Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Von den Bauern zu Zedtlitz und Neukirchen (1450)

Schon lange vor der Zeit des großen Bauernkrieges kam es in verschiedenen Orten unserer Heimat zu Gewalttätigkeiten seitens unzufriedener Bauern. Von einer solchen „Bauernrevolution“ erzählt das Stadtbuch von Borna aus dem Jahre 1450. In den wettinischen Landen wütete damals der Bruderkrieg. Herzog Wilhelm von Thüringen hatte 9000 böhmische Söldner geworben, die das Land seines Bruders, des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, auf das schrecklichste verwüsteten. Auch Borna und die Gegend bis Zeitz hatten unter den rohen Kriegshorden zu leiden, und viele wüste Marken sind heute noch stumme Zeugen aus jener schweren Zeit.

Schon einmal hatte sich die Stadt Borna gegen Zahlung eines Lösegeldes (300 Gulden) von einer Heimsuchung freigekauft. 1450 waren aber die herzoglichen Söldner wiederum im Anmarsch auf Borna. Ehe sie sich noch der Stadt näherten, wo viele Einwohner der nächsten Dörfer Schutz und Sicherheit gesucht hatten, bestimmte der Rat, daß etliche Bürger mit den anrückenden Böhmen unterhandeln sollten. Den Bauern von Zedtlitz und Neukirchen wurde geheißen, „die Weile daheim zu sein und mit den Ketzern abzudingen“, sich also mit ihnen friedlich zu verständigen. Damit waren jedoch die Zedtlitzer und Neukirchner nicht einverstanden, es half weder gütliches Zureden, noch ernste Hinweisung. Der Unwille der Bauern, die zu Haufen in der Stadt eingetroffen waren, äußerte sich bald in Gewalttätigkeiten.

Zornig zerschlugen sie alles, was sich an „Heergeräte“ auf dem Markte befand, drangen in die umstehenden Bürgerhäuser ein und wüteten in Küchen und Stuben in der rohesten Weise. Selbst vor der ehrwürdigen Marienkirche schreckten sie nicht zurück. Sie zertrümmerten das Kirchentor und setzten im Innern der Kirche ihr Zerstörungswerk fort. Über den Aufruhr aufs höchste empört, ermannte sich die Bürgerschaft, ergriff nach heftigem Kampfe eine Anzahl der Unruhstifter, soweit diese nicht ihr Heil in der Flucht gesucht hatten, und brachte sie ins Gefängnis. Erst auf Fürsprache der adligen Herren von Zedtlitz und Neukirchen und gegen Zahlung einer hohen Geldsumme wurden die Gefangenen freigegeben. Auch mußten sie versprechen, allen in Borna angerichteten Schaden zu ersetzen. So war der ganze Bauernaufruhr zwecklos verlaufen, wie auch kurze Zeit später alle friedlichen Verhandlungen mit den böhmischen Söldnerhorden nichts genützt haben. Das Stadtbuch berichtet, daß in demselben Jahre trotz geleisteter hoher Brandschatzung Borna „bis auf vier ganze Häuserlein“ niedergebrannt worden ist.