Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Der Breunsdorfer Bierkrieg

In alter Zeit schon genoß Borna mancherlei Vorrechte. So erhielt die Stadt im Jahre 1467, da sie durch den Hussiten- und den Bruderkrieg in große wirtschaftliche Not geraten war, von den Landesherren Ernst und Albrecht das „Bannmeilenrecht“, welches bestimmte, daß in den Dörfern, innerhalb einer Wegmeile um Borna gelegen, kein Schankwirt anderes als das in Borna gebraute Bier „führen und schenken“ durfte.

Dieses Recht wurde von den später regierenden Fürsten mehrmals bestätigt, und die Bornaer Bürger wachten eifrig darüber, daß es in Geltung blieb. Freilich war das Bornaer Bier nicht immer nach dem Geschmacke der durstigen Dorfbewohner, die Sonntags oder nach Feierabend beim gefüllten Zinnkrug am Schenktische „diskurierten“ und dabei auch gern einmal einen anderen „guten Tropfen“ getrunken hätten. Das galt besonders von den Breunsdorfer Bauern. Dem einen war das Bornaer Gebräu zu dünn, dem andern zu bitter, einem dritten zu teuer. Berühmt nach Güte und Geschmack waren aber das Wurzener und das Schneeberger Bier, wovon sich der Wirt von Breunsdorf mit Vorsicht einige Fäßlein „hintenherum“ besorgt und in den verstecktesten Winkel seines Kellers eingelagert hatte.

Zuweilen verabreichte er davon seinen Gästen heimlich einen Krug. Es blieb freilich nicht aus, daß den Bornaern dieser Verstoß gegen ihr Recht zu Ohren kam, es wußten zu viele um das Geheimnis. Wurde es doch auch von den städtischen Bierfahrern übel vermehrt, wenn sie im Sommer im Breunsdorfer Gasthofe einige Fässer weniger abladen durften als anderswo trotz des Mehrverbrauches bei der Glut der Hundstage. Auf Anschuldigung der brauberechtigten Bornaer Bürger, daß in Breunsdorf widerrechtlich „fremde Biere“ eingeführt und getrunken würden, ward eines Tages der Ortsrichter, der zugleich Schankwirt war, von „Amtswegen“ vor den Landrichter nach Borna zur Verantwortung gefordert. Da er leugnete, fremde Biere im Hause zu haben, gingen sechs Bornaer Bürger unter Begleitung bewaffneter Stadtknechte nach Breunsdorf, um Haussuchung in den Kellern der Dorfschenke abzuhalten.

Da sind die Breunsdorfer Bauern in Scharen über die Bornaischen hergefallen. Auf der Dorfgasse ist der Tumult trotz der Warnungen einiger Besonnener weitergegangen. „Die Breunsdorfer haben aus den Stuben und Fenstern auf die Bornaischen mit Steinen, alten Töpfen und Krügen und starken Holzscheiten geworfen; ein wütender Bauer ist sogar mit der Heugabel auf Martin Quarg, den Bornaer Bierschröter, eingedrungen und hat ihn tödlich verletzet.“ Auch die andern Bornaer Bürger sind schwer mitgenommen worden, so daß sie nur mit Lebensgefahr entkamen und „ziemlich traktieret“ wieder in Borna anlangten. So endete der Bierkrieg zu Breunsdorf wohl zunächst zu Gunsten der Bauern, fand aber ein schlimmes Nachspiel vor dem gestrengen Landrichter in Borna. In späteren Zeiten haben neue Gesetze alte Vorrechte aufgehoben und alle Zusammenstöße zwischen Bauern und Bürgern verhindert.