Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Das Versprechen

Ganz von selbst wächst aus diesem Verhältnis das Versprechen alleiniger gegenseitiger Treue: sie verloben sich. Enger und enger werden damit auch die Beziehungen zu den Elternhäusern. Endlich ist es soweit, den Tag der öffentlichen Verlobung festzusetzen. Bevorzugt werden hierzu die 3 großen Feste Weihnachten, Ostern u. Pfingsten. Pfingsten ganz besonders als das lieblichste aller Feste. Die Zeitung verkündet dann ihrem Leserkreis, und die Post den Verwandten die (meist schon seit längerer Zeit bekannte) Tatsache.

Die Verlobungsfeier findet in der Regel im Hause der jungen Braut statt. Braut und Bräutigam geben sich in Gegenwart der Eltern den ersten öffentlichen Kuß, der Bräutigam entnimmt die von ihm gekauften glatten, schmucklosen goldenen Ringe einem Schächtelchen und steckt den Ring der Braut an deren linken Goldfinger, wie er auch seinen Ring an seinen linken Goldfinger steckt. In dem Ringe der Braut befinden sich die Anfangsbuchstaben seines Namens, in seinem die der Braut. In beiden gleich stehen Tag, Monat und Jahr der öffentlichen Verlobung. Die Gegenwart der Eltern bekundet deren Einverständnis sie gratulieren dem jungen Paare und wünschen für die Zukunft das Beste.

Sofern zwischen dem jungen Paare und den Eltern und den Eltern untereinander als Anrede noch das steife Sie gebräuchlich sein sollte, wird Brüderschaft gemacht und das vertraulichere Du eingeführt. Die Eltern beschenken die Verlobten, die Bekannten und Verwandten senden Karten, Blumen und kleinere Geschenke. Als Dank bietet das Haus dar Braut jedem Bringer Kaffee und Kuchen an. Die Blumen kommen auf die Fensterbretter, die Geschenke auf den Geschenktisch. Die Wohnung der Braut gleicht nach der Feier einem Blumenladen. Es ist der Stolz der Braut, zu wissen; von wem sie die zahlreichen Blumen erhalten hat. Sorgfältig betreut sie sie.