Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Hochzeitsvorbereitungen

Bis etwa 1870 erfolgten Einladungen in Ramsdorf durch den Hochzeitsbitter. Auch Seifersdorf-Schönberg und Pötzschau-Dreiskau kennen noch diese Person. Ein Kellner machte hier den Hochzeitsbitter. Großstorkwitz hat ihn noch jetzt als einzige Gemeinde. In all den anderen Orten wird in der Hauptsache schriftlich eingeladen.

Vom Brautkaffee

Hier und da ist es gebräuchlich, vorwiegend in begüterten Kreisen, daß die Braut ihren Jugendgefährtinnen einen Brautkaffee gibt. So in Audigast, Blumroda, Deutzen, Flößberg, Großhermsdorf, Lippendorf, Hainichen, Hopfgarten, Rötha, Großstorkwitz, Stöntzsch, Seifersdorf-Schönberg. Es wird dabei eine Kaffeebohne in den Kaffee getan. Wer sie zufällig beim Einschenken in die Tasse bekommt, darf annehmen, die nächste Braut zu werden. In Großhermsdorf wird die Kaffeebohne „Vielliebchen“ genannt. Vereinzelt ist dieser Brauch auch noch zu finden in Buchheim, Beucha, Benndorf, Flößberg, Gatzen, Hopfgarten, Geithain, Hainichen, Borna, Bad Lausick, Ramsdorf, Regis-Breitingen, Ruppersdorf, Michelwitz, Rötha. Nicht bekannt ist er in Breunsdorf, Mölbis, Seifersdorf-Schönberg, Stöntzsch, Trachenau, Ebersbach und Tautenhain. Früher war er auch in Prießnitz.

Pegau läßt die Kaffeebohne auch in dem Eierpunsch unterbringen oder zaubert in den Kaffee der vermeintlichen nächsten Braut ein Porzellan- oder Zuckerpüppchen. Großstorkwitz verwendet einen Ring und bäckt diesen in den Kuchen.

In Görnitz wird ein Brautkaffee erst nach der Hochzeit gegeben und zwar für die befreundeten Teile der Dorfjugend, in Großhermsdorf und Prießnitz in Verbindung mit dem Polterabend.

Schmückung des Hochzeitshauses

Allgemein wird die Tür des Festhauses mit einer Girlande und einem Kranz geschmückt. Wenn möglich wird Buchsbaum genommen (Großhermsdorf). Auch wird frisches Grün auf den Fußboden und vor die Tür gestreut (Pegau). In dem Kranze ist zu lesen: Glück und Segen den Neuvermählten – oder auch nur: Herzlich willkommen. Im östlichen Teile des Kreises stellt man noch 2 Bäumchen an das Tor, im Sommer Birken, im Winter Fichten (Greifenhain, Hopfgarten, Ossa, Oberfrankenhain, Seifersdorf-Schönberg, Tautenhain, Bad Lausick, Ebersbach, Elbisbach, Prießnitz). In Lauterbach-Steinbach baut man eine Ehrenpforte. Die Jugend besorgt dies (Oberfrankenhain, Prießnitz). Nicht geschmückt wird nur in Mölbis. 
Das Schmücken besorgen Freunde, Freundinnen, also die Jugend, in Ramsdorf, Flößberg, Trachenau, Audigast, Cöllnitz, Ossa, Oberfrankenhain, Seifersdorf-Schönberg, Tautenhaein, Bad Lausick, Eberbach, Elbisbach, Prießnitz, Lauterbach-Steinbach. Die Kosten trägt in Prießnitz die Jugend gemeinsam. Anderwärts schmücken die Nachbarn oder Angehörige des jungen Paares. Darunter fallen auch Geschwister (Espenhain, Michelwitz, Groitzsch). Geschwister schmücken nicht in Ramsdorf.

Brautführer und Brautjungfern

Sie gehören überall zu einer richtigen Hochzeitsfeier. Die Zahl der Paare ist aber ganz verschieden. Sie schwankt zwischen 2 und 8. In den meisten Fällen kommt man auf 3–4 zu.

Die besondere Ehrenstellung einer ersten Brautjungfer wird entweder einer unverheirateten Schwester – der jüngsten in Breunsdorf, der ältesten in Zedtlitz – oder einer anderen Verwandten oder der besten Freundin der Braut zuteil. Wem der Vorrang zuerkannt wird, darüber entscheidet weniger der örtliche Brauch als vielmehr die besondere Lage.