Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Der Bauer in der Knechtschaft

Nach dem dreißigjährigen Kriege besaß der Bauer weder ein Gehöft, noch Schiff und Geschirr, er war gänzlich verarmt. Den Grundherren, die durch den Krieg natürlich ebenfalls gelitten hatten, blieb nichts übrig, als den wüsten Ackerboden ihrer Bauern selbst unter Axt und Pflug zu nehmen, neue Gebäude aufführen und Vieh und Geräte stellen zu lassen. Auch dann noch hielt es schwer, einen Wirt zu finden, weil sie ihn mit Steuern und Fronen um so mehr belasteten, je höher ihre Aufwendungen für das Grundstück gewesen waren. Wer die Wirtschaft übernahm, hatte auch anzugeloben, die Scholle nicht eher aufzugeben, als bis er einen Nachfolger gefunden, eine Maßregel, die um des lebenden Inventars willen einige Berechtigung hatte.

Die Folge davon war aber, daß der Pflichtige mit der Zeit selbst als Eigentum der Herrschaft galt, also erbuntertänig wurde. War aber der Bauer Erbuntertan des Grundherrn, dann gehörte dem Ritter auch die Arbeitskraft seiner Frau und seiner Kinder. So entstand neben der Erbuntertänigkeit der Gesindezwangsdienst. Nicht einmal durch Auswanderung konnten sich die Knechte und Mägde dem Zwange entziehen, da die Nachbarländer sich gegenseitig zur Auslieferung verpflichtet hatten. Anfangs dauerte dieser Dienst zwei, nach dem siebenjährigen Kriege jedoch vier Jahre. Dabei waren die Löhne im Verhältnis zu den Getreidepreisen sehr niedrig: 1 Taler 8 Groschen bis 3 Taler jährlich.

Aber auch ohne den Gesindezwangsdienst hatte der Landmann schwer genug zu tragen. Ohne Erlaubnis des Gutsherrn konnte er die Scholle nicht verlassen; seine Kinder bedurften der Erlaubnis des Ritters zur Heirat mit Untertanen anderer Herrschaften; starb er, so stand dem Grundherrn insofern ein Erbrecht zu, als er sich aus der Hinterlassenschaft das ihm geeignetste Stück (Besthaupt) wählen durfte. Dazu das Übermaß an Leistungen! Da gab es Landesfronen, wie Festungs- und Schanzarbeiten, Ausbesserungen von Heeresstraßen und Brücken, Vorspanndienste und Fuhren in Feldzügen, die den Pflichtigen oft monatelang von seinem Gehöfte fernhielten und ihm nichts, nicht einmal die Verpflegung für sich und seine Pferde, einbrachte.

Die Gemeinde verlangte Kommunalfronen; es waren die Dorfwege zu bessern, Gräben zu reinigen, die Kirchen in gutem Zustande zu erhalten, Botengänge zu verrichten, Nachtwachen auszuführen, kurz, es war alles zu tun, was in der Gemeinde im Laufe des Jahres nötig war. Der Grundherr beanspruchte Privatfronen: Der Bauer mußte ihm den Acker düngen, pflügen und besäen, Getreide, Heu und Grumt mähen und ernten, das Getreide auszudreschen und in die Mühle fahren, das Vieh hüten, die Schafe waschen und scheren, den Wald lichten, Fronholz fällen, anfahren und zerkleinern, den Teich schlämmen, den Mühlgraben fegen, die herrschaftlichen Gebäude auszubessern, Bier brauen helfen, Botendienste verrichten, bei der Jagd als Treiber dienen usw. Manche Gutsverwalter teilten die Frontage in Halb- und Viertelsfronen, wenn etwa ungünstige Witterung eintrat, so daß die Bauern immer weniger Zeit für die eigene Wirtschaft fanden. Der Frondienst, den der Bauer dem Grundherrn leistete, wurde meist nur durch eine der Arbeit entsprechende Beköstigung vergütet, die nicht immer zur Zufriedenheit der Fröner ausfiel. Über diese Kost heißt es in einem Vertrage vom Ende des 17. Jahrhunderts:

