Wiprecht von Groitzsch

Die Schlacht auf dem Welfesholz

Als die festgesetzte Zeit herankam, standen die Heere an einem Orte, der Welfesholz heißt. Winterkälte und widriges Schneewetter zwangen, den Kampf auf den folgenden Tag zu verschieben.

Als die Nacht um war und das erste Morgenrot heraufzog, hielt Bischof Reinhard während der Messe eine Ansprache an die Schar. Er mahnte sie, die Gnade Gottes zu erflehn, und gab die feste Versicherung, daß denen, die Gott in Wahrheit anrufen, seine Barmherzigkeit niemals gefehlt habe. Nach der Messe erwarteten sie standhaft das Herannahen des Königs und ermahnten sich mannhaft zur Verteidigung der Freiheit und des Vaterlands. Der König kam und ordnete seine Schlachtreihen. Im ersten Treffen stand der Hoger mit den Seinen. Mit einem gewissen Luotolf allen ein Stück voraus, sprang er allein in prahlerischer Kühnheit vom Rosse und stürzte sich mit gezücktem Schwerte den Sachsen entgegen. Der junge Wiprecht mit zwei trefflichen Männern, den Brüdern Konrad und Hermann, geht ohne Zaudern auf ihn los und schleudert ihm mit starkem Schwunge den Wurfspeer in die Brust. Luotolf zieht ihn alsbald heraus, und Hoger greift Wiprecht ergrimmt mit dem Schwerte an. Der aber fängt den Streich mit dem schützenden Schilde auf und streckt Hoger sofort durch einen Gegenhieb mitten über den Kopf zu Boden. Als er sich wieder zu erheben versucht, wird er von Wiprecht am Harnischrande mit dem Schwerte durchbohrt. Unter lautem Geschrei stoßen nun die keilförmig vordringenden Haufen von beiden Seiten aufeinander. Die Sachsen streiten mannhaft für sich und das Vaterland und greifen die Feinde, die weder aus Besorgnis noch Hoffnung kämpfen und einer Schafherde gleichen, mit solcher Wut an, daß dreißig oder zwanzig von einem einzigen Sachsen getötet werden. Den ganzen Tag währte der Kampf, und erst die einbrechende Nacht setzte ihm ein Ende. Der König war besiegt und in die Flucht geschlagen. Die Sachsen aber fürchteten einen Hinterhalt und blieben die ganze Nacht auf der Walstatt. Als sie am andern Tage hörten, daß der König nach Bayern geflohen sei, kehrten sie als Sieger in die Heimat zurück.