Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Der Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann ist im Allgemeinen überall unter diesen schönen Namen bekannt. Knecht Ruprecht nennt er sich in Borna, Breunsdorf, Buchheim, Elbisbach, Neukirchen, Ruppersdorf und Hagenest. Ruprecht nennt man ihn in Altmörbitz, Lauterbach-Steinbach, Michelwitz, Oelzschau Pötzschau, Regis-Breitingen, Schönau, Trages und Zedtlitz. Ruprich in Auligk, Benndorf, Blumroda, Deutzen, Elstertrebnitz, Eula, Heuersdorf, Hopfgarten, Kohren, Bad Lausick, Lauterbach, Lobstädt, Roda und Seifersdorf. Rupperch in Elbisbach und Syhra. Rupsack in Eula. Ruppercht in Görnitz. Ruppert in Bad Lausick. Rubborscht in Altmörbitz.

Der „heelche Christ“ und der heilige Christ in Auligk, Benndorf, Borna, Hainichen, Nauenhain und Wyhra. Das Christkind kommt in Michelwitz. Die Rodaer unterscheiden Ruprich und Weihnachtsmann: Der Ruprich ist der Vorbote des Weihnachtsmannes. Sein Erscheinen liegt in den meisten Orten nicht fest. Am 1. Advent tritt er in Mölbis, Pegau, Pötzschau und Schönau auf. Wo man ihn am 6. Dezember gewöhnlich erstmalig zu sehen bekommt, wurde schon erwähnt [bei „Der Nikolaustag am 6. Dezember“]. Im Osten des Kreises überwiegt danach der Name Ruprecht, im Westen der Weihnachtsmann. Wobei aber im Auge zu behalten ist, daß überall alle 4 angeführten Bezeichnungen bekannt sind. Wo noch kleine Kinder sind, läßt man gern den Weihnachtsmann persönlich erscheinen. Er examiniert schnell noch ein wenig die Kleinen und übergibt ihnen dann das, was sie sich wünschten.

Erst am heiligen Abend kommt er in Borna, Elbisbach, Flößberg, Frauendorf, Frohburg, Gatzen, Geithain, Hainichen, Kieritzsch, Lauterbach, Lippendorf Kitzscher, Kohren, Bad Lausick, Lobstädt (hier auch in Filzschuhen), Lippendorf, Michelwitz, Ossa, Seifersdorf und Syhra.

Wo er öfters Besuch macht, erscheint er unregelmäßig. Plötzlich klopft er eines Abends laut an der Haustür oder schlägt es mit einer Rute gegen die Tür und eine tiefe Stimme wird vernehmbar. Immer dort, wo kleine Kinder zu Hause sind. Da wird es den spielenden Kleinen immer ein wenig bange. Aber sie fassen sich und blicken mit großen Augen den Weihnachtsmann an. „Aha, da sind ja der Paul und die Inge. Habt ihr denn immer gefolgt?“ Schüchterne Antwort: „Ja“. Mitunter mit Seitenblick auf die Mutter: „Zeigt eimal eure Schularbeiten!“ Sie tun es gern, wenn sie fein gemacht sind. „Gut so, könnt ihr denn auch beten?“ „Ja lieber Weihnachtsmann“. „Na dann betet einmal!“ Sie befolgen die Aufforderung. „Was habt ihr denn zu Weihnachten gewünscht?“ Es werden die Dinge aufgezählt. Zum Schlusse spendet der Weihnachtsmann den gesamten Inhalt seines Sackes: Meist Äpfel und Nüsse. Freudig stürzen sich nun die Kinder darauf, glauben wieder an den guten alten Mann, sofern der Glaube an ihn schon etwas schwächer geworden sein sollte, dann erzählen sie freudestrahlend dem bald danach eintretenden Vater – dieser war meist der Weihnachtsmann – wer dagewesen ist. In Roda bringt der vorweihnachtliche Ruprich nichts; er guckt nur einmal:

Der Weihnachtsmann, auf den wird nachher mehr gewartet, das Christkind, das bringt die Gaben.

