Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Der Polterabend

Am Abend vor der Hochzeit ist fast überall der Polterabend. Es nehmen daran teil die Eltern und die durch Karte oder mündlich geladenen Bekannten. Uneingeladen erscheinen die Anpolterer. Das sind meist Kinder. Sie freuen sich, einmal richtig Krach machen zu können und schleppen aus den Schuttablageplätzen herbei, was da nur irgendwie habhaft gemacht werden kann: zerbrochene Töpfe, Schüsseln, Ton, Steingut, Porzellan. Es werden diese Dinge einfach zu Boden geschmettert. Auch Blechzeug – Blechdosen, Eimer – wird nicht liegen gelassen. Da es nicht entzwei geht, wird hier und da wohl auch mit einem Stocke darauf geschlagen. Poltern bedeutet Glück. Abneigung besteht gegen Glas, teilweise auch schon gegen Blechzeug. Während Scherben Glück verheißen, bedeuten Glassplitter Unglück. Glück und Glas, wie bald bricht das (Tautenhain). Man fürchtet die kleinen Glassplitterchen (Eschefeld). Nur Hopfgarten sagt: Glas bringt Glück. Ohne Bedenken poltert man mit Glas in Hagenest, Lippendorf, Pödelwitz, Mölbis, Trachenau. Die Kinder sprechen dazu im Chore: „Kuchen raus, Kuchen raus, sonst kommt der Storch ins Haus“ (Hagenest). Oder: „Kuchen raus, Kuchen raus, der Klapperstorch kommt nicht ins Haus“ (Gatzen, Pegau). Oder: „Wollt ihr nicht Kuchen geben, sollt ihr auch nicht glücklich leben“ (Rötha). „Kuchen raus, sonst geht die Liebe aus dem Haus“ (Pegau). Und endlich: „Kuchen raus, Kuchen raus, sonst schmeißen wir die Braut zum Fenster naus“. Daß hier und da die Jugend auch einmal ausartet, ist erklärlich. Sie vergessen den alten Sinn, die Geister zu verscheuchen (Großstorkwitz, Zöpen, Pegau). Als Dank gibt das Hochzeitshaus Kuchen. Es bäckt deshalb meist 2 Sorten, eine minder gute für die anpolternden Kinder, eine bessere für die geladenen Gäste.

Die Scherben müssen natürlich auch wieder beseitigt werden. In manchen Orten haben dies Braut und Bräutigam gemeinsam zu tun (Hagenest, Ramsdorf, Cöllnitz, Gatzen, Breunsdorf, Tautenhain, Flößberg, Audigast, Lauterbach-Steinbach, Lippendorf, Oelzschau, Prießnitz). In anderen nur der Bräutigam (Großstorkwitz, Hain, Hopfgarten, Stöntzsch, Pötzschau-Dreiskau, Espenhain, Trachenau, Hohendorf, Ruppersdorf, Oberfrankenhain), in einigen wenigen Orten andere Angehörige (Gatzen, Breunsdorf), in zweien das arme Bräutchen (Michelwitz, Rötha) und in einem die Dorfjugend, die angepoltert hat – sie bekommt dafür sonst keinen Kuchen (Beucha).
Vielerorts muß das Wegräumen noch vor Mitternacht geschehen (Großstorkwitz, Breunsdorf, Rötha, Stöntzsch, Hain, Hopfgarten, Groitzsch, Buchheim, Mölbis, Wyhra), sonst überall noch in der Nacht. Die Scherben dürfen nicht in den neuen Tag hinein liegen (Hain). Eine Ausnahme machen nur Breunsdorf, Gatzen, Zöpen und Oberfrankenhain. Sie räumen erst am nächsten Morgen auf.

Haben die Braut oder der Bräutigam Beziehungen zu einem Gesangverein, zu einem Kirchenchor oder zur Feuerwehr, d. h. sind sie aktive Angehörige einer solchen Gemeinschaft, so stellen sich auch diese ein und bringen dem jungen Paare ein Ständchen. Bewirtet werden sie mit Kaffee, Kuchen, belegten Brötchen, Bier und Wein. Da die Stimmung dadurch naturgemäß meist eine feucht-fröhliche wurde, was nicht immer gut ist für den nächsten Tag, in diesem Falle den Hochzeitstag, so singen Sangesbrüder und Sangesschwestern jetzt lieber zweckmäßiger erst am Hochzeitstage und zwar in der Kirche (Mölbis).

Am Polterabend werden der Braut ein Myrtenkranz und dem Bräutigam ein Myrtensträußchen überreicht. Es geschieht dies mit einem Gedicht durch eine Schwester oder eine gute Freundin der Braut. Zugleich erhält die Braut auch den Schleier. Die Brautjungfern kaufen ihn (Ossa). Myrtenkranz und Myrtensträußchen und Schleier werden an dem Abende aber noch nicht aufgesetzt bzw. an- und aufgesteckt. Für den Abend muß sich die Braut in vielen Fällen mit einem Rosenkränzchen begnügen (Pegau, Prießnitz, Rötha, Audigast, Oberfrankenhain, Oelzschau, Pödelwitz).
Die Myrte wird in den meisten Fällen vom Gärtner bezogen. Nur in wenigen Fällen von einem Konfirmationsstöckchen, das die Braut die Jahre hindurch gepflegt hat (Gatzen, Hohendorf, Hopfgarten, Ruppersdorf, Rötha, Witznitz, Seifersdorf-Schönberg, Trachenau). Auch ältere Verwandte (Tanten, Großmütter) ziehen zuweilen im Hinblick auf die Hochzeit einer Nichte oder Enkelin Myrten (Elbisbach). In den meisten Fällen ist man kein Freund davon. Man sagt: Wer selber Myrte baut, wird niemals eine Braut (Gatzen, Groitzsch, Cöllnitz, Großstorkwitz, Zöpen, Audigast, Kitzscher-Dittmannsdorf, Hain, Lippendorf), wo Myrte gedeiht, wird niemals gefreit (Buchheim). Die Bedenken teilt man nicht in Hopfgarten und Trachenau. Junge Mädchen sollen keine Myrte ziehen (Tautenhain).

Der Bräutigam soll am Polterabende nur einige Stunden bei der Braut verweilen, sonst läßt sie ihn später nicht aus dem Hause (Rötha).