Wiprecht von Groitzsch

Die Doppelhochzeit

1110. Endlich ließ Herr Wiprecht sich einigermaßen über den Hingang seiner Gattin trösten. Und weil er für nötig hielt, sich gleichsam nach einer andern Mutter für die Familie umzusehen, beschloß er, sich mit der Witwe des hochedeln Fürsten Kuno von Beichlingen, Namens Kunigunde, zu vermählen.

Die hatte vorher den Vorsatz gehabt, Witwe zu bleiben, und trug anfangs Bedenken, die Werbung anzunehmen. Später ging sie mit den Ihren reiflicher zu Rate; und weil sie nicht mehr imstande war, sich der mächtigen Eindringlinge in die reiche Hinterlassenschaft ihres Mannes zu erwehren, gab sie – wenn nicht aus Neigung, so doch aus Not – ihre Einwilligung zu dem erbetenen Ehebunde. Denn sie litt schwer unter der Unverschämtheit derselben Leute, durch deren Falschheit ihr hochedler Mann wider alles Recht meuchlings erschlagen worden war. Der eine davon hieß Edelger von Ilfeld, dere andere Cristan von Rotenburg. Als Herr Wiprecht Kunigundens Jawort erhielt, ward er sehr froh. Nicht genug, daß Wiprecht selber eine glückliche Verbindung mit ihr einging, er bestimmte sie sogar, die von ihren fünf Töchtern, deren Schönheit am meisten gerühmt ward und die gleichfalls Kunigunde hieß, seinem älteren Sohne Wiprecht zu verloben. Danach feierten Vater und Sohn gleichzeitig mit Mutter und Tochter ein überaus glänzendes Hochzeitsfest. Die übrigen vier Schwestern wurden mit den vornehmsten Fürsten Sachsens und Thüringens vermählt. Schließlich ward ein Ehevertrag geschlossen und von der hohen Frau bestätigt:

Wenn die Gräfin zuerst aus dem Leben schiede, sollten ihre väterlichen Erbgüter an Herrn Wiprecht und an seine Erben fallen. Gräfin Kunigunde besaß unter anderem an der sächsisch-thüringischen Grenze die Abtei Oldisleben. Die empfahl sie der besonderen Herrschersorge des Herrn Wiprecht, ihres Gemahls. Denn unter der Leitung des Abtes Lupert, dessen Gottlosigkeit Herr Wiprecht schon kannte, waren das Vermögen und die Zucht des Klosters schwer zerrüttet. Der Abt ward abgesetzt, wie ers verdiente, und das Kloster der eifrigen Fürsorge des Herrn Abtes Windolf übergeben, damit der ihm Prioren und brauchbare Brüder verschaffe und es einigermaßen wieder auf den alten Standpunkt bringe. Als Windolf eine Zeit lang nach Kräften segensreich für das Kloster gesorgt hatte, ward er endlich der doppelten Arbeit überdrüssig, da „vielbeschäftigter Sinn für die einzelnen Dinge zu klein ist“ und er von der Sorge für jenen Ort eine Schädigung des Pegauer Klosters befürchtete. Er hielt es für besser, zu Oldisleben einen andern Vorsteher einzusetzen und sich dadurch die Arbeit zu erleichtern. Er erbat sich zu Corvei Herrn Hillin, dessen Fleiß er schon von früher kannte, da er zu Pegau kraftvoll das Amt eines Priors verwaltet hatte. Hillin erhielt das Kloster Oldisleben und hat ihm viele Jahre vorgestanden. Auf dem Zuge des Christenheeres nach Jerusalem unter Führung König Konrads ist er im Gefolge des Herrn Grafen Bernhard von Plozeka am vierzehnten März selig verstorben.