Wiprecht von Groitzsch

Reuige Heimkehr

Endlich war alles nach Wunsch geordnet. Die Menschen beneideten Wiprechts außerordentliches weltliches Glück. Er aber überlegte, wie er die Ruhe, die ihm Gott beschieden hatte, recht anwenden könnte, um ewig glücklich zu werden.

Es war, als habe er die mahnende Stimme seines Heilandes selbst gehört: „Ihr Übertreter, gehet in euer Herz!“(1) Ins Herz getroffen von der Gnade des, der seine Auserwählten berufet, ging Wiprecht, der das Pegauer Kloster gründen sollte, endlich in sich und rief sich vor die Augen seines Geistes zurück, was er Übles gethan, wie oft er fremdes Gut zerstört, wie viele er mit Morden, Brennen, Rauben heimgesucht und ihres Vermögens, ihrer Rechte, ihrer Ländereien, ihrer Städte, selbst ihres Lebens beraubt hatte, ohne zu erwähnen, wie schwer er sich zu Rom in der Kirche der heiligen Apostel und bei der Niederbrennung der Basilika St. Jacobi in Zeitz vergangen hatte. An alles das gedachte er, es that ihm herzlich leid, und er bat den, ohne den menschliche Schwachheit nichts vermag, er möge seine Gedanken lenken. Wo die Sünde mächtig geworden ist, da wird die Gnade noch viel mächtiger. Welche Kraft liegt in dem Worte, das der heilige Geist durch den Mund seiner Heiligen geredet hat! Der Ruf des heiligen Geistes hatte Wiprecht aus der todbringenden Gewohnheit der Sünden erweckt. Die göttliche Stimme durchdrang seines steinernen Herzens Härtigkeit und mahnte ihn, zu beichten und Buße zu thun.

Anmerkungen
(1) Jsaia 46, 8