Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Wie die Pest nach Frohburg und Greifenhain kam

Vergilbte Blätter geben Kunde von den Ereignissen des Jahres 1633 in Frohburg und Greifenhain.

Es ist da zu lesen:

Das alte Jahr hatte Plünderung, Verfolgung und Feuersbrunst in unser Dorf und das nahe Städtlein gebracht. Die kaiserlichen und schwedischen Kriegsvölker hatten arg gehaust; denn es war kein Unterschied zwischen Freund und Feind. Ab er die Holckschen Reiter trieben es über die Maßen. Am Neujahrstag anno 1633, als eben zu Abend geläutet wurde, kam ein Trupp Holckscher Reiter den Eisenberg herein, durchritt die Furt und kam auf dem Markt nach Frohburg. Weil aber das Wetter gar kalt und stürmisch war, blieben die Reiter im roten Hirschen und verbrachten allda eine wüste Nacht. Am anderen Morgen, als eben die Sonne aufging, kam der Bauer Stötzner, aus Greifenhain gebürtig, mit seinem Wagen gefahren und wollte seiner Schwester Kind nach Eschefeld bringen. Den zwangen die Holckschen, mit ihnen zu ziehen und beluden seinen Wagen. Dem Jungen gaben sie den Laufpaß.

Am Aschermittwoch in der 9. Stunde kommt ein schwerbeladener Wagen die Peniger Straße herein, daneben ein Trupp Holckscher Reiter. Am Hirschen machen sie halt, laden ab, Mäntel, Röcke, Schuhwerk, Hüte und dergl. mehr. Bald beginnt ein Feilschen und Handeln; denn jedermann holte seine verborgenen Groschen hervor, um die seltene Gelegenheit wahrzunehmen und Kleider zu kaufen. Den Stötzner aber schickten die Holckschen heim und gaben ihm ein Bündel Beutestücke als Fuhrlohn.Da hat sich mancher den Tod gekauft; denn mit den Sachen kam der schwarze Tod in Stadt und Land. Als Stötzner heimkam, war Freude über sein Kommen, und mancher sah scheel nach dem schmucken Mantel, den hohen Stiefeln und dem geschlitzten Wams.

Nach drei Tagen aber legte sich der Stötzner und war am anderen Tage tot. Nun hub ein Sterben ohne Ende an. Wer heute noch frisch und gesund war, den würgte schon morgen die Seuche. Da kam ein Schrecken unter das Volk, und mancher floh. Die Städte und Dörfer wurden abgesperrt, niemand durfte heraus und herein. Manch einer suchte in den Wäldern Zuflucht, doch alles nützte nichts. Die Seuche griff weiter und weiter.

Auch Wolftitz wurde davon erfaßt. Weil aber die Wolftitzer keinen eigenen Gottesacker hatten, so brachten sie ihre Toten bis auf die Höhe vor Greifenhain, legten sie auf den Kirchweg und gingen heim. Dann kamen die Greifenhainer, holten die Toten herein und begruben sie.Es starben in diesem Jahre in Greifenhain 296, in Frohburg und den umliegenden Dörfern 1151 Personen.
Am 12. November endlich setzte starker Frost ein. Gleichsam als hätte er den schwarzen Tod gebrochen, hörte die schreckliche Seuche auf. Plünderung, Verfolgung, Feuersbrunst haben wir mit Gleichmut ertragen, die Pest aber war entsetzlich. Ich habe in dieser Zeit mein Eheweib und meine beiden Kinder begraben.

Am Neujahrstag anno 1634 nach dem Gottesdienste haben wir, Pfarrer und Küster, zwischen Kirche und Schule eine Linde gepflanzt, die bis in die späten Tage Zeugnis geben soll von den schrecklichen Pestjahre 1633.