung einnehmen zu können, mußte er schnell noch die englische Sprache lernen. Mit Eifer ging er an diese Arbeiten; und in sechs Wochen war er soweit, die fremden Laute verstehen und sprechen zu können. Nach dem Friedensschluß im Jahre 1763 reiste er mehrere Jahre durch Europa, war zweimal in London, besuchte Rußland, Schweden, Dänemark, Holland, die Schweiz und Italien und durchstreifte Deutschland nach mehreren Richtungen. Dabei hätte er beinahe sein Leben eingebüßt, als er im Februar 1765 bei Tauwetter von Nyeburg in Schweden nach Seeland übersetzen wollte.

1768 kehrte er in seine Heimat zurück und verheiratete sich 1769 mit der Tochter eines reichen Kaufmanns in Leipzig, die ihm 80 000 Taler in die Ehe brachte, ein ansehnliches Vermögen, das er zum Ankauf eines Bauerngutes in Würchwitz verwendete. Schubart, der ehemalige Weberlehrling, Schreiber, Sekretär und Kommissar, wurde nun Landwirt.

Da galt es von neuem zu lernen; denn bisher hatte er sich nur wenig um die Landwirtschaft kümmern können. Fürs erste legte er sich an einer bisher unbenutzt gebliebenen Stelle einen prächtigen Garten an, bestellte Blumen in Holland, das er ja früher bereist hatte, baute ein schönes Garten- und Treibhaus und ließ einen Springbrunnen spielen. Nachdem er vom Gartenbau gelernt hatte, ging er zum Feldbau über und merkte hier, je mehr er sich in die Arbeit des Landmannes vertiefte, die Mängel der damaligen Wirtschaftsweise.

Am meisten störten ihn die weiten Flächen der Flur, die unbebaut liegen zu bleiben hatten, weil das Vieh Sommer wie Winter ausgetrieben wurde und im Freien fressen mußte. Mai bis August lag ein Drittel der Flur brach, die übrigen Monate zwei Drittel. Man mußte auch im Winter das Vieh austreiben, da man den Tieren sonst wenig oder nichts zu geben hatte: etwas weiße Rüben, Möhren, Kraut und Erdbirnen, von allem aber nicht viel, weil durch das häufige Austreiben der Mist verloren ging und die Felder nur mangelhaft gedüngt werden konnten. War die Witterung so ungünstig, daß das Vieh nicht hinaus konnte, mußten es mit Stroh und aufgebrühter Spreu vorlieb nehmen. Wurde es aber ausgetrieben, dann kam es meist hungriger als vorher in die Ställe zurück, weil das Wenige oft schon abgehütet war. Ängstlich wartete man alljährlich auf das kommende Frühjahr, und schon, wenn das Gras kaum daumenhoch war, trieb man die Tiere wieder hinaus. Dazu kam, daß die Bauern ihre Flur dem Rittergutsschäfer mit überlassen mußten. Unter solchen Umständen sahen die Kühe aus wie die mageren Rinder, die einst Pharao im Traum gesehen hatte. Zwanzig Kühe gaben damals kaum soviel Milch wie später vier, die gutes Futter vollauf bekommen konnten. Der Ertrag an Milch, Butter und Käse war gering, und Schlachtkühe gab es im Winter und Frühjahr überhaupt nicht.

Da entsann sich Johann Christian Schubart, bei seinen Reisen durch die Pfalz und die Schweiz Kleefütterung und schönes Vieh in den Ställen gesehen zu haben. Warum, so schloß er, sollte nicht auch hier in Würchwitz der Klee gedeihen? Um vorwärts zu kommen, schrieb er sofort an einen Freund in der Schweiz und ließ sich Kleesamen schicken. Da er aber keine Kopfkleesaat, sondern Luzernensamen bekam, hatte er im ersten Jahre wenig Erfolg. Schubart überlegte und suchte nach der Ursache des Mißlingens und meinte, der Boden sei nicht gepflegt genug. Um ihn zu bessern, fuhr er nach Wethau bei Naumburg und holte von dort Gipssteine, die in Würchwitz zerstampft und zermahlen und dann als Pulver auf die Felder gestreut wurden. Der rechte Erfolg wurde ihm aber erst mit dem Anbau des Kopfklees und der Runkelrübe. Dadurch kam er in die Lage, sein Vieh reichlich füttern, große Fuder in die Scheune fahren und obendrein noch bedeutende Mengen dörren und als Kleeheu aufbewahren zu können. Damit war ihm klar geworden: weg mit den vielen Brachfeldern, baut Klee an, laßt die Kühe im Stalle und füttert sie dort! Er zeigte den Bauern, daß man ohne Hutung auskommen konnte. Sein Vieh, das beste in der ganzen Umgebung, war der deutlichste Beweis dafür, daß er sich mit seiner Wirtschaftsart auf dem richtigen Wege befand.

Schubart wurde berühmt, und sein Ruhm verbreitete sich bald über ganz Deutschland und über Deutschlands Grenzen hinaus. Kaiser Joseph II. in Wien, auf die Stallfütterung aufmerksam gemacht, veranlaßte seine österreichischen Bauern, nach Schubarts Grundsätzen zu handeln; die Kaiserin Katharina II. von Rußland begeisterte sich für Schubarts Arbeit und wollte ihn für ihr Land gewinnen; der Herzog von Koburg erbat von Schubart Ratschläge für die Bewirtschaftung seines Landes; die Herzöge von Anhalt-Dessau, von Anhalt-Köthen und von Holstein-Beck lernten von Schubart, indem sie selbst sein Gut in Würchwitz aufsuchten, um seine Arbeit an Ort und Stelle zu prüfen, oder schickten Fachleute dahin; der Herzog von Weimar kaufte ein Gut, das ganz nach Schubarts Art bewirtschaftet wurde; auch der Amtmann zu Borna und Pegau, Herr Tobias Gottlob Hönel, der Zeitzer Stiftsamtmann Johann Carl Tischer, zwei Luckaer, der Hoffaktor Tobias Querner und Gottlob Leberecht Amende, und sogar Landwirte aus Ostfriesland, Danzig und Ostpreußen waren Schubarts Gäste.

1784 lud ihn der Kaiser in Wien nach seiner Hauptstadt ein, adelte ihn und verlieh ihm den Beinamen „Edler von Kleefeld“. So war aus dem einfachen Weberssohn ein Ritter geworden.

Bereits 1787 starb er und wurde auf seinem zweiten Gute Pobles begraben.

Sein Leib ist nun schon lange dahin, aber was er die Landwirtschaft gelehrt, das lebt noch heute, und 1934 wird man seinen 200sten Geburtstag feiern können.