Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Die Pegauer Ziegeleien

Zu den Bodenschätzen, die der Bezirk Borna aufzuweisen hat, gehört auch der Lehm, der weite Strecken unserer Heimat bedeckt. Er liefert das Material für die zahlreichen Ziegeleien, die sich vor allem in der Umgebung von Pegau finden. Sehen wir einmal zu, wie die Ziegelsteine hergestellt werden!

Zu jeder Ziegelei gehört eine Lehmgrube. Hier werden im Laufe des Sommers und des Herbstes große Mengen von Lehm abgegraben, soviel, wie man im Laufe eines Jahres verarbeiten kann. Der Lehm liegt hier in Pegau und Umgegend an manchen Stellen 10–15 m tief. Infolge dieser mächtigen Schichten sind auch die Lehmgruben oft recht tief: 4–5 m müssen wir hinabsteigen, um hinunter zu gelangen.

Die gelben Wände sind steil, oft stufenförmig angelegt und bieten dem aufmerksamen Beobachter allerlei Sehenswertes. Da erblicken wir alte, von Erde ausgefüllte Hamsterbauten. Es wird uns klar, warum es so schwer ist, einen solchen Bau auszugraben; denn diese reichen bis in 2 m Tiefe. An vielen Stellen sehen wir im gelben Lehm fast schwarz gefärbte Schichten. Hier brannte vor undenklichen Zeiten das Herdfeuer der damaligen Bewohner. In diesen „Herdgruben“ finden wir oft Reste von Urnen und Waffen, die entweder aus Stein oder Bronze gefertigt sind. Auch Gräber aus der Stein- und Bronzezeit sind nicht allzuselten in den Lehmgruben anzutreffen. Lange Zeiträume sind seit jenen Tagen vergangen, rechnet man doch, daß die Steinzeit bei uns etwa um das Jahr 2500, die Bronzezeit um 1500 vor Christi Geburt begann. In tiefer gelegenen Schichten des Lehmes findet man zuweilen noch ältere Gegenstände, nämlich Knochen und Zähne vorweltlicher Tiere, z. B. vom Mammut und vom Nashorn, die in unserer Gegend vor der Eiszeit lebten, als noch kein Mensch hier zu finden war.

Die tiefsten Stellen einer Lehmgrube sind mit Wasser ausgefüllt. In den Wasserlöchern gedeihen Schilf und Rohrkolben. Hier tummeln sich im zeitigen Frühjahr hunderte von Kaulquappen, hier halten die Frösche ihre Konzerte ab, daß es weithin schallt bis in die Stadt hinein. Molche und Wasserkäfer finden hier geeignete Lebensbedingungen. Oft benutzt der Ziegeleibesitzer diese Wasserlöcher auch zur Fischzucht. Dann sehen wir darin fette Karpfen nach Futter suchen.

In diesen Gruben bleibt der abgegrabene Lehm bis zum nächsten Frühjahre liegen. Er soll sich mit Wasser ganz und gar durchsetzen und weich werden, und alle gröberen Teilchen sollen zerfallen. Kommt nun der Frühling, dann laden ihn die Arbeiter in Loren, die auf Gleisen fahren, und bringen die Wagen bis an eine schiefe Ebene. Hier werden die Wagen an ein Seil gehängt und mit Maschinenkraft nach der Fabrik geschafft. Der Lehm wird in einem Trichter geworfen, wo die Lehmstücke noch mehr zerkleinert und gut durcheinander gemischt werden.

Aus dem Trichter fällt der Lehm zwischen eiserne Walzen. Jedes auch noch so kleine feste Teilchen wird hier zermalmt. Nun kommt die so bearbeitete Masse in die Presse. Das ist eine Maschine, die dem Wolf ähnelt, den ihr Kinder beim Fleischer, vielleicht auch bei der Mutter gesehen habt. Wie hier das Fleisch mit Hilfe einer schraubenförmigen Welle durch die Öffnungen gedrückt wird, so bei der Lehmpresse der Lehm. Er wird durch ein Mundstück gepreßt, das ihm die gewünschte Form gibt, etwa eines Dachziegels oder einer Röhre. In unserer Ziegelei sollen Bausteine hergestellt werden; deshalb ist das Mundstück viereckig. Da die Ziegel beim Brennen etwa 10 % kleiner werden, ist das Mundstück der Presse etwas größer als der fertige Ziegelstein. Alle Ziegel sollen ein bestimmtes Maß haben, das man als das deutsche Reichsformat bezeichnet. Es hat die Größe von 25, 6,5, 12 cm.

