Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Die 12 Nächte

Allgemein heißen die Nächte: die 12 Nächte. Nur in wenigen Orten sind noch die Bezeichnungen Unternächte, Innernächte oder Internächte gang und gäbe. Von Wichtigkeit sind die 12 Nächte für das Wetter des kommenden Jahres. Jeder Tag bedeutet einen Monat. Man beginnt jedoch nicht einheitlich. Die einen nehmen für den Januar den 24.12., andere den 1. Feiertag.

Vom 24.12. an rechnen: Altmörbitz, Espenhain, Flößberg, Kohren und Bad Lausick, Lippendorf, Michelwitz, Pegau, Prießnitz, Rötha, Stöntzsch und Wyhra. Vom 25. an: Benndorf, Blumroda, Borna, Gatzen, Groitzsch, Hain, Nauenhain, Regis, Roda, Tautenhain. In anderen Gemeinden geht man bald vom Helligen Abend; bald vom 1. Feiertag aus, läßt hier und da manchmal auch nur die Nächte gelten. In Roda nannte man so den Neujahrstag den Erntemonat. Um das Wetter im Kopfe zu behalten, zeichnet man sich in Rötha 12 Kreise, halbiert diese und trägt das Vor- und Nachmittagswetter ein. In Kitzscher lebte ein Mann, der das Wetter sogar stündlich notierte.

Einige Punkte, auf die man achtet, sind: Viel Sterne – viel Mandel = Getreidemandeln. (Elstertrebnitz), Helle Nächte = ein gutes Jahr – dunkle = ein regnerisches, nasses (Kieritzsch). Viel Sterne in den 12 Nächten ein gutes Obstjahr (Pödelwitz). Finstere 12 Nächte, lichte Scheunen – lichte 12 Nächte, finstere Scheunen (Prießnitz). Ist der Himmel recht gesternt, gibt es eine gute Ernte (Auligk). Viel Winde, viel Obst (Roda). Vater Kästner in Trages-Thierbach schaut um Mitternacht nach den Sternen, ob in ihnen Getreidenäufchen sichtbar sind.

Manche nehmen eine direkte Befragung der Natur vor. So schneiden Ossaer aus einem Birkenstamme Späne und beobachten nun, ob sie trocken bleiben oder naß werden. Andere, so Audigaster, Auligker, Neukirchner und Pödelwitzer nehmen 12 Zwiebelschalen und streuen in jede gleich viel Salz hinein. Ist z. B. das 2., 4. und 9. Häufchen früh feuchter als die anderen, sind im Februar, April und September reichliche Niederschläge zu erwarten. Einzelne Schönauer handelten ähnlich; sie teilten eine Zwiebel in 12 Teile, lösten dann die Schalen von innen nach außen und streuten auf die letzten Salz. Einige huldigen diesem Brauch schon am Andreastage.

Allgemeinere Redensarten sind: Grüne Weihnachten – weiße Ostern (Hagenest, Ruppersdorf), Weihnachten im Klee – Ostern im Schnee (Oberfrankenhain). Trages-Thierbacher ließen sich bis etwa 1908 das Wetter durch den Erbschlüssel prophezeien.

Träume in den 12 Nächten

Wenn sonst Träume Schäume sind, in den 12 Nächten sollen sie es nicht sein. Da sollen sie in Erfüllung gehen. Die heilige Nacht entspricht dabei dem Januar, die 2. Nacht dem Februar u. s. f. In Altmörbitz muß man allerdings in der Mitternachtsstunde träumen, soll Erfüllung beschieden sein. Die Träume verkünden Trübsal, Krankheit, Tod, aber auch Glück, Geldgewinne, Hochzeit, langes Leben. Sieht man Rauch oder trübes Wasser, ist Unglück zu erwarten (Neukirchen, Roda), erscheint ein Sarg oder fallen die Zähne aus, steht Trauer bevor (Roda, Ossa, Prießnitz, Seifersdorf). Helles Feuer und helles Wasser bedeuten Glück, Hochzeit (Neukirchen, Roda, Seifersdorf). Auch Bienen verheißen Gutes (Roda). Und träumt man vom Tode eines Bekannten oder Verwandten, so lebt er noch lange (Prießnitz).

Es glauben noch viele daran. Einem Trages–Thierbacher erschien in der 10. Nacht der Tod in Gestalt eines weißbärtigen Mannes, begleitet von 2 weißgekleideten Mädchen, und mahnte einen Bekannten an sein nahes Ende. Der Betreffende starb auch wirklich im folgenden Oktober. Anderweite Orakel.

Der Wunsch in die Zukunft blicken zu können, hat noch einige Orakel entstehen lassen. In dem einen Falle drückt man soviel Häufchen Salz in Fingerhüte wie Leute sich an der Befragung beteiligen, stürzt sie auf ein Brett, hebt die Fingerhüte sorgfältig ab und stellt das Brett dann beiseite. Wessen Häufchen am anderen Morgen eingefallen ist, der ist vom Tod bedroht (Elstertrebnitz, Bad Lausick).

In zwei anderen Fällen befragte man den Erbschlüssel: in Elstertrebnitz und Trages-Thierbach. In Trages-Thierbach geschah dies bis zum Jahre 1908; doch übte man diesen Brauch auch zu anderen Zeiten. Elstertrebnitzer Mädchen gießen an dem Abend auch Blei. Früher holten sie einen Gänserich in die Stube und stellten ihn in die Mitte; zu der er lief, die wurde bald Braut.

Sterben einzelne alte Leute, so müssen im nächsten Jahre eben solche dran glauben. Stirbt jemand aus der Ehe, werden viele Ehen in den kommenden Monaten gerissen werden.

Platzt der Reifen einer Wanne oder eines Fasses, gibt es ein Unheil (Auligk), gibt es Trauer (Ossa). Und macht sich ein Stück Vieh im Stalle los, ist auch nichts Gutes zu erhoffen (Roda). Personen, deren Köpfe im Lichte der Christbaumkerzen keine Schatten werfen, sterben (Rötha). Zerbricht etwas, etwa ein Spiegel oder anderes Glas, so bedeutet das: Tod eines Verwandten (Hainichen, Hohendorf, Oberfrankenhain, Ossa, Pegau, Schönau, Tautenhain), oder 7 Jahre Unglück (Auligk, Regis-Breitingen). Verlöschen Lichter von selbst, mahnt wiederum der Tod (Schönau).

12 Nächte und Hühner

Besondere Stellung unter den Haustieren nehmen in diesen Tagen die Hühner ein. Man soll sie nicht rufen, wenn man sie füttern will. Sie verlegen sonst die Eier (Blumroda, Lippendorf, Nauenhain, Prießnitz), oder gehen gar ein (Nauenhain). Und wenn man sie füttert, dann soll dies in einem Kreis geschehen, den man früher aus Weidenruten herstellte (Lippendorf).

Jungen Mädchen müssen sie sagen, ob sie bald einen Liebsten bekommen oder nicht. Sie pochen an den Hühnerstall und sagen: „Gackert der Hahn, krieg ich ein Mann: gackert die Henn', wer weiß wenn“. (Elstertrebnitz).