Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Wann soll nun die Hochzeit sein?

Welche Jahreszeiten werden gemieden und welche bevorzugt? Gemieden wird keine, bevorzugt das Frühjahr. Sommer und Herbst kommen etwa gleichviel in Betracht. Der Winter wird am wenigsten gewählt. Das gilt sowohl für die Gegenden mit vorwiegend landwirtschaftlicher als auch für die mit mehr industrieller Beschäftigung, gemieden werden nur Teile der Jahreszeiten, die Passionszeit und da wieder ganz besonders die Karwoche (allgemein), der Totensonntag (Witznitz), die 12 Nächte (Greifenhain, Ebersbach), jedoch mit Ausnahme der Weihnachtsfeiertage (Tautenhain), der Hochsommer (Bad Lausick), die Hundstage (Zöpen, Lippendorf, Elstertrebnitz, Seifersdorf-Schönberg), die Ernte (Mölbis), die Tage im Zeichen des Krebses (Lippendorf), besonders arbeitsreiche Zeiten (Stöntzsch). Nicht beliebt sind auch die Zeiten mit abnehmendem Monde (allgemein). Es könnte dadurch die Liebe abnehmen (Breunsdorf).

Auch hinsichtlich der Wochentage muß mit Bedacht vorgegangen werden. Nicht jeder Tag der Woche ist gleichermaßen geeignet, den Bund fürs Leben zu schließen. Am geschätztesten ist der Sonnabend. Aber auch Sonntag und Donnerstag werden nicht mißachtet. Seltener greift man den Dienstag heraus. Noch seltener den Montag. Nur ganz feine Hochzeiten wählen den Montag (Tautenhain).

Nicht in Frage kommen der Mittwoch und der Freitag. Der Mittwoch wird gemieden in Eschefeld, Elbisbach, Flößberg, Greifenhain, Hohendorf, Ruppersdorf. Gegen den Freitag sind alle mit nur zwei Ausnahmen. Die eine Ausnahme bildet Hain, wo seit etwa 10 Jahren auch an den Freitagen Trauungen stattfinden. Der Pfarrer lehrte dort: Jeder Tag ist Gott angenehm. Und seit dem heiratet man in Hain auch an dem sonst allgemein gemiedenen Tage. Breunsdorf und Witznitz bezeichnen ihn direkt als Unglückstag. Die andere Ausnahme macht Flößberg. In Bad Lausick ist neben dem Freitag auch der Montag verpönt. Blumroda und Rötha halten nichts auf die 7. und 13. Tage des Monats. Kieritzsch hat an den Tagen ohne „d“ etwas auszusetzen.

Geschwisterhochzeiten

Sie haben nichts zu sagen, wenn sie an einem Tage stattfinden. Doppelhochzeiten bedeuten sogar Glück (Elbisbach). An verschiedenen Tagen innerhalb eines Jahres zu heiraten, hat für fast alle „ein aber“. Eine schlechte Ehe, Unglück und Tod sind daran gebunden; überall ist die Ansicht noch lebendig. Doch bringt es die Zeit mit sich, daß man mehr oder weniger sich davon losmacht (Ramsdorf, Seifersdorf-Schönberg).