„Montags Sauerkraut, auf zwei Tische (wahrscheinlich jeder Tisch zu zehn Personen) eine Wasserstütze voll; Dienstags Klöße, jede Person zwei, wozu auf einen Tisch ein Kübel Gerstenmehl gegeben wird; zu den Klößen ist ein absonderliches Maß; Mittwochs Erbsen, auf zehn Personen 2 1/2 Kannen; Donnerstags wieder Klöße; Freitags Linsen, auf zehn Personen 2 1/2 Kannen, oder in Ermangelung derer große Graupen, 10 Personen eine Kanne, Sonnabends Rändelbrei (vermutlich Hirse, Grieß oder Grütze), und wird jeden Tag eine Kofentsuppe oder Kofentmärte gegeben. Wenn die Handfröner einen ganzen Tag arbeiten, bekommen sie die an oben erwähnten Tagen gesetzten Speisen und jeder dazu 2 Stück Brot und einen Käse; wenn sie aber nur einen halben Tag arbeiten, wird ihnen nur ein Stück Brot und ein Käse gegeben.“

Zu den Fronen gesellten sich allerlei Abgaben und Geldzinsen:

Der Landesherr verlangte von allen Landwirten die Landschock- (Eine Grundsteuer, 16 Pfg. von jedem Schock Groschen (2 1/2 Taler) Wert einer bäuerlichen Wirtschaft),  Pfennig- (Eine weitere Grundsteuer 42 Pfg. von jedem Schock Groschen Vermögenswert.), Personen- (Jeder Erwachsene je nach Stand und Einkommen 1 Groschen bis 120 Taler Jahressteuer, später Quatembersteuer genannt, da in 4 Terminen abzuführen.), Fleisch- (Eine Pfg. auf jedes Pfund Fleisch, gleichviel, ob verkauft oder selbst verbraucht.)  und Mahlgroschensteuer (2 Groschen vom Scheffel Weizen, 1 Groschen vom Scheffel Roggen, vor dem Vermahlen zu zahlen.), die Kavallerieverpflegungsgebühren, (Auf jedes Schock des gesamten Vermögens 42 Pfg.),  das Magazingetreide (Auf jede Hufe eine Metze (6 1/2 Liter) Roggen und 1 Metze Hafer.),  die Brandkasse (1729 wurde von August dem Starken die allg. Brandkasse errichtet.) und  die Einnehmergebühren (Für Ausstellung der Steuerquittung.); der Grundherr forderte den Erbzins, das Zinsgetreide, Geflügel und Eier,  die peinlichen Kosten (Gebühren für Ausübung der Gerichtsbarkeit), das Lehn- (5 Prozent des Taxwertes einer bäuerlichen Wirtschaft) und Siegelgeld (Für Beglaubigung des Lehnbriefes.)

Die Gemeinde erhob die Beiträge zur Verzinsung der Kommun- und Kreisschulden und die Ausgaben für die allgemeinen Bedürfnisse des Ortes; der Dorfgeistliche beanspruchte den Korndezem, den Zinsflachs und den Fleischzins; der Schulmeister bekam  Quartalgeld (Schulgeld, das vierteljährlich eingehoben wurde und für ein Kind 3 - 6 Pfg. betrug.), Orgelgeld,  den Maipfennig (Für Altarschmuck zu Pfingsten (Maibäume).), das Holzgeld,  den Michaelisgroschen (Beim Eintritt der Kinder in die Schule.), Singumgangsgeld (Am Gregoriustage dem 12. März), Heiligenchristgeld, Getreide und Eier, wenn auch alles in kleinen Beträgen.

