Wiprecht von Groitzsch

Die Klosterweihe

Im Jahre 1096 am 26. Juli ward das Pegauer Kloster eingeweiht von dem ehrwürdigen Herrn Hertwig, Erzbischof von Magdeburg, unter Mitwirkung der Bischöfe Albuwin von Merseburg, Walraban von Zeitz, Ezelin von Havelberg, in Gegenwart des Stifters, Herrn Wiprechts, sowie seiner Söhne Wiprecht und Heinrich und vieler anderer Edler.

Frau Gräfin Judita, die Tochter des Böhmenkönigs Vratislaus, nahm desselben Tages, mit Krone und goldgewirkten Kleidern königlich geschmückt, am Aufzuge teil. Die goldene mit Edelsteinen gezierte Krone und das kostbar gearbeitete goldgewirkte, einer Dalmatika(1) gleiche Gewand, das sie unter dem ebenfalls golddurchwirkten Mantel trug, brachte sie noch am nämlichen Tage Gott und dem heiligen Jacobus auf dem Altar dar. Wo diese beiden Prachtstücke hingekommen sind? Wie wir hörten, hat Abt Windolf die Krone später zum Erwerbe von Besitzungen in Thüringen nützlich angewandt. Das Kleid aber nahm nachmals Herr Wiprecht der Jüngere mit, als er an seines Vaters Statt im Dienste des Kaisers nach Italien aufbrach. Er versprach dabei, den Wert in Geld zu ersetzen. Burchard der Rote, der Bischof von Münster, gab vierzig Mark für das Kleid, als er es sah. Wiprecht kam jedoch nach seiner Rückkehr aus Italien infolge vieler Hindernisse, die dazwischentraten, nicht dazu, das Geld vor seinem Tode auszuzahlen. Die Pegauer Kirche, die Herr Markgraf Wiprecht zu Ehren der heiligen Dreieinigkeit, der heiligen Maria und des heiligen Apostels Jacobus baute, besitzt aber insgesamt folgen- de Güter: Wiprecht schenkte ihr die dabeiliegende Stadt(2) mit all ihrem Zubehör an Wiesen, Wäldern, Weideplätzen, Ausgaben und Einnahmen, Gewässern und Wasserläufen, Mühlen, bebauten und unbebauten Flächen, Fischfang, Jagden und allen Nutzungen, die genannt oder aufgeführt werden können, mit alleiniger Ausnahme des äußersten nach Norden gelegenen Teiles. Außerdem schenkte er der Kirche zu weiterer Aussteuer zwei Dörfer, deren eines Hilpertitz, das andere Pürsten heißt, mit den dabeiliegenden Weingärten und Wiesen und einer Mühle sowie neun Hufen in Stöntzsch und zehn Solidi in Lausigk, wovon die Beleuchtung der St. Marienkapelle beschafft werden soll. Als in der Folgezeit das Kloster sich erweiterte und die Zahl der Brüder wuchs, schenkte Herr Wiprecht zu besserer Unterstützung der Brüder noch folgende Dörfer: Müchelitz, Boritz, Carsdorf, Heinrichesdorf, Lippen mit Wiesen und Weideplätzen und all ihrem Zubehör; desgleichen in Borkwitz vier Hufen und die Kirche in Lausigk mit den Zehnten von sechszehn Dörfern und die Kirche in Diemarisdorf sowie zwei Hufen und eine Mühle im nämlichen Dorfe und die Kirche in Cloveldechesdorf und neun Hufen in Suchesdorf. Was später Wiprechts Söhne und andere Gläubige unserer Kirche schenkten, werden wir an geeigneter Stelle berichten. Jetzt wollen wir zu unserem Gegenstande, wovon wir etwas abgekommen sind, zurückkehren. Fünf volle Tage hindurch ward das erwähnte Fest der Klosterweihe glänzend begangen, und an jedem Tage erschien Frau Gräfin Judita zu allgemeiner Verwunderung im Schmucke anderer Prachtgewänder. Als alles nach Wunsche in schicklicher Weise geordnet war, sagte Wiprecht allen Lebewohl und löste die zahlreiche Versammlung auf. Zum Schmucke des Pultes(3) schenkte er noch die schöngeschnittenen Bretspielsteine aus Krystall und Elfenbein(4).

1099. Am Epiphaniasfeste ließ Kaiser Heinrich seinen Sohn Heinrich den Fünften in Aachen zum Könige krönen.

1100. ging Herr Bero, der Abt, der bis dahin nach bestem Wissen und Können für unsern Ort gesorgt hatte, zum Herrn ein, um endlich den Lohn seiner Mühen zu empfangen, und ward im alten Brüderkonvent neben dem Klostereingange begraben am 26. Dezember.

Anmerkungen
(1) Langes Oberkleid mit Ärmeln.
(2) Bisher ist immer nur vom Pegauer Dorfe (Bigaugiensis villa) die Rede gewesen. Hier wird der Ort zum ersten Male civitas genannt, war also, wie es scheint, unterdessen irgendwie befestigt worden. Städte nach heutigen Begriffen gab es im ganzen Wendenlande noch nicht. Vergl. E. O. Schulze, Kolonisierung und Germanisierung der Gebiete zwischen Saale und Elbe, S. 88.
(3) d. h. des Lese- und Singpultes in der Kirche.
(4) Vgl. unter (1) bei „Die Königliche Belohnung“.