Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Das Heiligabendessen

In sehr vielen Familien unseres Kreises wird am Heiligen Abend ein Gericht mit Hering gegessen, sei es nun als Heringssalat oder als marinierter Hering mit Kartoffelsalat. Geschätzt ist dabei Rogen; denn dieser bedeutet Geld (Pegau), verhütet, das im kommenden Jahre das Geld ausgeht (Hain). Hier und da tischt man auch Karpfen auf, z. B. in Audigast, Hain, Hainichen, Bad Lausick und Tautenhain. Dabei soll vorteilhaft sein, einige Karpfenschuppen in die Geldbörse zu stecken. Auch deshalb: damit das Geld nie ausgeht. Andere Gerichte sind: Fleischsalat mit Brötchen (Audigast, Kitzscher, Rötha und Zöpen), Brühwürstchen (Hopfgarten, Auligk, Neukirchen, Bubendorf und Oberfrankenhain) oder Bratwurst mit Sauerkraut (in Gatzen vereinzelt) in Kieritzsch vielfach, in Neukirchen-Bubendorf und Prießnitz mehrfach, in Seifersdorf wieder vereinzelt. Etliche ziehen Klöße vor (Hainichen, Niedergräfenhain). Es soll mit Klößen das große Geld im Hause bleiben, sagt man in Niedergräfenhain. Ferner gibt es als Vorgeschmack auf den Braten des 1. Feiertages am Heiligen Abend das Gänseklein mit Reis: in Mölbis, Michelwitz, Neukirchen und Trages-Thierbach.

Früher pflegte man in 2 Orten Apfelsalat auf den Tisch zu bringen: in Altmörbitz und Ossa. In Erinnerung ist hier und da auch noch das 5er-, 7er- und 9erlei: in Elbisbach, Elstertrebnitz, Nauenhain, Regis-Breitingen und Tautenhain das 9erlei, in Geithain, Trages und Seifersdorf das 7erlei, in Greifenhain das 5er- oder 7erlei. Das Elstertrebnitzer 9erlei bestand aus Kartoffeln, Hering, Apfel, Wurst, Schinken, Salz, Pfeffer, Essig und Öl. Die Tautenhainer verstanden darunter Sauerkraut mit Bratwurst, Heringssalat, Kartoffelsalat mit Rapünzchen und Eiern, Butterbrot und Wurst und Kompott. Es kam bei ihnen nicht so darauf an, was und wieviel im einzelnen gegessen wurde; Hauptsache war, daß es 9 verschiedene Speisen waren. Die Nauenhainer mochten Rotkraut mit Kartoffeln und Sauerkraut mit grünen Klößen nicht missen. Vor allem mußten die Speisen in 9 Schüsseln aufgetragen werden. In Ossa hält man auch heute noch am 9erlei fest. Fehlen dürfen dabei nicht: Kartoffelsalat mit Hering, Gans und Apfelsalat. Greifenhain und Regis-Breitingen kaufen ihr Vielerlei nach der Zahl der Bestandteile im Heringssalat. Die Trages-Thierbacher mengen: Kartoffeln, Hering, Apfel, Gurke, Kapern und Mayonnaise.

Gebetet wird allgemein noch in Pfarrhäusern regelmäßig. Sonst nur noch bei besonderen Anlässen, und zwar spricht dann das Gebet der Hausvater oder der mit geladene Pfarrer oder Lehrer.

Eine alte Regel für das Heiligabendessen ist: alles aufessen, damit der Feiertagsbraten schmeckt (Bauer Lämmel in Trages-Thierbach). In Auligk hält man noch darauf, weiß aber nicht weshalb. Das Gleiche ist der Fall in Buchheim, Hopfgarten, Prießnitz, Regis-Breitingen, Rötha, Tautenhain.