Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Neujahr

Der Tag heißt allgemein der Neujahrstag. Überall ist üblich, mündlich oder schriftlich die besten Wünsche für das kommende Jahr auszusprechen. Mündliche Formen sind: „Glückliches neues Jahr!“ oder „Prosit Neujahr!“ (Auligk) oder „Gesundes neues Jahr!“ (Frauendorf). Dabei wird die Hand gedrückt. In Großzössen ziehen die Kinder von Haus zu Haus und wünschen viel Glück oder „Alles Gute!“. Sie erwarten für ihre Aufmerksamkeit ein kleines Geschenk. Auch Erwachsene beteiligen sich vereinzelt daran. Daß Kinder ihren Eltern selbst geschriebene gereimte Neujahrswünsche ansagen und überreichen, ist recht selten geworden; Altmörbitz, Gnandstein, Rüdigsdorf, Elbisbach, Roda, Rötha und Ruppersdorf pflegen noch den alten Brauch. Die Sprüche werden bunt ummalt und stellen ein Schmuckblatt dar. In Bad Lausick sagten die Kinder früher einen Spruch an oder sangen ein Lied. Heute ist das nicht mehr der Fall. Auch in Trachenau ist die Sitte eingeschlafen. Entfernt wohnende Verwandte und Bekannte erhalten gedruckte Neujahrskarten. Manche schreiben außerordentlich viele Karten. Andere üben Zurückhaltung und sagen: Ich wünsche meinen Mitmenschen nichts Schlechtes, brauche ihnen also nicht noch besonders Gutes zu wünschen. In Groitzsch ist zu beobachten, dass seit 1933 die Neujahrskartenflut im Zurückgehen ist. Handwerker und Geschäftsleute gratulieren ihren Kunden durch die Zeitung. Prominente lösen sich von der Verpflichtung durch eine Geldspende an eine örtliche Hilfskasse (Groitzsch, Lucka).

Zu Mittag muß fast allenthalben etwas Quellendes auf den Tisch: Hirse, Klöße, Linsen, Reis, Gräupchen, Nudeln. Dazu Karpfen, Hase, Gans, Schwarzfleisch oder Blutwurst. Hirse bedeutet kleines Geld oder viel Geld, Klöße großes Geld, Nudeln langes Geld. Hirse bringt Geld heißt es in Auligk. Das kleine und große Geld soll im kommenden Jahre nicht alle werden (Blumroda, Nauenhain, Pulgar, Roda, Rötha). Das Geld soll quellen (Elstertrebnitz), der Reichtum soll sich vermehren (Görnitz, Kreudnitz, Wyhra). Kohren tischte Hirsebrei als Vorspeise auf; er bedeutete: Goldgeld. In Lobstädt mußte am Neujahrstag jeder, der aus- und einging, wenigstens einen Löffel davon essen. Schönauer paßten auf, dass sie beim Essen keine Hirse verloren; sie verloren ja damit Geld. In Trages hieß es: nicht blasen, wenn die Hirse zu heiß auf den Tisch kam; man nahm der Hirse dadurch die Kraft.
Die Großstorkwitzer und Witznitzer legen weniger Wert auf das Quellende als vielmehr auf das Runde. Aber auch hier isst man Klöße und Graupen und hofft, dass einem durch das Essen im kommenden Jahre das Geld nicht ausgeht. In Trages läßt man gern etwas übrig, um es den Hunden, Katzen u. Hühnern geben zu können.

Geld am Neujahrstage ausgeben wird nach Möglichkeit vermieden (Benndorf, Borna, Hagenest, Nauenhain, Prießnitz, Schönau-Nenkersdorf, Seifersdorf, Tautenhain). Man hat sonst das ganze Jahr kein Geld, muss immer Geld ausgeben, bleibt so nicht reich. Schulden begleicht man gern noch im alten Jahre (Breunsdorf, Nauenhain, Prießnitz). Etwas zerbrechen am ersten Tage im neuen Jahre bedeutet Unglück für das ganze Jahr (Hopfgarten, Lobstädt). Es darf den ganzen Tag das Feuer nicht ausgehen (Hopfgarten). Wer zu Neujahr niest, lebt noch das ganze Jahr (Blumroda). Wünscht eine sich etwas unter dem brennenden Lichterbaum und es verlöscht dabei von selbst das oberste Licht, so geht bestimmt der Wunsch in Erfüllung (Blumroda).

Morgenrot am Neujahrstage bedeutet nichts Gutes: ein schlechtes Jahr für die Landwirtschaft (Breunsdorf), Krieg (Elstertrebnitz und Trages), bittere Not (Ramsdorf), Unglück (Seifersdorf). Die Ramsdorfer deuten Sturm am Neujahrstage als Anzeichen für einen nahen Krieg. Viel Sterne am Himmel verheißen viele Mandeln auf dem Felde (Prießnitz, Ramsdorf). Regnet es aus dem alten in das neue Jahr, so werden im neuen Jahre 12 Ehepaare der Gemeinde durch den Tod getrennt (Auligk).

Der Neujahrstag ist auch Ab- und Anzugstag für das Gesinde, z. B. in Elstertrebnitz und Ossa. Dabei gilt die Regel: es soll das neue Gesinde das alte nicht überziehen, d. h. das alte muß aus dem Hofe hinaus sein, wenn das neue kommt, sonst gibt es bald wieder Wechsel. Auf Faulheit der neuen Leute ist zu schließen, wenn sie erst nach 12 Uhr erscheinen (Elstertrebnitz). In Neukirchen und Prießnitz ist der 2. Januar Ab- und Anzugstag. Man feiert ihn deshalb als Sonntag und verrichtet nur die allernötigsten Arbeiten im Viehstalle.