Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Auch der Tiere gedenkt man am Heiligen Abend

Pferde, Rinder, Hunde, Katzen, Ziegen, Hühner und Vögel werden bedacht. Es wird ihnen mehr „aufgesteckt“ als sonst. Die Pferde bekommen reichlich Heu oder eine noch nicht ausgedroschene Hafergarbe. In Hainichen bekamen sie früher Kleie und Würfelzucker. Bauer Lämmel in Trages spendet seinen Helfern 2 Garben Hafer; einige Bauern in Wyhra schenken sogar drei. Gleich oder ähnlich werden die Rinder bedacht. Hunde und Katzen bekommen oft Würstchen (Wyhra) oder Schweinsknochen und Schokolade (Hainichen) und Ziegen einen Apfel (Wyhra). In Elbisbach reicht man Leckerbissen: Nüsse, Äpfel, Brot, Pfefferkuchen, in Ebersbach von jeder Getreidefrucht eine volle Garbe, d. h. eine noch mit Körnern versehene Garbe. Nauenhain hält noch am Siebenerlei fest (Heu, Rüben, Krautstrünke, Hafer, Weizen, Gerstenstroh und Kraftfutter). In Tautenhain ist auch noch das Neunerlei in Erinnerung. Wie es sich zusammensetzte, ist jedoch nicht mehr bekannt.

Die Zeit, wann man die Tiere beschenkt, ist verschieden. In Pödelwitz geschieht es vor, in Auligk unterm Abendläuten, in Schönau zu Beginn des Abendläutens. In Deutzen geschah es früher um 24 Uhr. In Hainichen besuchen manche Leute um Mitternacht ihre Ställe.

In Wyhra herrscht die Sitte, die Geschenke stillschweigend zu machen. Den Schönauer Hühnern schüttet man reichlicheres Futter als sonst in einen Wagenreifen. Man will damit erreichen, daß sie im kommenden Jahre die Eier in ein und dasselbe Nest legen. Bad Lausicker geben auch den frei lebenden Vögeln der Stadt eine reichlichere Mahlzeit.

Mit Absicht reicht man soviel Futter, daß am nächsten Morgen übrig ist. Es sollen dadurch die Tiere im kommenden Jahre nie Hunger leiden (Altmörbitz). Wenn Ebersbacher von jeder Getreidefrucht spenden, so vebinden sie damit den Wunsch, es möchte sich im nächsten Jahre das Vieh nicht losreißen. In Hain wird gesagt: man darf am Heiligen Abend nicht die Hühner rufen. Einen Grund dafür weiß man nicht.

Das Mitgefühl für die Tiere scheint stark abzunehmen. In Deutzen, Gatzen, Ramsdorf, Schönau, Tautenhain ist es erloschen, in Elstertrebnitz, Oberfrankenhain und Niedergräfenhain nur noch sehr selten, in Auligk und Oelzschau nur noch teilweise. Bauer Schmidt in Trages-Thierbach aber gibt auch an den Feiertagen eine Sonderzulage an Hafer.