Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Feuersbrünste in Pegau

Pegau ist im Laufe der Jahrhunderte von vielen Schicksalsschlägen schwerster Art heimgesucht worden, neben Krieg und Seuchen auch von verheerenden Feuersbrünsten.

Schon 1205 wurde die noch kleine Stadt durch Dietrich, Grafen zu Sonnersburg und Groitzsch, ein Raub der Flammen. Über einen Klosterbrand berichtet die Chronik unter Abt Heinrich I. (1150–68). Nur das Schlafhaus blieb unversehrt. 1295 wurde Pegau von „dem kaiserlichen Grafen von Nassau(1) gänzlich ruiniert“ und den Erdboden gleichgemacht. Schlimm kamen Stadt und Kloster 1307 weg. Nach siebenwöchiger Belagerung durch Markgrafen Dietzmann von Meißen wurden die Mauern gestürmt und die Stadt in Brand gesteckt. Vor allem ließen die Feinde ihre Wut am Kloster aus, das rein ausgeplündert wurde. „Das Heiligtum(2) schütteten die Wüteriche aus, den Leichnam des Herren nahmen sie mit ihren befleckten Händen und legten ihn an ungeweihte Orte. Den jungen Mönchen wurden die Kleider ausgezogen, und sie liefen in der Irre umher.“ Nach einem alten Pergament, das von einem Mönch in lateinischer Sprache beschrieben ist, brach auch 1382 Feuer aus. Es heißt da: „Den zweiten Pfingstfeiertag(3) 1382 war ein so erschrecklicher Brand hier in Pegau, daß viele Leute auf den Gassen verbrannten. Die Marienkirche, die Ottenskirche und St. Laurentiuskirche nebst den Klostergebäuden gingen im Rauch und Feuerflammen auf, auch wurde die ganze Stadt verwüstet.“ Dieses gewaltige Feuer soll bei einem starken Westwinde in einem Wirtschaftsgebäude des Klosters entstanden sein. Tage der Hitze und Trockenheit waren vorangegangen. Der Chronist erzählt, daß die Gewalt des Sturmes so groß gewesen sei, daß das Feuer sogar „die Elster übersprang“ und die Vorstadt vernichtete. Über 100 Menschen beiderlei Geschlechts verbrannten, die einen in ihren Kammern, andere auf dem Markte, und viele sollen nachträglich an Brandwunden gestorben sein. „Das Feuer fraß so gierig, daß niemand etwas von seinem Eigentum retten konnte und die Menschen kaum selber, von allem entblößt, entkamen! Hätten die Bürger gezaudert, so wäre nicht der sechste Teil entronnen! Alle, die entwichen, wären noch auf den Straßen, auf dem Markte und in den Häusern verbrannt, wenn sie nicht durch die Tore aus der Stadt hinausgeflohen wären!“

Dem Unglückstage von 1382 stehen nach einem Berichte in der „Pegauischen Chronika“ von Organist Köhler ein Brand vom Jahre 1670 an Größe und Schrecklichkeit nicht nach. Es heißt da: „1670, den 21. May, frühmorgens 3/4 auf 7 Uhr, als den Pfingst Heiligen Abend, ist zwischen Jeremias Seydeln, dem Lohgerber, und Friedrich Welten, dem Bötticher, Feuer auskommen, und 111 Häuser, 11 Scheunen, der Frau Bergmannin Brau- und Malzhauß nebst dem neu erbauten Rathaus und Turm und vielen Ställen abgebrannt, auch ist Martin Schleißig, Bürger und Kramer allhier, in seinem eigenen Wohnhause mit verbrannt, und am anderen Pfingst Feyertage nachmittags begraben worden.“ Der Brand soll bei heftigem Sturme in dem Auerbachschen Hause(4) an der Nordseite des Kirchplatzes ausgebrochen sein. 116 Häuser – 40 in der Vorstadt und 76 in der Unterstadt –, 11 Scheunen und Ställe, das Rathausdach und der Turm sollen eingeäschert worden sein.

Man war lange über die Entstehung des Feuers im unklaren. Da soll 1728 im Wiederau eine Frau auf dem Totenbette gestanden haben, am Brande von 1670 schuld zu sein. Sie habe sich an diesem Tage ein Kränzchen das nach Sitte der Zeit zum Besuche des Feiertaggottesdienstes getragen wurde, für das Fest holen wollen. Doch die Kranzmacherin sei mit ihrer Arbeit noch nicht fertig und eben darüber gewesen sich im Ofen Speckbrötchen zu bereiten. Das Mädchen habe sich erboten, um schneller zu ihrem Kranze zu kommen, die Bereitung der Brötchen zu übernehmen. Sie habe dabei zu starkes Feuer gemacht, der Speck sei brennend zur Esse hinausgeflogen und habe die Stadt angezündet.

In beiden Chroniken wird auch oft von weniger umfänglichen Bränden berichtet; doch in den Jahren 1382 und 1670 sind die Feuersbrünste am schrecklichsten gewesen.

Erläuterungen
(1) Kaiser Adolf (von Nassau) 1222-98.
(2) Die Reliquien.
(3) 26. Mai.
(4) Jetzt Schillerschlößchen.