Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Der Weihnachtsbaum

Mit ganz wenigen Ausnahmen ist er allgemein in den Familien vorhanden. Nur einige Freidenker der marxistischen Zeit putzen keinen an (Blumroda, Groitzsch, Hagenest, Pötzschau, Ramsdorf, Zedtlitz). Hier und da machen sich auch ältere kinderlose Ehepaare nicht die Mühe (Trages, Frauendorf). Pyramiden als Ersatz für den Weihnachtsbaum stellen sie nicht auf.
Die allgemeinste Bezeichnung für ihn ist Christbaum. Dann folgen Tannenbaum, Weihnachtsbaum und Lichterbaum. Lichterbaum ist nur geläufig in Hainichen, Hopfgarten, Bad Lausick, Regis-Breitingen. Geschmückt wird er allerorts mit Äpfeln, Nüssen (diese durch Gold- und Silberpapier vergoldet oder versilbert), Pfefferkuchenfiguren, Schokoladefiguren, (Thüringer) Glassachen, Gebäck, Silberfäden (Lametta, Engelshaar, Eistau), Zuckerzeug, neuerdings auch mit Papiersternen, die Schulkindern verfertigten (z. B. Elstertrebnitz), mit Ketten aus Buntpapier (Geithain), mit Abzeichen des WHW (ebenda) [WHW = Winterhilfswerk des Deutschen Volkes]. Gekrönt wird er durch eine Glasspitze oder einen Stern. Mitunter bindet man die oberen Zweige auch zu einer Krone. Der Fuß steckt in einem Holzkreuz oder in einem Metallständer, dessen Fuß, auch in Kreuzform angeordnet sind. Ihn in ein Paradiesgärtchen zu setzen, ist selten: in Gatzen in 2 Familien, vereinzelt auch in Hopfgarten, Bad Lausick, Lippendorf und Roda.

Den schönsten Schmuck bilden die Lichte (im Volksmunde: die Zehlichte). Die Zahl ist unbestimmt. Man richtet sich nach der Größe des Baumes. Die Packungen zu 12, 15 und 16 Stück sind mitunter bestimmend. Gern steckt man 12 auf: in Floßberg, Hainichen, Lippendorf und Witznitz. Anderwärts wird wohl oft an der 12 festgehalten, sehr oft jedoch auch nicht mehr. Die 12 Lichte weisen nach einer Meinung auf die 12 Jünger hin (Floßberg, Hainichen), nach einer anderen auf die12 Nächte (Tautenhain). Sind einmal nur 11 Lichte vorhanden, dann fehlt das Licht des Verräters Judas (Hainichen). In Geithain nimmt man oft 12. Wenn das nicht geht, dann wenigstens eine gerade Zahl. Die ungerade Zahl wird gemieden. Die Kreudnitzer hielten früher an der 12 fest, steckten aber dann keine Ersatzlichte auf.

Die Krone des Baumes darf nicht abgebrochen oder abgeschnitten werden. Es würde diese Tat den Tod eines Angehörigen mit sich bringen (Bad Lausick).

Eine Krippe unter dem Baume ist nur dann und wann in Lippendorf zu finden. Die Lichte brennen erstmalig am Heiligen Abend, dann in den Abendstunden der Feiertage, zu Silvester, am Neujahrstag und am Hohneujahrstag. In einigen Auligker Familien entzündet man sie zuweilen noch an Sonntagen kurz vor Ostern.

Abgeleert wird der Baum vom 6. Härtung an. Vordem nirgends. Fest am 6.1. festzuhalten scheinen Benndorf, Geithain, Greifenhain, Hain, Lobstädt, Oberfrankenhain, Ossa, Prießnitz. Doch lassen ihn manche Familien auch noch sehr lange stehen, bis an Ostern heran: in Audigast, Auligk, Deutzen, Hainichen, Hagenest, Nauenhain und Oberfrankenhain. Im Allgemeinen beseitigt man ihn, wenn er anfängt zu nadeln, welche Erscheinung davon abhängt, ob der Baum in einem geheizten Zimmer steht oder in einem ungeheizten. Ende Januar dürften nur noch wenige Bäume in den Wohnungen vorhanden sein. Der Baum wird meistens zerhackt und verbrannt. In Greifenhain heißt es „wer ihn nicht zerhackt und nicht verbrennt“ bekommt Trauer ins Haus. Hier und da schnitzt man Quirle aus ihm, z. B. in Elstertrebnitz, Hain und Mölbis. Die meiste Achtung lassen ihm die Rodaer und Geithainer zuteil werden, Roda benutzt ihn als Peitschenstiel oder als Stütze für ein Vogelfutterhäuschen und Geithainer Bauern verwahren ihm auf dem Oberboden. Er soll dort das Haus vor Blitzschlag hüten.