Die im heutigen Amtsgerichtsbezirk Geithain liegenden Dörfer Ebersbach und Tautenhain zinsten und fronten dem Amte Colditz; Nauenhain der Herrschaft Wechselburg; Niedergräfenhain, Syhra und Wenigossa dem Rittergut Syhra; Ossa dem von Ossa; Ottenhain dem von Ottenhain; Altdorf teilweise der Stadt und teilweise der Kirche Geithain, ein Grundstück dem Rittergut Syhra; Frauendorf teils Königsfeld, teils dem Amte Colditz; Kolka teils Ossa, teils der Kirche zu Geithain; Narsdorf teils der Stadt Geithain, teils Königsfeld und teils dem Amte Penig; Niederfrankenhain teils Syhra, teils Geithain; Niederpickenhain teils Ossa, teils dem Amte Kohren; Oberfrankenhain teils Königsfeld, teils Syhra, ein Grundstück der Stadt Geithain; Oberpickenhain teils der Stadt, teils der Kirche zu Geithain, teils dem Amte Kohren, ein Grundstück dem Amte Rochlitz; Seifersdorf teils Ossa, teils Syhra, ein Gut der Geithainer Kirche und die unbebauten Grundstücke Königsfeld; Wickershain zum größten Teile dem Amte Rochlitz, zum kleinen Teile der Geithainer Kirche und ein Gut Königsfeld.

Die Leistungen jedes Anwesens waren in den Erbregistern und Fronbüchern des Amtes oder Rittergutes (oder Klosters) sorgfältig aufgezeichnet und wurden bei Käufen und Verkäufen ländlicher Besitzungen immer aufs neue in die Gerichtshandelsbücher (früher an Stelle des jetzigen Grundbuches gebräuchlich) eingetragen. Das Gerichtshandelsbuch von Syhra zählt in einem Vertrage vom 31. März 1792 über den Verkauf eines Hauses im Werte von 50 Gulden (1 Gulden = 21 Groschen.) in Niedergräfenhain folgende Lasten auf, die auf dem kleinen Besitztume ruhten:

„1 Groschen peinliche Unkosten in der Gemeinde Niedergräfenhain, 12 Groschen Erbzins zu Ostern, 6 Tage Kornschneiden oder Hauen ohne einiges Lohn jährlich der Herrschaft zu leisten und zu entrichten, auch derselben um den 16. Scheffel (D. h. der 16. Scheffel gehörte den Dreschern.), wie es die Garbe gibt, zu dreschen, ingleichen alle und jede Arbeit, wozu er von der Herrschaft verlangt wird, und zwar, daß er in langen Tagen von Walpurgis bis Michael früh nach 4 Uhr die Arbeit antritt und um 12 Mittag macht, auch daß er mittags um 1 Uhr die Arbeit wieder anfängt und nicht eher, als bis die Sonne untergegangen oder die Knechte und Leute Feierabend machen, aufhört, dafür er täglich 3 Groschen zum Tagelohn empfängt; wenn er aber außer den 6 Frontagen Korn haut oder schneidet, so bekommt er des Tages 3 Gr. 6 Pfg. In kurzen Tagen aber, als von Michael bis Walpurgis, da er mit Sonnenaufgang auf der Arbeit sein und bis auf den Morgen ohne Brot zu essen (D. h. er darf nicht frühstücken.) bleiben muß, bekommt er nur 2 Groschen zum Tagelohn; wenn aber Forste gemacht werden oder Teich gegraben wird, bekommt er 4 Groschen zum Tagelohn, muß aber von Sonnenaufgang bis zu deren Untergang beständig ohne Morgen- und Mittagsruhe arbeiten. Ferner muß seine Frau gleich anderen Drescherweibern alle Haus- und Feldarbeit der Herrschaft mit verrichten und bekommt 3 Gr. 6 Pfg. für den Tag Kornschneiden, 1 Gr. 4 Pfg. Tagelohn von Walpurgis bis Michael, 1 Gr. von Michael bis Walpurgis und 10 Pfg. (Ein Groschen = 12 Pfennige.) Tagelohn im Heu- und Grumtmachen, muß auch um das gewöhnliche Lohn mit spinnen, und dessen Kinder alle müssen auch und jedes 2 Jahre auf dem Vorwerk von Niedergräfenhain um das auf dem Rittergut Syhra gewöhnliche Lohn, wenn und zu welcher Zeit sie verlangt werden, zu Zwange dienen. Es verspricht auch Käufer, zu dem neuen Pfarrscheunenbau beizutragen ...“

