Wiprecht von Groitzsch

Vorrede

Die fürsorgliche Weisheit der Alten hielt es für zweckmäßig, die Geschichte der hervorragendsten Menschen aufzuschreiben, damit deren rühmliches Leben nicht im Laufe der Zeiten in Vergessenheit gerate, sondern der Bericht mannhafter und ehrenvoller Thaten die Herzen der Hörer erfreue, sich dauernd ins Gedächtnis präge und zur Nachahmung diene.

Ließen sichs nun die Heiden, denen der wahre Glaube völlig fremd war, höchst angelegen sein, ihre und ihrer Vorfahren würdige Thaten (wenn auch manches erbauliche Erfindung sein mag) den Nachkommen zu überliefern, warum loben und preisen wir in Wort und Schrift nicht noch mehr die guten und gesegneten Thaten frommer Christen? Ihr Leben ist viel löblicher, ihr Andenken weit erfreulicher, Uebung frommer Werke erstrahlt in hellerem Segensglanz! Wir gedenken deshalb über die Gründung des Pegauer Klosters zu schreiben. Und zwar wollen wir die Erzählung damit beginnen, daß wir zuerst die Abstammung des Gründers von Ahnen und Urahnen her etwas genauer darstellen. Sodann werden wir kurz berichten, wer er war und woher er kam, und endlich den geneigten Lesern mit Gottes Hilfe schlicht und ohne Wortgepränge erzählen, was unserer Meinung nach durch göttliche Fügung zur Gründung des Klosters Anlaß gab, was sein Stifter, der Markgraf Wiprecht, zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschheit hochherzig, thatkräftig und glücklich zu stande brachte, und auf welche Weise er aus dem Leben schied.

Wir werden es erzählen, wie es uns wahrhaft berichtet worden ist von Leuten, die es teils von andern gehört haben, teils als Augenzeugen dabei gewesen sind. Die meisten von ihnen haben wir noch am Leben gesehen.