Aus der Sittengeschichte des Bornaer Landes

Von den Folgen unerwünschter Schwangerschaften

Eheschließungen waren in früheren Jahrhunderten außerordentlich stark von wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt. Bauern oder Handwerker konnten in der Regel erst heiraten, wenn sie ihr Erbe angetreten hatten. Die Attraktivität der in Frage kommenden Partnerin hing nicht unwesentlich von ihrer Mitgift ab. Für viele junge Frauen galt es, auf die Werbung des wirtschaftlich passenden Mann zu warten. Dessen ungeachtet gingen Liebe und Triebe auch damals mitunter ihre eigenen Wege.

Außereheliche sexuelle Kontakte waren keineswegs selten, ebenso wenig die meist unerwünschten Folgen derselben. Ein besonders tragischer Fall spielte sich 1759 in der Görnitzer Schmiede ab.

Am 14. August meldete Schmiedemeister Kunze den dafür zuständigen Lobstädter Gerichten, „dass das blöde Mensche, so er in seinem Haus nach seinem Kaufe aufbehalten müsse, in ihrem ledigen Stande schwanger wäre“. Maria Jacob, die das betraf, war zu diesem Zeitpunkt bereits 32 Jahre alt und anscheinend mit geringen Geistesgaben ausgestattet. Der Schmied nannte sie „blödes Mensche“, im Gerichtsprotokoll ist von einem „elenden Mensche“ die Rede. Um deren Leben wirtschaftlich abzusichern, hatte sich der Besitzer der Schmiede bei deren Kauf verpflichten müssen, sie zu ernähren. Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein, auch Maria Jacob sehnte sich zweifelsohne nach etwas Zärtlichkeit. Ostern sei nun der Schmiedebursche des Nachts „zu ihr ins Bette gekommen“ und sie habe „sich mit ihm fleischlich vermischet“. Dreimal noch hätte er bei ihr gelegen. Jener Johann Gottlieb Mehlhorn, um den es hier ging, war gerade einmal 18 geworden und stammte aus Altenburg. Angesichts der klaren Sachlage konnte er sich nicht herauswinden und musste sich zu seiner Vaterschaft bekennen. Da er jedoch Maria Jacob weder heiraten könnte noch möchte, bot er ihr 10 Gulden zur Ausstattung und 40 Gulden für die Taufe und Erziehung des Kindes an. Binnen einer Woche wolle er diese Geldsumme aufbringen, wenn Maria Jacob dafür auf alle weiteren Ansprüche verzichte.

Eine solche Vorgehensweise war seinerzeit die Regel. So erhielt beispielsweise auch Regina Mühling, die Magd des Wyhraer Müllers Christoph Engelmann, als sie 1746 von diesem schwanger wurde, eine beträchtliche Summe. In den Augen des Heuersdorfer Mauerermeisters Koppe wurde sie damit zur guten Partie, sodass er sie daraufhin heiratete. 1791 kam es in Breunsdorf zur Eheschließung zwischen Gottfried Jacob aus Bergisdorf und Johanna Rosina Köhler aus Breunsdorf. Während Letztgenannte die Tochter eines der reichsten Bauern der Region war, gehörte Jacob eher zu den ärmeren Schichten. Eine solche Verbindung wäre nie zustande gekommen, wenn Johanna Rosina nicht 1789 einem unehelichen Kind das Leben geschenkt hätte. Dafür dass Gottfried Jacob die „Deflorata“ heiratete erhielt er so viel Geld, dass er dafür 1 ½ Acker Feld und einen halben Acker Wiese kaufen konnte. Gottlob Voigt aus Breunsdorf, war vordem, obwohl er seine Vaterschaft leugnete, vom Gericht zur Zahlung von Alimenten verurteilt worden.