Dasselbe Buch berichtet in einem Vertrage vom 2. März 1792 über den Besitzwechsel eines Bauerngutes in Wenigossa im Kaufwerte von 700 meißnischen Gulden. Der neue Besitzer hatte an die Herrschaft Syhra jährlich 1 Tlr. 21 Gr. Erbzins in 3 Terminen, 1 Tlr. 18 Gr. Baufuhrengeld in 3 Terminen, 1 Scheffel Hafer und 2 Hühner zu Martini, 1 Mandel Eier und 4 Pfg. Geld zum Grünen Donnerstag, „nicht minder die gewöhnlichen Pferde- und Handfrondienste nach dem Fronregister“ und eine einmalige Lehngabe von fünf Prozent vom wirklichen Werte (in diesem Falle von 750 meißnischen Gulden ) in Höhe von 39 Tlr. 10 Gr. 6 Pfg. zu entrichten. An das Rochlitzer Amt mußte er jährlich 13 Gr. Geld, 1 Scheffel und 1 Viertel Roggen und 3 Metzen Hafer zahlen, an den Pfarrer zu Ossa 1 Siebmaß (4 Metzen) Roggen und 2 Siebmaß Hafer "drei Jahre nacheinander, das 4. Jahr aber an dessen Statt 1 Siebmaß Weizen", an den Schulmeister in Ossa 1 Metze Korn, 2 Brote und etliche Gründonnerstagseier „und zu Herbstzeiten ein Gericht, so aus Erdbirnen, Kraut oder Rüben besteht, und 3 Heller dazu“, an die Gemeinde zu Wenigossa 4 Pfg. zu Ostern und 9 Pfg. zu Martini und endlich 5 Gr. 6 Pfg. zu Pfingsten alljährlich zu den peinlichen Unkosten "an die gnädige Gerichtsherrschaft, so in die Gemeinde als ein Beitrag gezahlt und überhaupt, was auf solchem Pferdefrongut an Steuern, Gaben, Fronen, Zinsen und Diensten nach dem Steuerkataster (das Gut war auf 54 gangbare Schock veranlagt) an Erbzins und Register haftet." Der Käufer dieses Gutes verpflichtete sich außerdem zur Bestreitung eines „Auszugs“ für seinen Vorgänger.

Unter solchen Verhältnissen half es einem Landmanne nichts, wenn er sich samt seiner Familie tagaus, tagein plagte. Für ihn und die Seinigen blieb wenig oder nichts übrig. Dürftig war seine Kost, dürftig seine Kleidung, dürftig seine Behausung. Mit Sorgen stand er auf, mit Sorgen legte er sich zu Ruhe, wenn ihn die lange Gewohnheit nicht abgestumpft hatte. Eine Mißernte, ein Hagelschlag, ein Viehsterben, und er war ärmer als ein Bettler.

Es ist erklärlich, daß der Bauer nicht an die Verbesserung seiner Einnahmen dachte. Was hätte es ihm auch genützt! Wie es seine Väter machten, so machte er es auch. In der Bewirtschaftung des Bodens trat darum bis um 1800 auch in der Bornaer Pflege keine wesentliche Änderung ein. Es hatte sich hier seit mehreren Jahrhunderten durchgängig die Dreifelderwirtschaft erhalten: ein Teil der Ackerfläche eines Gutes trug Wintergetreide (Roggen und Weizen), ein anderer Teil Sommergetreide (Gerste und Hafer), und der Rest bleib brach liegen. Oder es diente dasselbe Flurstück in drei aufeinanderfolgenden Jahren als Winter- Sommer- und Brachfeld. Die Brache wurde als Weide benutzt, teilweise aber besömmert, d. h. der Landmann bestellte einen Teil des Brachlandes während des Sommers mit Erben, Wicken und Möhren, wohl auch mit weißen Rüben oder – später – mit Kartoffeln. Der Dünger wurde nach völlig beendigter Sommerbestellzeit auf einmal hinausgefahren. Er kam auf die ausgedörrte Brache zu liegen und blieb solange in unbedecktem, allen Entkräftungen ausgesetztem Zustande, bis der Termin kam, wo die Brachen aufgerissen werden durften oder ein durchdringender Regen den harten Boden aufweichte. Unter diesen Umständen konnte die Düngung nicht ausreichend sein, und künstlicher Dünger war unbekannt.