Wann kam der Brauch, einen Weihnachtsbaum ins Zimmer zu nehmen, im Kreise Borna auf? Man weiß es nicht. In den meisten Dörfern haben die ältesten Einwohner den Weihnachtsbaum schon so gehabt wie wir. Niedergräfenhain hat ihn allgemein erst seit etwa 1855, Pegau seit ungefähr 1875, Elstertrebnitz und Wyhra seit 1880, Pödelwitz seit 1890. Die ersten Weihnachtsbäumchen wurden gern an der Decke aufgehängt. Erinnerung daran sind noch vorhanden in Auligk, Elstertrebnitz, Frauendorf, Geithain, Hain, Kieritzsch, Michelwitz, Pegau, Schönau, Seifersdorf und Wyhra. Die Deckenbäumchen hatten den Vorteil, nicht umfallen zu können. Was in Familien mit kleinen Kindern wichtig war! Es würde dadurch wohl auch dem Naschen vorgebeugt. Diese praktischen Gesichtspunkte mögen einen Vater in Frohburg und Eltern in Altmörbitz und Ebersbach bewogen haben, der alten, Sitte treu zu bleiben.
Der Elstertrebnitzer Deckenbaum war ein künstliches Ding: ein Drahtgestell mit geschwungenen Armen. In Auligk fand sich noch etwas Ähnliches: ein grünes gedrehtes Säulchen mit einer Öse und mit Drahtbügeln und Tüllen für die Lichte. Ähnliche Pyramiden – so nannte man die Säulchen – gab es 1875 noch in Niedergräfenhain. Sie wurden daselbst gebaut. Pödelwitz besaß solche noch um 1890. Diese nicht drehbaren Pyramiden wurden statt der Christbäume aufgehängt.

Besonders stattliche Weihnachtsbäume bekommen jetzt die Kirchen. Es gibt keine Kirche im Kreise Borna, die am Heiligen Abend nicht ihren Chrisbaum hat. Meist werden sogar zwei Bäume am Altare aufgestellt. Roda tut dies seit 1900, Audigast seit 1935. In Frohburg, Greifenhain und Prießnitz hatten es die Rittergutsherrschaften als Patronatsherren für ihre Ehrenpflicht, die Bäume aus ihren Waldbeständen zu liefern. Der in der Großzössener Kirche wird von Konfirmanden angeputzt und auch abgeleert, der in Oelzschau mit einem Band geschmückt, das die Engelworte trägt: „Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Die Bäume bleiben fast durchweg bis zum Hohneujahr. Nur der Röthaer wird schon nach dem Silvestergottesdienst beseitigt.

Christbäume für alle sind erst seit 1933 zu verzeichnen. Sie zieren vom 3. Advent an die Marktplätze unserer Städte oder geeignete Flecke größerer Gemeinden. Der Bad Lausicker befindet sich immer vor der Kirche. Unter diesen Weihnachtsbäumen für alle werden meist die Adventssingen veranstaltet. Zu nennen sind folgende Orte: Borna, Frohburg, Deutzen, Groitzsch, Großzössen (seit 1934), Bad Lausick, Pegau, Regis-Breitingen, Rötha, Wyhra und Zedtlitz.

Der im letzten Jahr Verstorbenen wird zu Weihnachten noch zahlreich gedacht. Man pflanzt auf ihr Grab kleine Fichten oder Tannen oder legt wenigstens einige Reiser darauf. In Lobstädt folgen ihr nur noch die Katholiken. In Roda schmückt man nur noch die Gräber der Erwachsenen oft, die der Kinder seltener. In Blumroda nur noch die Kindergräber. In Regis-Breitingen und Syhra legt man nur Tannenzweige oder Tannensträuße nieder. In Audigast und Schönau zierte man früher die Bäumchen mit weißen oder bunten Papierblumen.