Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Das Brautkleid

Ein Gegenstand von besonderer Wichtigkeit! Das Brautkleid ist das erste Kleid, das der Bräutigam seiner erwählten Lebensgefährtin zu bezahlen hat. Er soll merken, daß er nun für jemand zu sorgen hat (Hagenest). In Beucha ist der Bräutigam neuerdings schön heraus, da braucht er sich nicht darum zu kümmern. Auch in Stöntzsch kaufen es die Eltern. Görnitz und Witznitz verlangt nur von reichen Männern die Bezahlung.
Die Farbe ist jetzt meist weiß. Aus Ersparnisgründen! (Pödelwitz). Auch schwarz in Ramsdorf. Besonders bei Wiederverheiratungen (Hohendorf). Oder wenn die Braut schon ein Kind gehabt hat (Pödelwitz). Vereinzelt schwarz in Flößberg. Hellfarbige Kleider werden aber auch getragen (Hohendorf, Ruppersdorf, Elbisbach, Flößberg, Seifersdorf-Schönberg). Früher öfters (Ramsdorf). Bunt und schwarz in Eschefeld, bunte Seiden in Bad Lausick, nur schwarz in Lippendorf und Trachenau. Blau wurde dabei auf jeden Fall gemieden (Seifersdorf-Schönberg).

Die Braut darf ihr Brautkleid nicht selbst nähen. Es würde ihr Unglück bringen (Geithain, Hain, Zöpen). Eine Begründung kann in vielen Fällen nicht mehr gegeben werden. In einigen aber doch: Sie zerstört sonst die Liebe (Elbisbach). Sie zersticht damit die Liebe (Espenhain, Großhermsdorf, Oelzschau, Prießnitz). Sie zersticht ihr Glück (Flößberg, Rötha). Es fehlt dann das Glück (Kitzscher-Dittmannsdorf). Soviel Stiche, soviel Tränen (Großstorkwitz). Sie würde viel Tränen vergießen (Hainichen, Breunsdorf). Sie näht sich damit ihr Totenkleid (Kieritzsch). Sie würde sich einen Schaden zufügen oder bald sterben (Trachenau). Das Schicksal auseinanderreißen (Tautenhain). Sie würde sich Plage und Schmerz hineinnähen (Mölbis).
Sie soll auch keine Perlen als Schmuck verwenden. Es gäbe viel Tränen in der Ehe (Rötha). Vielfach näht die Mutter aber ein Geldstück hinein. Die Tochter soll dadurch reich werden (Buchheim). Es soll ihr das Geld nie ausgehen (Hagenest, Benndorf, Kitzscher-Dittmannsdorf). Sie soll immer Brot haben (Hainichen). Es soll ihr nie an Brot und Salz fehlen (Hopfgarten). Der Bräutigam soll das Geld festhalten (Großstorkwitz).

Obgleich nun allgemein der Bräutigam der Bezahler des Brautkleides ist, so darf er doch nicht seine Braut eher in dem Kleide sehen denn am Hochzeitstage. Es soll für ihn eine angenehme Überraschung werden (Kohren). Es fahren sonst die guten Geister hinaus und die bösen hinein (Pegau). Die Ankleidegehilfinnen führen ihm die Braut zu und stellen sie ihm in ihrem schönsten Kleide vor. In Blumroda muß der Bräutigam zum Brautkleide auch noch die Brautschuhe kaufen.

Der Schleier

Er ist ein unentbehrliches Stück zum Brautkleide, das Symbol der Reinheit (Prießnitz). Getragen wird er nach der jeweilig herrschenden Mode. Man steckt ihn auf dem Kopfe zusammen und läßt ihn dann lang herunterhängen. Seine Länge ist ganz verschieden. Die Schleppe ist selten. Ein Schleier darf nicht getragen werden von Bräuten, die schon Mütter sind (Flößberg), auch nicht bei Wiederverheiratung (Breunsdorf, Deutzen, Kitzscher-Dittmannsdorf, Greifenhain, Seifersdorf-Schönberg, Großstorkwitz). Länger als das Kleid ist er nur in Michelwitz, Ramsdorf und Rötha. Die Schleppe wird von einem Kinde getragen (Michelwitz). Vererbt wird er nicht (Kitzscher-Dittmannsdorf).

Der Brautkranz

Er bildet den schönen Abschluß des Brautschleiers, überreicht wird er schon am Polterabende. Je nach der Mode trägt ihn die Braut geschlossen oder offen. Früher, bis vor etwa 25 Jahren, durften nur reine Jungfrauen einen geschlossenen Kranz aufsetzen, schwangere nur einen offenen. Hatten sie schon ein Kind, war ihnen verboten, mit Kranz vor den Altar zu treten. Noch vor etwa 50 Jahren zog der Geistliche deswegen die Braut in ein vertrauliches Verhör. Heute ist jeder Zwang in dieser Hinsicht gefallen. Bei Wiederverheiratungen trägt die Braut meist nur einen Kranz ohne Schleier, Jedoch sind auch hier Ausnahmen zu verzeichnen (Hain, Trachenau).

Es wird vom Bräutigam besorgt und von diesem bezahlt. In Mölbis werden auch künstliche Blumen verwendet. Die Brautführer müssen ihren Brautjungfern ebenfalls Blumensträuße verehren. Das Brautbukett darf weder vergessen noch verloren werden; es ist sonst kein erfolgreiches Streben in der Ehe zu erwarten (Breunsdorf).

Das Gegengeschenk der Braut an ihren Verlobten

Es besteht in den allermeisten Fällen in einem Oberhemd. Hinzu kommen mancherorts Kragen und Schlips (Audigast, Prießnitz, Kohren). Aber auch andere Geschenke werden gemacht, ein Anzug (Hainichen), eine Handarbeit (Rötha), ein Bierseidel oder etwas Ähnliches (Ramsdorf), ein Sträußchen (Groitzsch), eine Weste (Buchheim), eine Uhrkette, goldene Nadeln (Ruppersdorf), ein anderes praktisches Geschenk (Gatzen), verschiedene wertvolle Geschenke (Borna). Nichts wird gegeben in Hagenest, Lippendorf, Trachenau. Manchmal etwas in Wyhra.

Schuhe schenken

Nicht selten schenken sich in Gatzen die Brautleute gegenseitig ein Paar Schuhe. Man träte sonst die Liebe tot, wenn man es nicht mache.