Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Der Brand von Meusdorf bei Kohren 1827

Selten ist ein Ort so von Bränden heimgesucht worden wie das Dorf Meusdorf. Dieser alte, durch deutsche Ansiedler im 11. und 12. Jahrhundert angelegte Ort verlor schon am 4. Mai 1743 zwei Güter durch eine Feuersbrunst. Trotz größter Vorsicht gingen am 2. August 1767 wieder vier Güter in Flammen auf. Der größte Schreckensstag war aber der 5. Juli 1827. An diesem Tage brannte mit Ausnahme von drei Häusern, die an der Westseite des Dorfes lagen und bereits harte Bedachung aufwiesen, sämtliche elf Bauerngüter mit ihren Nebengebäuden nieder. Hundert Einwohner, aller ihrer Habe im Nu beraubt, waren arm und obdachlos geworden. Man sagt sich, wie das Feuer so schnell um sich greifen konnte. Der Gründe hierfür gibt es mehrere. Frühling und Sommer dieses Unglücksjahres waren sehr trocken und heiß gewesen, nur wenig Regen hatte die lechzende Erde erquickt. So kam es, daß die Gebäude, deren Grundmauern nur aus Bruchstein gewesen waren, sonst aber nur aus Holz, Stroh und Lehm bestanden, und besonders die Strohdächer gänzlich ausgetrocknet waren. Dazu standen die Güter so nahe beieinander, daß sich die Dächer fast berührten. Vor und hinter den Häusern waren Holzfeimen für den Winter aufgestapelt; Reisigbündel und Scheitholz hatte man an den Lehmwänden aufgeschichtet, die die Feuersgefahr bedeutend erhöhten.

Ein Sprichwort sagt: Ein Unglück kommt selten allein. Hier traf es zu. Die Einwohner bis auf wenige alte Frauen waren nicht daheim. Teils waren sie auf dem Peniger Wochenmarkt, um ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu verkaufen, teils auf dem Rittergute Sahlis, um ihren Frondiensten nachzukommen, teils auf dem Felde, um dort nötige Arbeiten zu verrichten oder das im Freien weidende Vieh zu betreuen. Daher waren nur wenige rettende Hände zur Stelle, als der Angstruf „Feuer!“ durch die Mittagsstille gellte. In Kürze brannte das ganze Dorf über und über. Leichter Westwind blies darein und förderte die Arbeit der gierigen Flamme. Wehrlos mußten die herbeigeeilten Bauern zusehen, wie ihre Anwesen dem gefräßigen Elemente zum Opfer fielen. Hilflos standen sie vor dem gewaltigen Feuermeer, aus dem sie nichts zu retten vermochten. Jammernde Frauen, weinende Kinder, prasselnde Flammen und stürzendes Gebälk, wohin das Auge sah! Niemand konnte an die brennenden Gebäude heran, denn die Glut war zu groß. Erzählt man doch heute noch, daß die furchtbare Hitze die Jahnshain auf der Bleiche liegende Leinwand versengt habe und die brennenden Seilknoten durch die Glut bis auf den Rochlitzer Berg getrieben worden seien.

Mit welcher Schnelligkeit der Brand um sich gegriffen haben muß, kann man daraus ersehen, daß man heute noch nicht weiß, wo das Feuer entstanden ist. auch in der Umgebung hatte man nichts vom Feuer gemerkt. Denn als eine Frau auf ihrem Wege von Meusdorf nach Kohren den Ritter Heinrich von Meusdorf bei der Heuernte auf dem Rittergute Sahlis antraf, wußte dieser noch nichts von dem großen Unglück, das ihn und sein Dorf getroffen hatte. Bei dieser Trauerbotschaft ist ihm „der Schreck so in die Beine gefahren, daß er nicht wußte, wie er heimkommen sollte“. Er kam auch zu spät. Leergebrannt war die Stätte!

Von diesem Brande kann man auch nicht sagen, wer ihn angelegt hat, ob fahrlässige oder verbrecherische Absicht vorliegt. Bei der sofort vorgenommenen Untersuchung hat ein altes Mütterlein ausgesagt, es habe Speck ausgebraten, und da sei ihm das Feuer in die Pfanne geschlagen. Der angebrannte Speck sei vielleicht durch die weite Esse auf die Dächer getrieben worden. Sie könne es aber nicht behaupten. Das wäre vielleicht nicht unmöglich, aber wer will es beweisen? Noch am Abend desselben Tages ging das Mütterlein freiwillig in den Tod. In einem unbewachten Augenblick lief es in den Hof ihres in Asche liegenden Gutes, schob die schweren Decksteine aus Rochlitzer Porphyr, mit denen der Hofbrunnen bedeckt war, zur Seite, stürzte sich in der Verzweiflung in die Tiefe und fand hier den gewünschten Tod und Erlösung von einem gequälten Gewissen.

Mit Hilfe christlich gesinnter Menschen war das Dorf bald wieder aufgebaut. Zur Erinnerung an das große Unglück ließ der Richter Heinrich über der Toreinfahrt seines Gutes einen Stein mit folgender Inschrift einmauern:

Am fünften Julius in dem vergangen Jahr,
Das für uns hier im Dorf sehr traurig war,
Da mußte man dies Dorf in Flammen stehen
Und auch in kurzer Zeit in Asche liegen sehen,
Gott hat uns heimgesucht, doch wer ihm nun vertraut,
Hat auch durch seine Hilf`bald wieder aufgebaut.
O laßt, die ihr es wißt, Bewohner groß und klein,
Den fünften Julius uns unvergeßlich sein!