Wiprecht von Groitzsch

Tod dem Zuetipolc

Im Jahre 1110 nahm der jüngere Heinrich, der zur Herrschaft gelangt war, dem Sohne des böhmischen Königs Vratislaus, Namens Borwi, das Reich und setzte einen gewissen Zuetipolc an seine Stelle. Wiprecht betrübte sich darüber sehr und bat den König oft in größter Ehrerbietung, Borwi wieder einzusetzen, konnte es aber nicht dahin bringen und machte dem Könige wiederholt deswegen Vorwürfe. Der König riet dem Zuetipolc, das ganze vornehme Geschlecht der Worswice enthaupten zu lassen. Und Zuetipolc gehorchte.

1111. Darauf ließ der König den Seinen eine Heerfahrt nach Polen ansagen und befahl auch Wiprecht mitzuziehn. Mit zweitausend Mann brach Wiprecht auf. Da der König ihm Borwis wegen übelwollte, beriet sich Zuetipolc oft mit dem König über Wiprecht, was der Wachsamkeit Wiprechts nicht lange verborgen blieb. Von solchen Beratungen ging Zuetipolc öfters um Mitternacht an Wiprechts Zelten vorüber nach Hause. Da verabredete Wiprecht endlich mit einem seiner Ritter(1), wenn Zuetipolc wieder wie an den vorhergehenden Tagen vorüberkäme, sollte er ihn unversehens heimlich aus dem Wege räumen. Der Ritter paßte scharf auf, und als der Herzog kam, durchbohrte er ihn mit einem Wurfspeer, den er ihm in den Rücken schleuderte. Der Herzog brach zusammen, und der Ritter floh ins Lager Wiprechts. Als die Böhmen des Herzogs Tod erfuhren, erhoben sie ein mächtiges Geschrei. Ohne Verweilen flohen sie Hals über Kopf davon und ließen den König in großer Angst zurück. Darauf ward Wiprecht von dem Könige gerufen und war sofort zur Stelle. Dringend bat der König, ihn und die Seinen aus Polen wegzuführen. Bereitwillig versprach es Wiprecht, wenn Borwi wieder in sein väterliches Reich eingesetzt würde. Der König, der seiner Bitte nicht länger widerstehn vermochte, willigte notgedrungen ein und trug ihm auf, Borwi auf den Thron seines Vaters zurückzuführen. Eilig zog er sodann unter Wiprechts Führung aus Polen ab. Der junge Wiprecht aber, Wiprechts Sohn, brachte auf Geheiß des Vaters Borwi in seine Hauptstadt Prag zurück. Als der König auf deutsches Gebiet bis Naumburg kam, erfuhr er, daß der junge Wiprecht Borwi zurückgeführt hatte und noch in Böhmen weilte. Da aber der König dem Bruder Zuetipolcs, Wladislaus, günstiger gesinnt war und ihn ohne Wiprechts Wissen wortbrüchig zum Nachfolger seines Bruders bestimmt hatte, zog er, von Wladislaus angestiftet und unterstützt, nach Böhmen gegen den jungen Wiprecht und Borwi, die sich solcher Treulosigkeit nicht versahn. Als sie seine Ankunft und Arglist erfuhren, suchten sie Zuflucht an einem befestigten Orte. Der König belagerte Wiprecht in Prag, Borwi in Wissigrat, überwältigte sie endlich nach siebentägigem tapferem Widerstande, führte sie gefangen mit sich fort und brachte sie auf Hammerstein in Gewahrsam.

1112. Als Wiprecht der Ältere von den Vorgängen Kunde erhielt, ward er sehr betrübt. Er vermochte seinen Sohn nicht anders aus der Gefangenschaft zu lösen, als bis er dem Könige die Burg Leisnig und die Gaue Nisen und Budissin sowie die Burg Mohrungen auslieferte. Das alles gab der König sofort seinem Vertrauten Hoger von Mansfeld zu Lehen. Der junge Wiprecht, der nun freigelassen ward, kam bald darnach mit dem Könige nach Thüringen, wo er die Burg Eckartsberg von ihm zu Lehen erhielt.

1113. Der König verfolgte jetzt den älteren Wiprecht mit offenem Hasse und beschloß, mit Hilfe des Wladislaus Groitzsch anzugreifen. Auch der junge Wiprecht, der mit der Stadt Naumburg belehnt zu werden hoffte, stand ihm gegen den Vater bei. Wiprecht der Ältere aber sammelte eine Schar der erlesensten Streiter mit kriegerischem Rüstzeug und Geräten in der befestigten Burg. Als das Heer des Königs ankam, suchte Wladislaus mit den Seinen die Burg durch einen plötzlichen Angriff zu nehmen, verlor jedoch über fünfhundert von den Seinen. Der König aber gab die Eroberung auf und zog nach acht Tagen ab. Mit der Stadt Naumburg belehnte er einen seiner Vertrauten. Da fiel Wiprecht von ihm ab und kehrte zum Vater zurück.

Anmerkungen
(1) Einem Worswice, der der Vernichtung seines Geschlechts entgangen war.