Wiprecht von Groitzsch

Zucht und Ordnung

Außerdem ward Herrn Wiprecht zur selben Zeit noch ein anderer Zuwachs an Reichtum und Macht zuteil. Ein vornehmer und sehr reicher Verwandter von ihm, ein gewisser Vitzo von Vitzenburg, hinterließ ihm, als er zu sterben kam, all seine Güter zum Erbe. Er hatte auf der Vitzenburg aus eigenen Mitteln ein Nonnenkloster eingerichtet. Als er gestorben war, erlaubte Herr Wiprecht, daß seine ehrwürdige Mutter Frau Sigena, die schon zum zweiten Male Witwe geworden war, dort bis zu ihrem Lebensende in heiligem Verkehr ihre Tage zubrachte, und er sorgte in würdiger Weise für ihren Unterhalt.

Nach einiger Zeit ging sie auch zum Herrn ein am 24. Februar und ward dort neben zwei Äbtissinnen des Klosters begraben. Zu der Zeit ließ sich eine Nichte des früher erwähnten Grafen Friderich von Lengenfeld in jenes Kloster aufnehmen, eine sehr reiche Frau mit einem Vermögen, das an die fünfzehn Talente einbrachte. Sie mißbrauchte aber mit einer Anzahl ihrer Genossinnen ihr Vermögen und die Freiheit, die ihr wegen ihrer vornehmen Herkunft gewährt war, und gab dem frommen Sinne des Herrn Wiprecht schweres Ärgernis. Wiprecht hielt mit der Strafe nicht lange zurück. Da die Lage des Ortes zu viel Gelegenheit zu gottlosem Leben zu geben schien, nahm er sich vor, das Kloster und den Orden, der sich so gar nicht ordentlich hielt, von da wegzubringen. Strenge befahl er darum jener Schar thörichter Jungfrauen, einen Ort zu verlassen, den Diener Gottes mit größerem Nutzen bewohnen könnten. Von Herrn Bischof Otto von Bamberg, dessen Frömmigkeit damals weithin bekannt war, erhielt er den Rat, in der Nähe der Burg am Unstrutflusse ein Kloster zu gründen, es mit Mönchen zu besetzen und ihm die Güter des vorhergenannten Klosters zu überweisen. Ohne Säumen gehorchte Wiprecht, ward zu Reinsdorf aufs neue Gründer eines Klosters und ging seinen Abt Windolf um Rat an, wie er einen strebsamen und tüchtigen Mann darübersetzte. Windolf, der ihm in allem mit Klugheit zu dienen bestrebt war, brachte es dahin, daß er als Abt den ehrwürdigen Bruder Ludiger erhielt, von dem wir oben(1) erzählt haben, daß er ihm als Prior beigegeben war, der aber aufs neue zu Corvei aufgenommen, dort das Amt des Dekans verwaltete. Ihm gedachte er die Leitung jenes Klosters zu übertragen. Ludiger ward also nach Pegau zurückgerufen und feierlich gewählt. Herr Wiprecht aber befahl indes den obenerwähnten Schwestern durch einen Eilboten, so schnell als möglich Platz zu machen, ohne jede Weigerung abzuziehn und keinesfalls zu warten, bis er selber mit den Äbten und Brüdern hinkäme.

Anmerkungen
(1) Unter Punkt 3 bei der „Der neue Abt“.