Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Im neuen Heim

Die Nachbarn stiften Girlande, Kranz und Spruch; ganz wie am Hochzeitshause. In Audigast tuen es junge Leute. Angehörige in Espenhain. Der östliche Teil des Bezirkes setzt auch Birken oder Fichten (Greifenhain, Hopfgarten, Seifersdorf-Schönberg, Elbisbach, Schönau-Nenkersdorf). Blumen werden auf den Fußboden gestreut (Lippendorf). Ein Blumenstrauß ziert den Tisch (Gatzen).

Der Wagen, mit dem das Brautpaar einzieht, wird der Kammerwagen genannt (Schönau-Nenkersdorf, Lippendorf). Stirnhaare, Mähne und Schwanz der Pferde sind mit roten Bändern geschmückt (Pödelwitz, Gatzen, Hopfgarten, Stöntzsch, Elstertrebnitz, Lippendorf). Auch die Peitsche ziert ein rotes Bändchen (Gatzen, Hopfgarten, Pödelwitz). Die roten Bänder an den Pferden dürfen nicht abgenommen werden, sie müssen allein abfallen. Schimmel sollen den Kammerwagen nicht ziehen. Sie bringen nichts als Krankheit in die Familie. Eine Frau in den 50er Jahren hat jetzt noch daran zu leiden (Schönau-Nenkerdorf). Neben dem Kammerwagen lief früher ein Mann mit einer gefüllten Schnapsflasche einher. Leute, die ansprachen, durften einen kräftigen Zug aus der Flasche tun (Lippendorf). Der Ausdruck Kammerwagen ist sonst ziemlich unbekannt (z. B. in Bad Lausick). In der Pegauer Gegend bekommt auch die Aussteuerküche eine Girlande.

Um in der neuen Wohnung heimisch zu werden soll die junge Frau in den Ofen schauen. In Ramdorf und Pödelwitz ist der Brauch nur noch teilweise. In Hain befolgen ihn auch nur noch sogenannte kleine Leute. Die junge Frau gewöhnt sich dadurch leichter ein (Ebersbach, Witznitz). Es bringt Glück (Großstorkwitz). Es erspart die Leiden des Heimwehs (Elstertrebnitz, Pegau). Die junge Frau darf 4 Wochen lang das Elternhaus nicht betreten. Auch sofortiges Feueranzünden hat die gleiche Wirkung (Kieritzsch). Auf Salz und Brot als erste Nahrung in der Wohnung wird allgemein gehalten. In Hain, Prießnitz und Mölbis muß Beides bereits in dem Heime sein, wenn die jungen Leute einziehen. In den anderen Fällen wird es als erstes in die neue Wohnung getragen. Salz und Brot soll immer da sein (Beucha). Das junge Paar soll nie Mangel an Nahrung und Würze Leiden (Schönau-Nenkersdorf, Trachenau).
Der erste Traum im neuen Heim darf nicht wie jeder andere vergessen werden. Er hat besondere Bedeutung, er soll in Erfüllung gehen.Wer von Geld träumt, wird reich (Elbisbach). Feuer bedeutet Not, lebende Blumen künden Freude an, tote Blumen aber frühen Tod (Elbisbach). Spinnen lassen wenig Eheglück erwarten (Elbisbach). Ein Traum vom Tode kann auch Glück ansagen (Pegau). Kinderlosigkeit laßt sich beseitigen durch Zuckerstreuen (Hopfgarten). Bleiben Kinder aus, sagt man sie sind Kinder nicht wert (Hain ) – oder sie passen nicht zusammen (Trachenau). Die erste Mahlzeit im neuen Heim möchte aus etwas Quellendem bestehen z. B. Reis (Rötha).

Aufnahme der jungen Frau in die Gemeinschaft

Die älteren Frauen nehmen sie auf (Michelwitz). Meist geschieht es zur Visite (Hagenest). Teilweise schon am Hochzeitsabende (Ramsdorf).

Vorrechte der Frauen und Mädchen

Außer den üblichen Damenwahlen an den gewöhnlichen Tanzabenden bestehen Vorrechte für Frauen und Mädchen nur zu Fastnachten und zur Kirmes. Zu Fastnachten in Buchheim, Stöntzsch, Elbisbach, Gatzen, Lippendorf, Bad Lausick, Mölbis, Seifersdorf-Schönberg. Zur Kirchweih – am 2. Tage – in Ebersbach, Seifersdorf-Schönberg, Trachenau, Wyhra. Ab 10 Uhr abends gab es an diesem Tag nur noch Damenwahlen. Die Damen mussten dafür aber auch für die Getränke ihrer Tänzer aufkommen (Gatzen, Seifersdorf–Schönberg). Der Brauch ist jedoch fast überall in Wegfall geraten. Nur in Ebersbach, Gatzen, Bad Lausick und Mölbis scheint er noch zur Fastnachtszeit und in Ebersbach außerdem auch noch zur Kirmes Beachtung zu finden.

Jubiläumshochzeiten

Als solche werden gefeiert die Silberne, die Goldene, die Eiserne und Diamantene nach 25, 50, 60 oder 65 Jahren. Ehepaare, die das Glück haben, sie zu erleben, feiern sie auch.

Zur silbernen Hochzeit stellen sich am Vorabend des Festtages die Vereinskameraden ein, singen ein Ständchen und überreichen mit Ansprache ein sinnreiches Geschenk. Das Jubelpaar bewirtet sie mit Fleischsalat, belegten Brötchen und Bier, daran anschließend mit Kaffee und Kuchen.
Am Haupttage kommen die Kinder und die sonstigen Verwandten zusammen. Die Kinder schenken der Braut den Silberkranz, dem Bräutigam das Silbersträußchen. Beide Geschenke zumeist unter Glas und Rahmen gebracht. Überhaupt spielt das Silber bei Geschenken eine große Rolle, vor allem bei Wirtschaftsgegenständen. Viele gratulieren zur Silberhochzeit, das ganze Dorf feiert mit. Nicht selten wird daher ein dritter und vierter Tag mit den Dorfbewohnern gemeinsam verlebt.