Die Ackerfurchen wurden nicht so tief gezogen wie heute, auch Egge und Walze weit sparsamer gebraucht. An Abwässerung nasser Stellen und Vorkehrungen gegen Abspülung durch Regengüsse dachte man wenig. Allerhand Feldunkräuter, wie Hedrich, Wildhafer, Mohn, Trespen, Raden und Brombeersträucher, machten sich breit. Der Landmann war gezwungen, am Althergebrachten festzuhalten. Den Aufschwung der Landwirtschaft verhinderte zunächst die Gemengelage der Grundstücke. Die Gutsäcker hingen nämlich nicht mehr wie zu Anfang untereinander zusammen, sondern lagen zerstreut in der Feldmark, oft weit auseinander. Diese Zerstückelung des Grund und Bodens machte die Feldbestellung überaus zeitraubend. Dazu kam der Flurzwang:

Jeder Bauer war gehalten, sich der von der ganzen Ortschaft angenommenen Wirtschaftsweise, also der Dreifelderwirtschaft, anzuschließen. Er konnte mithin nicht andere Früchte bauen als sein Nachbar und hatte zu dulden, daß die Dorfgenossen, deren Felder ja ebenfalls im Gemenge lagen, über seine Fluren fuhren oder Vieh trieben, beanspruchte er doch dasselbe Recht auch für sich. Es ist daher durchaus nicht verwunderlich, daß es o lange dauerte, ehe z. B. Kartoffeln und Klee überall angebaut wurden.

Ein weiteres Hindernis waren die Gemeinheiten: Die ländlichen Grundstücke konnten während einer bestimmten Zeit des Jahres gemeinschaftlich zu Weidezwecken benutzt werden, entweder, weil sie Gemeindebesitz (Allmende) waren, oder weil Einzelne das Recht dazu hatten. Ehe diese Frist nicht abgelaufen war, durfte das Land nicht bestellt werden. Am meisten klagten die Bauern über die Hut- und Tristgerechtigkeit des Rittergutes. Es war die Befugnis der Herrschaft, ihr Vieh auf die Grundstücke ihrer Bauern treiben und dort weiden zu lassen. Die Tristzeit währte im Frühjahre gewöhnlich bis zum 1. Mai, im Herbste vom Oktober bis zum Eintritt strengen Frostes. Solange durfte der Landmann kein Feld bestellen. Keiner durfte im Herbste die Winterstoppeln umpflügen; erst wenn im Frühling die „offene Zeit“ kam durfte er den Acker zur Sommerfrucht und die Brache zur Sömmerung bearbeiten; aber mittlerweile verbreitete sich das Unkraut massenhaft über das Feld. Auf den Brachen durften keine Futterkräuter angebaut werden, weil sie für die Hutung des Rittergutes reinzuhalten waren. Es konnten dann natürlich auch nur solche Früchte gezogen werden, die bis zur aufgehenden Hut und Trift reif wurden. Schädigten Mißwachs oder Hagel die Getreidefelder, so war es dem Bauer unmöglich, seine Felder nochmals zu bestellen, um den Verlust wenigstens einigermaßen zu ersetzen. Tat er es doch, so mußte er dulden, daß der Rittergutsschäfer, eine übel berufene Person, die neugewachsenen Früchte rücksichtslos abhüten ließ, sobald die Hutungszeit anbrach.

So fraßen sich fremde Herden auf des Bauern Feldern satt, während sein eigenes Vieh oft von der Weide ausgeschlossen war. Demnach haben auch Gemengelage Flurzwang, Gemeinheiten und Tristgerechtigkeit wesentlich dazu beigetragen, daß der Landwirt auf keinen grünen Zweig kam. Er hat also durchaus keinen Grund, die „gute alte Zeit“.