Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Von (erzgebirgischen) Figuren

Als solche kommen in Betracht Engel und Bergleute als Lichtträger, sowie Räucherkerzenmänner. Engel und Bergleute finden sich in Altmörbitz, Benndorf, Borna, Breunsdorf, Deutzen, Ebersbach, Elbisbach u. a. Weihnachten 1935 waren noch nicht allzuviele vorhanden. Heute zählt man schon mehr. Durch die Schulen sind in den letzten Jahren viel erzgebirgische Erzeugnisse vertrieben worden. Nauenhain verkaufte 1935 für 60, Hagenest 1937 für 55 Reichsmark! Rüdigsdorf besaß 1935 erst einen einzigen Engel, Beucha und Gatzen ebenfalls. In Großzössen stand 1935 ein einziger Bergmann mit seinen Lichten abends im Fenster. In Seifersdorf auch nur einer. In Oelzschau besaßen nur der Arzt und der Volkstumwart besondere Adventsleuchter. Und sonst waren sie überall nur vereinzelt.
Gleiches gilt für die schönen Räucherkerzchenmänner. Es waren da 1935 welche in Rüdigsdorf, Benndorf, Borna, Elstertrebnitz, Flößberg, Hagenest, Hopfgarten, Prießnitz, Pulgar, Regis-Breitingen, Seifertsdorf, Trages. Wohl liebte man einen weihnachtlichen Geruch und brannte hier und da Räucherkerzchen oder Fichtenzweige an, aber Figuren kannte man noch nicht. Auch hier ist zur Zeit von Jahr zu Jahr Zunahme an erzgebirgischen Erzeugnissen.

Im allgemeinen hat die Arbeitsbeschaffung der NSDAP hier viel Segen gestiftet und durch diese wieder die Lehrerschaft mit ihren Schülern, so in einem Falle auch der Costewitzer Gesangverein, indem er Findeisens „Die Spielzeugmacher im Erzgebirge“ aufführte und dadurch das Verlangen nach den erzgebirgischen Figuren weckte. Mittler wurde damals der Landesverein Sächsischer Heimatschutz.

Lichthäuser

Sie sind sehr spärlich im Bezirke. Altmörbitz meldet eins, Michelwitz hat welche aus Pappe, Ramsdorf und Rötha desgleichen.

Von den Pflaumentoffeln

Sie waren früher – besonders in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts – allgemein verbreitet. Sie gehörten zum Weihnachtsfest wie heute der Christbaum dazu gehört. Vielfach fertigte man sie selbst aus gebackenen Pflaumen an. Es gab aber auch welche zu kaufen. Die gekauften waren versehen mit Porzellanpuppenkopf und Zylinderhut und stellten zumeist einen Essenkehrer dar. Bauer Lämmel in Trages kaufte noch bis 1912 alljährlich einen in Borna An der Mauer Nummer 3. Jetzt sind sie überall völlig verschwunden.

Von Erbsenhäusern und Schmetterlingen

Davon berichtet nur Pödelwitz. Man fertigte sie selbst an. Wie, ist unbekannt. Eine Beschreibung konnte nicht gegeben werden. Die Schmetterlinge machte man aus ausgeblasenen Eiern.

Von Weihnachtsbergen

Hiervon sind nur wenige zu verzeichnen: 1 in Beucha, 2 in Rüdigsdorf, 2 in Hopfgarten (eine in einer Familie, die andere in der Schule von Schülern und dem Lehrer zusammengebastelt), in Lauterbach-Steinbach 1 und in Schönau-Nenkersdorf 1 (diese, die so genannte Ecke, in der Schule). Die Lauterbach-Steinbacher wurde im Orte gebaut. In Rötha wurde bis etwa 1915 alljährlich einer in der Pfarre errichtet. Bad Lausick und Pegau melden ganz vereinzeltes Vorkommen.

Von Weihnachtskrippen

Sie sind zahlreicher vertreten als die Weihnachtsberge. Besonders zahlreich in Kirchen wie in Deutzen (hier seit etwa 1930), in Heuersdorf, in Bad Lausick, in Mölbis, in Pötzschau und in Trachenau (hier zur Christvesper am 2. Feiertag abends 6 Uhr). An Schulen mit Krippen sind zu nennen: Beucha (der Lehrer brachte sie 1923 von Lößnitz im Erzgebirge mit und stellte sie 1923–26 öffentlich zur Schau), Pötzschau und Wyhra (der Lehrer kaufte sie in Leipzig; es ist eine bayrische Arbeit). In Trachenau baut man eine im Friedrichstift auf, einem Altersheim für 60–80 Personen. Sie steht dort alljährlich unter einem Himmel aus Tannenreisig, an dem 50–60 Englein schweben. Sonst sind Krippen noch zu finden bei Familien in Benndorf, Beucha (2), Ebersbach, Kieritzsch, Bad Lausick, Lippendorf, Nauenhain (1), Pegau, Regis-Breitingen, Tautenhain und Trages. Mit Krippen aus Papier (Modellierbogen) helfen sich Auligk, Borna, Hagenest und Hain.