Hochzeitsbrauchtum im Bornaer Land

Das „Sich finden“

Ja, wie geht es nur zu? Ein tiefinnerlicher Trieb führt die jungen Menschen hinaus, die einen wie die anderen. Beim Tanz, bei der Arbeit, während einer Reise, anläßlich eines Familienfestes oder anderswo begegnen sie einander und lernen sich kennen. Überaus zahlreich sind die Möglichkeiten des Zusammenkommens. Lebenswege ganz verschiedener Art kreuzen sich da. Anmutiges Wesen, Wohlgefallen an kraftvollem Auftreten, heitere Lebensauffassung, Tüchtigkeit im Beruf und andere Wesensäußerungen ziehen an. Ein Blick, ein Händedruck, ein Wort, eine Gefälligkeit: man fühlt, daß man zusammenpasst und sucht Möglichkeiten öfteren Beisammenseins, tanzt mehr gemeinsam denn mit anderen, findet sich bei Damenwahlen, deren gewöhnlich 3 am Abend eingelegt werden, und weiß auch beim letzten Tanz zusammenzukommen. Früher verrieten auch Polonaise und Contre, wer enger zusammengehörte.

Das Paar, das den letzten Tanz gemeinsam auskostet, geht gewöhnlich auch gemeinsam heim, d. h. der Herr begleitet die Dame bis an deren Behausung. Der engere Verkehr wird zwar zunächst noch geheim gehalten, aber die Nachbarn wissen doch bald, der und die gehen zusammen. Immer mehr wird es zwecklos, sich nur heimlich im Dunklen oder nur auswärts zu treffen. Man tut es aber dennoch eine gewisse Zeit, da man ja noch nicht ganz genau weiß, ob man für immer zueinanderpaßt und man fürchtet dann die üble Schadenfreude sogenannter lieber Mitmenschen. Im Dunkel einer solchen „Heemfuhre“ henkelt sich das Paar ein, geht mit krummen Armen, wie man da sagt, verschlingt die Arme, legt die Hände auf die Hüfte des anderen und gibt sich wohl auch den ersten Kuß, Größer und größer wird die Rücksichtnahme auf einander, geht zuletzt nur noch aus, wenn der andere dabei ist und richtet sich ganz nach den Wünschen des anderen.