Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Auf dem Weg zur Kirche

Es wird entweder gefahren oder gelaufen. Entscheidend dafür sind die Entfernungen und das Wetter. Die Kirchorte gehen in der Regel zu Fuß, die Beidörfer benutzen Pferd und Wagen. Große Hochzeiten ziehen vor zu Fuß zu gehen (Eschefeld), besonders dann, wenn ein SA-Mann getraut wird (Rötha). Pferd und Wagen (Landauer: Zöpen) werden selbstverständlich blitzsauber gemacht und mit bunten Bändchen und Blumen geziert. Es darf nichts vom Wagen abgehen (Trachenau).

Heute ist an die Stelle der Pferdekutsche fast allgemein das Auto getreten, in einigen Fällen sogar schon der Omnibus, um die ganze Hochzeitsgesellschaft gleich mit einer einzigen Fahrt fortzubringen (Breunsdorf, Trachenau).

Wenn nur Kutsche oder Auto fahren, werden zuerst die älteren Personen, dann die Brautführer mit ihren Brautjungfern und zuletzt das Brautpaar mit den Blumestreumädchen befördert. Nur in Ossa und Elbisbach fahren die Brautpaare zuerst ab.

Am Kircheingange formiert sich dann der eigentliche Brautzug. Voran schreiten die Blumenstreumädchen. Dahinter kommen die Kissenträger, das Brautpaar, die Brautführer mit ihren Brautjungfern, die Eltern des Paares und die sonstigen geladenen Gäste. Angeführt wird der Zug durch den Pfarrer. Eine besondere Sitte bestand früher in Espenhain. Da führte der Pfarrer die Braut und der Kantor den Bräutigam zum Altare.

In Michelwitz tritt der Pfarrer hinter die Blumenstreumädchen. Die Eltern gruppieren sich meist so, daß der Vater der Braut mit der Mutter des Bräutigams und die Mutter der Braut mit dem Vater des Bräutigams gehen.

Verlobte sollen tunlich nicht Brautführer und Brautjungfer gemeinsam machen. Sie dürfen wohl, aber man verspricht sich davon allgemein nichts Gutes. Es gehe dann meistens die Verlobung auseinander Hopfgarten, Gatzen, Großstorkwitz, Cöllnitz, Michelwitz, Pödelwitz, Audigast, Benndorf, Stöntzsch). Es bringe Unglück (Buchheim). Wenn sie doch mitmachen, sollen sie letztes Brautpaar bilden (Bad Lausick). In anderen Orten denkt man sich nichts dabei (z. B. in Ebersbach).

Die Abhängigkeit vom Wetter bringt mit sich, daß einmal schönes sonniges, ein andermal aber auch trübes oder gar regnerisches Wetter herrscht, daß es graupelt oder schneit.

Was sagt der Volksmund dazu?

Trübes Wetter, trübe Ehe – heiteres Wetter, heitere Ehe (Elbisbach) – Trübes Wetter, Tränen (Elbisbach, Elstertrebnitz). Man freut sich schon, wenn die Sonne wenigstens einen Augenblick auf die Braut herniederschaut (Hagenest). Doch ist die Deutung für Regen ganz unterschiedlich. Den einen zeigt er Tränen an (Beucha, Hagenest, Geithain, Regis-Breitingen, Bad Lausick, Ossa, Schönau-Nenkersdorf, Tautenhain), den anderen Geld, Reichtum, Wohlstand, Glück, Segen (Elstertrebnitz, Prießnitz, Hain, Mölbis, Ramsdorf, Groitzsch, Buchheim, Hainichen, Pödelwitz, Gatzen, Audigast, Michelwitz, Hagenest, Hohendorf, Ruppersdorf, Blumroda, Trachenau, Borna, Breunsdorf, Oberfrankenhain, Benndorf, Stöntzsch, Witznitz, Kitzscher-Dittmannsdorf).
Einen besonders feinen Unterschied macht Cöllnitz. Es deutet einen kurzen Regen, eine Husche als Geld, einen langen anhaltenden Regen als Tränen. In Gatzen sagt man auch, wenn es einer Braut in den Brautkranz regnet, sie ziehe nicht gern fort. Graupeln und Schnee verheißen in – bis auf die Pegauer Gegend – allen Fällen Reichtum. Geld (Oelzschau, Groitzsch, Buchheim, Regis-Breitingen, Eschefeld, Ossa, Bad Lausick, Schönau-Nenkersdorf, Seifersdorf-Schönberg, Tautenhain). Man sieht es gern, wenn es der Braut in den Brautkranz regnet (Trachenau, Elbisbach). damit es in der Ehe wirtschaftlich vorwärts geht (Elbisbach).

Verhalten, auf dem Wege zum Traualtar

Auf der Fahrt zur Kirche darf sich das Brautpaar nicht umsehen (Audigast, Cöllnitz, Gatzen, Groitzsch, Hohendorf, Lippendorf, Michelwitz, Oelzschau, Ramsdorf, Rötha, Ruppersdorf). Es geht sonst die Ehe auseinander (Lippendorf) oder es geht in der Ehe rückwärts (Elstertrebnitz, Gatzen, Hohendorf, Pegau, Ruppersdorf, Stöntzsch, Trachenau) oder Ehebruch ist zu befürchten (Ramsdorf). Wer sich umdreht, stirbt bald (Gatzen). Wer sich umdreht, guckt nach einem anderen oder nach einer anderen (Elstertrebnitz, Hain, Oelzschau, Pödelwitz, Rötha, Tautenhain, Trachenau). Man weiß Beispiele dafür (Pödelwitz). Wer sich umdreht, sehnt sich nach dem Elternhause zurück. Scheidung oder Tod drohen (Breunsdorf). In Mölbis wird dies nicht mehr beachtet und anderwärts auch nicht mehr.
An einem offenen Grabe darf nicht vorbeigegangen werden; es bedeutet Unglück (Elstertrebnitz). Es soll bei offenem Grabe überhaupt keine Hochzeit stattfinden, weil auch dies Unglück anzeigt (Breunsdorf). Es darf sich ferner das Paar nicht loslassen (Gatzen, Groitzsch, Audigast, Ruppersdorf, Hohrendorf, Ramsdorf, Lippendorf). Es geht sonst die Ehe auseinander (Gatzen, Hohendorf, Oelzschau, Lippendorf, Rötha, Ruppersdorf, Trachenau). Es muß am Altare so eng aneinander sich schmiegen, daß niemand hindurchsehen kann (Bad Lausick), es fällt sonst der Segen dazwischen und die Ehe geht auseinander (Hain).