Heimatblätter aus der Bornaer Pflege

Vom Reiter ohne Kopf

Er begegnete einst einem Bauernburschen aus Hagenest, der in die Löschützmühle mußte. Die Mühle gehört zu Hagenest, ist aber von da aus zu Wagen nur über Lucka zu erreichen.

Diesen Umweg fuhr nun eines Abends der Hagenester Knecht mit einem leichten Breschwagen. Er hatte Getreide aufgeladen und wollte es in der Mühle gegen Mehl umtauschen; denn in den nächsten Tagen sollte gebacken werden. Am Tage zu fahren war nicht möglich gewesen, die Arbeit hatte zu sehr gedrängt.

Es war dämmerig geworden, als der junge Bursche seinen Fuchs aus dem Mühlengehöfte heimwärts lenkte und über die Grenzbrücke hinweg und an der Schnauder entlang fuhr. An der Staatsstraße bog er links ein und kam auch an die sogenannnte weiße Brücke, die die Nelke – ein kleines Wässerlein aus dem Forste - unter der Straße durchläßt. Schon von weitem schimmerten ihm die weißgetünchten Brückensteine entgegen. Aber auch ein dunkler Gegenstand ließ sich wahrnehmen. Er kam näher und näher und wurde größer und größer. Da – jetzt hatte der Bursche die Gestalt erkannt. O Graus, es war ein Reiter ohne Kopf! Schnell wie der Wind huschte er vorbei und war in der Finsternis verschwunden, ehe der junge Bauer zur Besinnung kam.

Auch an andern Orten sollen solche Spukgestalten gesehen worden sein:
am Hoppeberg bei Auligk (Kalb ohne Kopf)
am Wege nach der Buschmühle zwischen Auligk und Kleinprießligk (Kalb ohne Kopf und Hund ohne Kopf)
auf „Landmanns Stücke“ nördlich von Pautzsch (Pferd ohne Kopf)
am Kreuzwege westlich von dem Flurstück „die Burg“ (Kalb ohne Kopf)
hinter dem Löbnitzer Rittergute am „schwarzen Gatter“ (Reiter ohne Kopf)
in Winters Garten in Altengroitzsch (es spukt da)
in der kleinen Helle bei Groitzsch (2 weiße Tauben)
in einem Winkel an der Schwennigke nach dem „Gränzchen“ zu (großer Hund)
auf dem Weinberg in Groitzsch (Kalb ohne Kopf)
an der Straße von Pegau nach Stöntzsch am „Galgen“ (weißer Spitz)
der Kopf des letzten Hingerichteten wurde am Floßgraben bei Stöntzsch auf einen Balken genagelt, sein Bart wuchs weiter
an der Fluderbrücke von Weiderode (Kalb ohne Kopf)
an der Brücke von Kleindalzig nach Tellschütz (Kalb ohne Kopf) – es macht fest, führt irre
am Rittergutswalle in Audigast (Kalb ohne Kopf)
auf der Straße an der Eisenbahnweiche in Kobschütz (3 weiße Sperlinge)
am „Burgwege“ in Regis (es spukt)
in dem Gehölze am Fahrweg zwischen Blumroda und Regis (Kalb ohne Kopf)
an der Wegegabelung in Görnitz (Kalb ohne Kopf)
im „Erlicht“ am Fußwege von Görnitz nach Lobstädt dreibeinige „Schecke“, eine Färse)
am Görnitzer Hügel, wo die Silberpappel steht (es spukt)
im Lobstädter Rittergute (eine weiße Frau)
in der Lobstädter St. Margaretengasse, in der Rotengasse (dreibeiniger Schimmel, ohne Kopf, dreibeiniges Kalb)
vor Breunsdorf (Ziegenbock ohne Kopf)
bei Bergisdorf, wo der Weg nach Deutzen den großen Bogen macht (dreibeiniger Hase und schwarzer Hund)
in den „Bunsen “bei Bahnhof Kieritzsch, dort, wo der Pürstener Weg von der Kieritzsch-Lobstädter Straße abzweigt (weißes Kalb)
am Friedhof des Dorfes Kieritzsch (Kalb ohne Kopf)