Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Geschichtliches von der Kürschnerei in Rötha

Die Kürschnerei fertigt aus Tierfellen Kleidungsstücke und ist seit Jahrhunderten der Hauptnahrungszweig Röthas, dessen Kürschnerinnung zu den ältesten Handwerkervereinigungen gehört. Alle Kürschner der Umgebung, sogar die von Markranstädt, mußten ihr beitreten. Am Anfange des 19. Jahrhunderts gab es in Rötha noch zwölf selbständige Meister, die nicht nur das Rauchwerk der Umgegend, sondern auch schon Felle von Leipzig verarbeiteten und ihre Fertigwaren zum Brühl brachten, wo sie neue Rohwaren – Edelpelze wurden in Blechkästen eingeschlossen – auf Schubkarren holten. Sie waren Zurichter und Nadelkürschner in einer Person.

Nach dem Völkerringen von 1813 wies Rötha nur noch zwei Meister auf, eine Folge der Kontinentalsperre. Erst nach der Gründung des Zollvereins (1834) nahm das Gewerbe einen kleinen Aufschwung. 1853 kam der Kürschner Kunath von Leipzig nach Rötha und ließ sich in der jetzigen Bahnhofstraße im Hinterhause des Tischlermeisters Grützner nieder. Er richtete aber nur Felle zu, d. h. er gerbte sie und übergab sie dann den Nadelkürschnern zur weiteren Behandlung. Die Felle bezog er aus Leipzig. 1854 und 1855 ließ er seine Freunde Göhler und Schiewick von Leipzig nachkommen, die sich später hier selbständig machten. Bei Kunath, dessen Firma heute noch besteht, haben fast alle alten Meister gelernt.

Sein Sohn führte die Rauchwarenfärberei ein. Seine Persianerfarbe machte ihn in den Fachkreisen der ganzen Welt bekannt. Später wandten sich auch andere Meister der Färberei zu, und heute ist sie hier ebenso bedeutend wie die Zurichterei.

Vor dem Kriege war die Arbeit in der Kürschnerei ziemlich spezialisiert. Manche Meister richteten Wildware zu, also Felle von Raubtieren, wie Füchsen und Eisbären; andere die von Pflanzenfressern, wie Bibern und Hamstern. Kleine Meister bearbeiteten Menageriewaren, das sind Felle, die ihnen durch Kürschner von auswärts zum Gerben übersandt wurden. Während des Krieges legten sie sich notgedrungen auf die Zurichtung von Schöps- und auch von Kaninfellen, und jetzt sind sie froh, wenn sie recht viele Felle solcher Art bekommen.

Die Zurichtereibesitzer fahren fast täglich, wenn auch manchmal vergeblich, nach Leipzig auf den Brühl um Arbeit. Von dort kommen die Felle in großen Körben, Flechten genannt, hier an und werden zu gleichen Teilen an die Arbeiter verteilt, die nur im Stücklohn beschäftigt werden. Der Arbeitgeber ist also – eine Eigenart des Kürschnergewerbes – nur Arbeitsvermittler.