Die Ziegel, die aus der Presse kommen, sind so weich und feucht, daß wir mit dem Finger hineindrücken können. Mit einem Stück Draht werden sie abgeschnitten. Das geschieht in der einen Ziegelei mit der Hand, in anderen Fabriken besorgt das Abschneiden gleich die Maschine. Arbeiter, meist Frauen und Mädchen, nehmen die feuchten Ziegel weg und bringen sie in besondere Trockenräume. Das Trocknen besorgt entweder die Luft, dann dauert es etwa 14 Tage, oder es sind besondere Trockenscheunen da, die künstlich geheizt werden. Dann genügen schon 8 Tage. Die lufttrockenen Ziegel haben noch die gelbe Farbe des Lehmes.

Das wird nun anders; denn nun kommen sie in den Brennofen. Er besteht aus einem Brennkanal, dessen Innenwände aus Chamottesteinen gemauert sind. Dieser Brennkanal ist etwa 70 m lang. Wenn er leer ist, kann man darin rund herum gehen (Ringofen). Er ist ungefähr 2,50 m breit und 2,25 m hoch. In der Außenseite sind aller 4 m offene Eingänge zum Ein- und Ausbringen der Ziegel. Meist sind 16 solcher Eingänge vorhanden. Den Raum zwischen 2 Eingängen nennt man eine Kammer. Im Deckengewölbe einer Kammer sind viele kleine Löcher, durch die die Kohle geschüttet wird. Mit eisernen Kapseln werden die Heizlöcher zugedeckt. Auf dem Boden jeder Kammer ist ein Abzugskanal für den Rauch.

Soll ein Ringofen in Betrieb gesetzt werden, so wird zunächst der Brennkanal mit einer Mauer abgesperrt. Hier werden 3–4 Feuerungen eingebaut. Hinter der Mauer setzt man 5 Kammern voll lufttrockene Ziegelstein. Jede Kammer wird gegen die nächste durch eine Papierwand luftdicht abgeschlossen. Die Eingänge der besetzten Kammern werden mit Mauersteinen vermauert und mit Lehm verschmiert. Nun wird auf den Rosten der Feuerung so lange ein starkes Feuer unterhalten, bis die Ziegel in den 5 Kammern glühen. Dann beträgt die Hitze im Innern 900–1000 Grad. 

Darauf läßt man das Feuer auf der Feuerung ausgehen und schüttet von oben durch die Heizlöcher Kohle nach. Durch den Zug des Schornsteines wird die Glut vorwärts gezogen. Die Ziegel der zuerst besetzten Kammer sind fertig gebrannt und erkalten allmählich. Die Feuermauer wird herausgerissen, die Eingangsöffnung ebenfalls, und die Ziegel werden herausgenommen. So geht die Arbeit im Kreise herum. Andere Kammern sind unterdessen wieder mit ungebrannten Steinen besetzt worden, und wieder treibt der Zug des Schornsteins die Hitze vorwärts. Aus den abkühlenden Kammern zieht man durch ein Kanalsystem die heiße Luft weg und heizt damit die Ziegelsteine vor. Ununterbrochen brennt der Ringofen, Tag und Nacht. Es sind deshalb drei Brenner da, die sich aller 8 Stunden ablösen. Viele Jahre geht diese Arbeit vor sich, bis der Ofen einmal ausgebessert werden muß. Dann läßt man das Feuer erkalten, bringt aber nach den Ausbesserungsarbeiten den Ofen wieder wie vorher in Betrieb. Bemerkt sei noch, daß man zum Brennen von 1000 Ziegeln 4–6 Ztr. Kohle braucht.

Fragen wir zum Schluß noch, woher der Lehm unserer Gegend stammt. Er ist ein Geschenk der Eiszeit, einer Erdperiode, wo ganz Nord- und Mitteleuropa, auch Deutschland, tief unter Eis begraben lag, so wie heute noch Grönland. Das Eis kam von den Gebirgen Skandinaviens und wälzte sich - die Ostsee war noch nicht vorhanden - nach Süden und Südosten zu bis an den Abhang des Erzgebirges. Auf seinem Rücken trug es mächtige Steine, die aus Skandinavien, aber auch von den Inseln der Ostsee stammten. Auch unter dem Eise lagen Gesteinsmassen. Von dem ungeheuren Druck des Eises, das in unserer Gegend noch eine Mächtigkeit von etwa 200 m aufwies, wurden die Steine zermalmt und zu feinerem und gröberem Schutt zermahlen. Als das Eis sich später zurückzog, blieben diese Schuttmassen als Moränen zurück. Der Wind blies die feineren Teilchen heraus und lagerte sie an anderen Stellen wieder ab, so, wie er im Winter Schneewehen bildet. So entstanden die großen Lößlehmlager der Pegauer Gegend.