Wiprecht von Groitzsch

Letzte Größe vor dem Tod

1120. Von allen Fürsten des deutschen Reiches ward zu einer Besprechung über die Spaltung des Reiches nach Fulda eingeladen. Der König schickte Gesandte dahin, und mit Hilfe seiner Partei gelang es ihm durch alle möglichen Künste, Bitten und Versprechungen, die Behandlung der Sache nach Worms zu verlegen und – da ein kleiner Teil der Sachsen wieder zur Partei des Königs, alle andern in die Heimat zurückkehrten - den Zweck der Zusammenkunft zu vereiteln. Herzog Welfo starb, ebenso Pfalzgraf Friderich von Sachsen und Beatrix, die Witwe Boppos von Henneberg.

1121 starb Bischof Erling von Würzburg. Alsbald entstand eine Uneinigkeit unter der Geistlichkeit wie im Volke. Der eine Teil, der es mit dem Könige hielt, bestimmte einen gewissen Gebhard zum Nachfolger, die andere Partei aber, die sich auf die Hilfe des Herzogs Friderich von Schwaben und seines Bruders Konrad stützte, setzte Rugger ein, der aber bald darauf durch die Bischöfe von Mainz, Worms und Speier vertrieben ward und das Bischofsamt aufgab.

Durch qualmige, stinkende Luft ward die Sonne verdunkelt und wie in Blut verwandelt. Von der neunten Tagesstunde bis in den dritten Tag entbehrte sie ihres gewohnten glänzenden Lichts.

1122 sandte Papst Calixtus zwei Kardinäle nach Worms, die den König mit allen seinen Anhängern aus dem Kirchenbanne lösen sollten unter der Bedingung, daß er selbst alle seine frühern Ketzereien, deretwegen er gebannt war, abschwur und der katholischen Kirche Treue und Gehorsam gelobte.

1123 starb Bischof Reinhard von Halberstadt; an seine Stelle trat Otto. Der Zeitzer Bischof Theoderich ward unversehens erschlagen; ihm folgte Richwin. Graf Ludwig, der Gründer des Klosters zu Reinhardsbrunn, starb dort als Mönch. Markgraf Heinrich der Jüngere starb; für ihn setzte Kaiser Heinrich zwei Markgrafen ein, einen gewissen Wiprecht, der sehr reich war, und Hermann von Winzenburg. Die wurden jedoch von den Grafen Adelbert und Konrad mit Hilfe des Herzogs Lothar und der übrigen Sachsen vertrieben und ihrer Länder und Würden beraubt. Ungefähr um dieselbe Zeit forderte der Mainzer Bischof Adelbert die Getreidezehnten von den Bewohnern der Mark Duderstadt. Die aber leisteten kräftigen Widerstand. Da geschah es, daß die Reisigen des Bischofs einige erschlugen, andere niedermetzelten oder gefangen wegführten. Das reizte die Thüringer; sie fürchteten ähnliches für sich selbst und kamen deshalb aus allen Teilen ihres Landes auf der Höhe Trettenburg zusammen. Schon schickten sie sich an, die Stadt Erfurt, wo der Bischof damals zufällig weilte, mit zwanzigtausend Mann zu überfallen. Und sie würden ihre Absicht ausgeführt haben, hätte nicht der Bischof als gescheiter Kopf sie mit klugem Rate davon abgebracht.

Zu der Zeit erschienen bei Worms Geister, gleich einer Kriegsschar, zu Rosse und bewaffnet. Die zogen umher und gaben an, sie seien die Geister vieler neulich erschlagener Krieger.

1124. Im Voraufgehenden haben wir nach bestem Wissen und Können berichtet, aus wie vornehmen Geschlechte Herr Markgraf Wiprecht, der Gründer des Pegauer Klosters, entsprossen ist, wie er von Jugend auf seine hohe Geistes- und Körperkraft unermüdlich bethätigte, wie er in unserer Provinz Sorbia in Krieg und Frieden Güter und Lehen erwarb und dadurch schließlich vor andern reich und mächtig ward, wie er die Herrschaft und Markgrafenwürde der Lausitz sowie die Burggrafenwürde von Magdeburg erhielt, wie eifrig er bemüht war, durch Gründung und Unterstützung des Pegauer und anderer Klöster seine großen Sünden bei Gott und den Heiligen wieder gut zu machen, und wie ihm der Gottesdienst höher galt als irdischer Reichtum. Es bleibt nur noch zu erzählen übrig – vieles haben wir freilich weggelassen - eines wie seligen Todes er verschieden ist.

