Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Von Christvespern und Christmetten

Vespern müßten ihrem Sprachinhalt entsprechend eigentlich am Heiligen Abend, Metten am 1. Feiertag früh abgehalten werden. Die Sprachbegriffe sind jedoch durcheinander gekommen. Christmette ist der allgemeine Ausdruck für weihnachtliche Gottesdienste, ganz gleich, ob sie am Heiligen Abend oder am 1. Feiertag früh stattfinden, oder gar am 1. Feiertag Nachmittag und abends. Den Namen Vesper führen nur Hohndorf, Bad Lausick und Ramsdorf.

Die Abendfeiern liegen zwischen 16 und 19 Uhr, die Metten zwischen 6 und 8 Uhr, die Gottesdienste am 1. Feiertag nachmittag bzw. Abend 17–20 Uhr, in einen im Falle am 2. Feiertag abends 6 Uhr (in Trachenau).

Die Vespern und Metten sind meist Predigtgottesdienste verbunden mit Verlesen der Christgeschichte und Singen der bekanntesten Weihnachtslieder. Manche haben mehr den Charakter von Kindergottesdiensten (Greifenhain, Prießnitz), werden aber trotzdem auch gern von Erwachsnen besucht. In Pötzschau pflegt man die Weihnachtsgeschichte mit verteilten Rollen zu verlesen. In Stöntzsch treten Kinder als Engel verkleidet auf und singen.

Krippenspiele führen bzw. führten auf: Rüdigsdorf (seit etwa 1925), in Deutzen (seit etwa 1933), Frohburg, Gatzen (hier nicht immer), Görnitz, Greifenhain, Großstorkwitz, Hohndorf (1935), Bad Lausick (nicht jedes Jahr), Lippendorf nur (1933), Mölbis (lange Jahre hindurch), Oberfrankenhain, Regis-Breitingen (erstmalig 1933), Rötha (1933 und 1934). Rötha zeigte seinen Bewohnern das Bärensteiner Christmettenspiel. Der Tiefländer hatte aber für Wiederholungen ein und desselben Spieles kein Verständnis, so dass der Brauch leider wieder einschlief. Mettenlichter oder Mettenlaternen nehmen mit in die Kirche die Altmörbitzer (die Laternen sind hier Laubsägearbeit), Auligk, Elbisbach, Elstertrebnitz, Steinbach (seit 1933), Michelwitz, Prießnitz. In Prießnitz versammeln sich am Heiligen Abend 5 Uhr die Konfirmanden mit dem Pfarrer in der Vorhalle der Kirche und tragen dann Lichte, die durch einen runden mit Grün geschmückten Pappdeckel gesteckt worden sind, durch die Kirche hindurch und vor auf den Altarplatz. Sie singen dabei das Lied: „Kommet ihr Hirten“.

Daß auch Erwachsene früher Mettenlichte trugen, bezeugten Elbisbach und Kreudnitz. In Flößberg sind sie in Wegfall gekommen durch die elektrische Beleuchtung des Gotteshauses. Der Stimmung wegen erhellen viele Kirchen trotz elektrischer Beleuchtung an dem Abend ihre Räume durch Kerzen. In Kreudnitz flammen dann wohl 100 Lichte. Neukirchen beleuchtet Bänke und Chor, Hohndorf nur den Chor, Mölbis und Trages auch noch ein Krippenbild.

Die Zusammenlegung von Kirchspielen hat in 2 Fällen leider zu einem Wegfall der so gemütvollen Vespern bzw. Metten geführt: in Oelzschau und Roda. In Oelzschau seit 1934. In Audigast dagegen sind Bemühungen seitens des dortigen Kantors gewesen, sie einzuführen. Natürlich brennen bei solchen Gelegenheiten zum ersten Male die Kerzen der Christbäume in den Kirchen.