Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Von Hexenmeistern

Vom alten Gr.

Vor ungefähr 50 Jahren starb der letzte und größte Hexenmeister der Oberdörfer, der alte Gr. Er besaß ein Gut in Costewitz und die Untermühle in Pegau. Seine ständige Rede war: „Jetzunter und alleweil und su.“ Er hatte ein doppeltes Gesicht, d.h. er sah gleichzeitig alles, was auf seinen Feldern und in seinen Gebäuden vorging. Ängstlich wachte er darüber, daß ihm nichts gestohlen wurde, wie das alle die tun, die den Kobold haben.

1.

Eines Tages im Frühjahre ging eine Frau aus Elstertrebnitz auf seine Felder und rupfte Gras für ihre Ziege. Darnach melkte sie das Tier und setzte die Milch in den Ofen, um sie für ihr kleines Kind abzukochen. Plötzlich nahm sie einen üblen Geruch wahr. sie eilte zum Ofen und sah in den Topf. Da war lauter Jauche darin.

2.

In einem guten Jahre hingen seine Kirschbäume über und über voll. Ein paar Knechte konnten der Versuchung nicht widerstehen und taten sich am Abend an den saftigen Früchten gütlich. Sie waren nicht wenig erstaunt, als sie am nächsten Morgen die Bäume wieder vollhängen sahen.

3.

Einst las ein Knabe auf Gr. Felde Ähren, nahm aber auch aus den Mandeln. Dabei stach er sich an einer Stoppel und bekam ein krankes Bein. Es wurde schlimmer und schlimmer. Kein Doktor konnte helfen. Schließlich mußte das Bein sogar abgenommen werden. Hätte der Knabe aber beim alten Gr. Abbitte getan, so wäre sicherlich Heilung erfolgt.

4.

Ein anderes Mal stahlen ihm Diebe einen Schubkarren Getreide. Als sie das Feld entlang fuhren, wurde der Karren immer leichter. Wie war das nur möglich? Ganz einfach: der alte Grot schob selbst mit. Auf dem Wege angekommen , sahen ihn die Diebe. Jetzt donnerte er sie aber an und hieß sie, sein gestohlenes Gut wieder auf das Feld zu fahren.

5.

Eines Tages hatte ihm eine Magd aus Costewitz ein Knechtebett gestohlen. Sofort versammelte er seine Leute um sich und sagte: „Jetztunter und alleweil und su. Wer mir das Bett gestohlen hat, der soll so voller Läuse werden, daß er es nicht aushalten kann!“ Da wurde die unehrliche Magd so voll Ungeziefer, daß sie sich nicht anders zu helfen wußte, als daß sie das Bett dem alten Gr. zurückbrachte und ihn bat, ihr die Läuseplage doch wieder abzunehmen.

Vom alten Mutz.

Ein anderer Hexenmeister wohnte in Wildenhain. Aus dem Schornstein seines Häuschens guckte mitten in der Nacht ein feuerrotes Tier heraus. Wer Gras von seinen Feldern holte und es verfütterte, dem starben Kaninchen, Ziegen und Kühe.

Einmal waren auch wieder zwei Frauen auf die Wildenhainer Felder gegangen. Ohne ihr Wissen waren sie dabei auf ein Grundstück des alten Mutz geraten. Da stand das Gras, der Mäusedarm, am fettesten, und ohne sonderliche Mühe füllten sich Körbe und Schürzen. Die Frauen freuten sich, daß sie eher, als sie gedacht hatten, heimkehren konnten. Aber o Schrecken: ihre Hände schwollen zusehends an und wurden dicker und dicker! Da merkten sie, daß sie auf den Feldern des alten Mutz gewesen waren.

Sie gingen alsbald hin zum alten Hexenmeister, zeigten ihre Hände und sagten: „Wir wollen es nicht wieder tun.“ Der Mann besah sich die Hände und erwiderte: „Geht nur nach Hause!“ Alsbald legte sich die Geschwulst.