Als er in Halle, wo er die Geschäfte des Schirmvogts(1) besorgte, zur Winterzeit übernachtete und alle sorglos und von den Freuden des Tages ermüdet in tiefem Schlafe lagen, erfaßte das Feuer vom nahen Herde das Lagerstroh für die Leute, das am Abend unachtsam herumgestreut worden war. Als das Feuer eine ziemliche Weile um sich gegriffen hatte, wachte der Fürst allein aus dem Schlafe auf. Ohne Säumen und ohne ein Wort zu sagen, halbnackt wie er war, sprang er auf und begann das brennende Stroh mit bloßen Füßen auszutreten. Es gelang ihm, ohne daß es jemand merkte, und halbverbrannt suchte er sein Lager wieder auf. Infolge der Brandwunden befiel ihn allmählich eine solche Schwäche, daß er seitdem nie mehr genas. Als der Morgen kam, sah man, was geschehen war. Es erfüllte alle mit Teilnahme und Bewunderung. Wiprecht ließ sich von da nach seiner Burg Groitzsch bringen, wandte sich aber zuvor nach seinem Zufluchtsorte Pegau, wie er stets zu thun pflegte. Hier trugen ihn die Seinen, und er verrichtete aus tieffstem Herzen ein Gebet. Um aber die Brüder durch seine Schwäche nicht allzusehr in Unruhe zu versetzen, zog er sogleich nach seiner Burg. Hier verschlimmerte sich die Krankheit den ganzen Winter hindurch, so daß er der Beschwerden des äußern Menschen endlich überdrüssig ward und sich ganz zu Gott wandte, der allein des innern Menschen Schwäche heilt, damit er sein Leben vom ewigen Verderben erlöse. Wiprecht schickte zu dem Sohne seiner Schwester, dem Erzbischof Ruotger von Magdeburg, sowie zu andern nahewohnenden Bischöfen, zu Arnold von Merseburg, Richwin von Zeitz, Gotebold von Meißen und zu seinem Abte, dem ehrwürdigen Windolf, und bat sie um Rat und Hilfe für sein Seelenheil. Sie sahen, daß sein Zustand hoffnungslos war, sprachen ihm mitleidig und tröstend zu und rieten ihm, das Mönchsgewand zu nehmen. Seine fromme Bereitwilligkeit kann man am besten daraus erkennen, daß er sofort in Gegenwart der genannten Bischöfe sein Schwert niederlegte und allem kriegerischen und weltlichen Thun entsagte, dessen er von Herzen müde war. Am andern Tage ließ er sich nach Pegau bringen, wo ihn die Brüder mit tiefer Trauer aufnahmen. Er empfing das Mönchsgewand, that im Beisein der Brüder unter tiefer Zerknirschung seines Herzens das Ordensgelübde vor dem Hauptaltar und ward dann gleich weggetragen. Darauf soll er sich so strengen Gehorsams befleißigt haben, daß er ohne Erlaubnis weder Speise noch Trank zu sich nehmen, sich auch von keinem der Seinen, selbst vom Sohne nicht, sehn oder besuchen lassen wollte. In Gehorsam und Stille verbrachte er all seine Zeit. Nach einigen Tagen ward er von Gott heimgerufen und erlöst. Eine große Zahl von Bischöfen und Laien feierten sein Leichenbegängnis und zwar so, daß jeder der Bischöfe an einem Tage für ihn Messe hielt. Mit Ehren ward er zur Erde bestattet und liegt inmitten seines Klosters zwischen seiner Gemahlin und seinem Sohne(2) begraben. Für seiner Seele Heil erhielt das Kloster am selben Tage das Gut Carsdorf.

Er starb aber am 22. Mai.

Unter Wiprechts Sohn und Nachfolger Heinrich fielen die beiden Grafen Adelbert und Konrad in seine Mark ein, und Adelbert hatte sie auch eine Zeit lang im Besitz. Während der Regierung Lothars aber kam Heinrich wieder zu Gnaden und erhielt die Markgrafenwürde zurück.

Anmerkungen
(1) Halle gehörte zum Magdeburger Bistum. Als Burggraf von Magdeburg hatte Wiprecht für das hallische Kloster Recht zu sprechen, das Kloster zu schützen und in allen weltlichen Angelegenheiten zu vertreten.
(2) Wiprecht dem Jüngeren, der hiernach vor dem Vater gestorben sein muss.