Wiprecht von Groitzsch

Die tollen Streiche des jungen Wiprecht

Im Jahre 1116 gründete der ehrwürdige Erzbischof Adelgot von Magdeburg das Hallische Kloster, das den Namen zum Neuen Werk führt. Graf Ludwig ward aus der Haft entlassen, Graf Erwin ward Mönch. Die Bürger und der Graf Arnold von Mainz zwangen den König in einem Treffen bei dieser Stadt, den Mainzer Erzbischof Adelbert aus der Gefangenschaft zu entlassen.

Im Jahre 1117, am 3. Januar, vor Sonnenuntergang trat ein großes Erdbeben ein. Der Mond schien in Blut verwandelt und verlor sein Licht. Schreckliches begab sich in Schwaben. Die Erde erhob sich häuserhoch und that sich plötzlich zu einem Abgrund auseinander. Die Luft schien aus Feuer und Blut gemischt. Der junge Wiprecht wandte sich an Dedo von Crozuch und bat ihn inständig, er möge Mitleid mit seinem Elende haben und ihm mit den Seinen in irgend einen festen Ort aufnehmen. Dedo sagte, er scheue den Übermut seiner Krieger. Wiprecht aber bat dringend, ihm wenigstens den Vorplatz der Kirche zu überlassen(1). Da willigte Dedo ein. Während nun alle, die in der Nachbarschaft wohnten, Wiprecht Holz und Steine in Menge zuführten, erbaute er in vierzehn Tagen für sich und die Seinen eine sichere Zufluchtstatt. Hierauf brachte er das Land ringsumher durch Gewalt in seinen Besitz und gab es seinen Leuten zu Lehen. Nach ungefähr neun Wochen bemächtigte er sich mit List des Burgortes Döben und erbeutete dort eine solche Menge von Gold, Silber, Kleidern, Rossen und andern Dingen, daß einzelne seiner Leute sich damit bereicherten. Im Besitze dieser Burg unterwarf er sich in kurzer Zeit vierundzwanzig umliegende kleinere Burgen. Hierauf belagerte er Groitzsch mit zweitausend Mann und eroberte es. Dabei unterstützten ihn Erzbischof Adelgot von Magdeburg und Markgräfin Gertrud, die Mutter der Königin Richinza. Erzbischof Adelgot, der Bischof von Halberstadt, Pfalzgraf Friderich mit Wiprecht und Ludwig belagerten Naumburg und verwüsteten einen großen Teil der angrenzenden Provinz Thüringen. Wenn das Heer sich nach allen Seiten zerstreute, um Futter zu holen, lauerte Heinrich, genannt mit dem Haupte, ihnen auf und that ihnen viel Schaden. Um ihm eine Falle legen zu können, beschlossen Wiprecht und Ludwig mit den andern Vornehmen, selber zum Futterholen auszuziehen. Als sie ihm begegneten, floh er nach dem festen Arnsberg. Sie verfolgten ihn aber, fingen ihn und führten ihn zu dem Erzbischof und den übrigen Fürsten. Da das die Burgsassen von Naumburg hörten, übergaben sie den Ort. Auch der Kaiser erfuhr davon. Um Heinrich wieder frei zu bekommen, sah er sich genötigt, Wiprecht den Älteren, Ludwig und Burchard von Meißen endlich aus der Gefangenschaft zu entlassen.

Anmerkungen
(1) Siehe Anm. Punkt 2 bei „Blutige Rache“.