Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Bis zur Hochzeit

Die Zeitspanne bis dahin ist sehr verschieden. Sie richtet sich nach den wirtschaftlichen Verhältnissen, ob der Bräutigam schon in der Lage ist, eine eigene Familie zu ernähren, ob die Braut die Aussteuer fertig hat, ob sie alt genug erscheint usw.

3 Wochen sollen das mindestens sein (Mölbis und Bad Lausick). Einige Jahre halt man für selbstverständlich. Mehr aber machen stutzig. Man fragt dann neugierig nach den Ursachen der Verzögerung, wobei nicht immer sachliche Gründe von den sogenannten lieben Nachbarn und Nachbarinnen zur Äußerung kommen. Einer zu langen Verlobung prophezeit man ein endgültiges Ende. Sie geht auseinander (Elstertrebnitz). Sie vergeht (Greifenhain). Die Liebe erkaltet (Bad Lausick, Oelzschau). Eine Ehe kommt dann entweder gar nicht zustande oder es wird die Harmonie dadurch beeinträchtigt (Tautenhain). Leicht kriegen sich dann die Verlobten satt (Benndorf). Sie kennen sich dann zu sehr (Trachenau). Hämisch spricht man auch als von der ewigen Braut (Audigast, Hagenest, Prießnitz, Rötha).

Nicht gut beurteilt man indes auch eine zu kurze Spanne Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit. Die Verlobten lernen sich dann nicht hinreichend genug kennen und die Verlobung geht aus dem Leime, wie man z. B. in Trachenau sagt. Mitunter kommt es auch vor, daß eine Verlobungszeit im Hinblick auf die zu erwartende Geburt eines Kindchens notgedrungen abgekürzt werden muß, man spricht dann von einer Zwangsheirat (z. B. in Pödelwitz).

Zu einem Begräbnis sollen Brautleute nicht gehen. Es stirbt sonst eines von beiden (Breunsdorf).