Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Wie wird sich die Zukunft des jungen Paares gestalten?

Wird es viele Kinder bekommen oder nicht? Anzeichen für Kinderreichtum ist die Zahl der an der kirchlichen Handlung teilnehmenden Kinder (Breunsdorf). Wenn viele Löffel als Geschenk überreicht worden sind (Bad Lausick), soll auch eine stattliche Kinderschar zu erwarten sein. Ebenso bei großem Altersunterschied der Brautleute (Lippendorf).

Wer wird in der Ehegemeinschaft regieren? Wer bei der kirchlichen Trauung die Hände oben drauf liegen hat (Hagenest und Ruppersdorf). Wem es gelingt, vor dem Altare dem anderen auf den Fuß zu treten (Gatzen, Blumroda, Regis-Breitingen, Rötha, Ruppersdorf). Wer die Kirche zuerst betritt (Hopfgarten). Wer nach der Trauung zuerst mit dem rechten Fuß auf die Kirchtürschwelle tritt (Deutzen, Kitzscher-Dittmannsdorf, Prießnitz). Wer die Schwelle des neuen Heimes mit dem rechten Fuße zuerst betritt (Audigast, Eschefeld, Großstorkwitz, Regis-Breitingen). Wer nach der Brautnacht ein Kleidungsstück auf das des anderen legt oder hängt (Seifersdorf-Schönberg, Ramsdorf, Espenhain, Gatzen, Pödelwitz, Stöntzsch, Zöpen). Wer auf des anderen Fuß oder Kleidungsstücke tritt (Ossa). Die Frau regiert, wenn es ihr gelingt, vor dem Altar auf den Gehrock des Bräutigams zu knien (Michelwitz, Rötha). Wenn der Tisch wackelt, hat die Frau die Hosen an (Elstertrebnitz).

Anderseits soll der junge Mann seine Kleider über die der jungen Frau hängen, damit diese ihm nicht untreu wird (Rötha).

Wenn die Frau regiert

Der Mann wird in dem Falle Pantoffelheld genannt. Seine Frau bezeichnet man dan als Feldwebel, Gendarm oder Hausdrache. Sie führt die Kasse und hat den Hauschlüssel, sie schwingt den Pantoffel und hat den Mann unter dem Pantoffel. Sie hat Haare auf den Zahnen. Sie als Frau ist Mann im Hause. Er ist das Haupt, sie aber die Mütze (Elbisbach). Sie hat die Hosen an, das Heft in der Hand.

Passen sie zusammen?

Ist eins groß, das andere klein, spricht man von einem komischen Gespann (Trachenau). Ein kleiner Mann soll leicht unter den Pantoffel geraten (Großstorkwitz). Sie möchte nicht größer sein als der Mann (Bad Lausick). Sonst Passen sie nicht gut zusammen (Seifersdorf-Schönberg).
Blond und dunkel zeugt rothaarige Kinder (Buchheim, Großstorkwitz, Hopfgarten, Michelwitz, Prießnitz). Zu großer Altersunterschied bedeutet Unglück (Michelwitz). In Lippendorf verrät er reichen Kindersegen. Normal erscheint ein Altersunterschied 4 bis 6 Jahren (Benndorf), in Großstorkwitz und Bad Lausick auch noch ein solcher von 10 Jahren.

Sind arm und reich zusammengekommen, sagt man vom Armen er hat Schwein gehabt (Trachenau).

Wer wird am längsten leben? Wer in der Hochzeitsnacht am längsten wach bleibt (Großstorkwitz). Wer unbeachtet am längsten ißt (Michelwitz). Wer zuerst die Kirche betritt (Seifersdorf-Schönberg).

Zanken sie sich, so sollen sie nicht über Nacht uneinig bleiben, es gibt sonst Streit das ganze Leben hindurch (Breunsdorf).