Die Verkleidung der den Weinachtsmann machenden Personen ist überall fast gleich. Sie ziehen einen alten Mantel an, möglichst das Innere nach außen gekehrt, schlüpfen in Langstiefel, stecken die Hände in Handschuhe, verstecken das Gesicht hinter einer Larve mit Bart, setzen eine alte Mütze oder einen alten Hut auf und nehmen in die linke Hand einen Sack und in die rechte eine Rute.

Die Larven werden überall gekauft. Nur in Kreudnitz fertigt man noch selbst welche an. Nicht allzuviel Wert auf die Larve legt man in Frauendorf oder Görnitz und Großzössen. In Görnitz schwärzt man das Gesicht mit Ruß.

Hier und da wird der Mantel durch ein Strohseil zusammengehalten: in Frauendorf (wenn man nicht einen Strick nimmt), in Großzössen (hier aber auch nur vereinzelt), in Nauenhain, Niedergräfenhain, Oberfrankenhain, Pötzschau, Ramsdorf und Seifersdorf (hier aber nur möglich).
In Hainichen trägt der Weihnachtsmann eine Zipfelmütze, in Kitzscher eine solche in schön roter Farbe. In Ossa werden ihm Strohseile um die Beine gewickelt. Wer sich in Lippendorf verkleidet, nimmt zuweilen einen Tragkorb auf den Rücken und eine Klingel in die Hand. Der Regis-Breitinger Weihnachtsmann geht mit Glocke und Laterne auf die Fahrt. Der Cöllnitzer läßt zuweilen auch eine klirrende Kette hinter sich auf der Erde nachschleifen.

Wo ältere Kinder sich den Spaß machen, in Vermummung durchs Dorf zu gehen, da wird der Weihnachtsmann leicht zum Prügelknaben, was eine Entartung des Brauches zur Folge hat wie in Breunsdorf, Pödelwitz, Elbisbach. Verfolgung durch andere Kinder bleibt dann nicht aus (Schönau). In Elbisbach werden die Ruprechtumzüge am Heiligen Abend dadurch zu einer Plage. Dies mag wohl der Grund sein, daß der Weihnachtsmann in vielen Orten unseres Kreises immer seltener wird, er geht in Breunsdorf nur noch selten auf der Straße und in Hainichen, Lobstädt und Trachenau tritt er nur noch in einigen Familien auf.

In vielen Familien aber überreicht noch heute der Weihnachtsmann am Heiligen Abend den kleinen Kindern die Geschenke. Es bleibt eine schöne Erinnerung fürs Leben. Oft, gar oft, sagen große Kinder: Weihnachten war schöner, als wir noch an den Weihnachtsmann glaubten.

Gebete und Spottverse, die gesprochen werden, sind:
Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein (Hagenest und Trages).
Lieber guter Weihnachtsmann, sieh mich nicht so böse an, stecke deine Rute ein, ich will auch immer artig sein. Oder: Ich will auch ein artiges Mädchen (Junge) sein. (Auligk, Beucha, Deutzen, Elstertrebnitz, Geithain, Görnitz, Großstorkwitz, Hagenest, Hain, Kreudnitz, Mölbis, Oberfrankenhain, Oelzschau und Rötha).
Du lieber, heiliger frommer Christ, weil heute dein Geburtstag ist, drum ist auf Erden weit und breit, bei allen Kindern frohe Zeit. (Beucha, Großstorkwitz, Hagenest, Hain, Kitzscher, Bad Lausick, Prießnitz und Träges). In Trages mit der Fortsetzung: Drum segne mich, ich bin noch klein. O mache mir das Herze rein, bade mir die Seele hell in deinem reinem Himmelsquell.
Du lieber heiliger frommer Christ, komm doch nicht wenn es finster ist. Komm lieber doch bei Mondenschein und wirf einen Sack voll Nüsse rein (Bad Lausick, Prießnitz, Roda – daselbst schon alt – und Trages). In Lauterbach verschmilzt man die beiden ersten Verszeilen von 4. und die 3. und 4. Zeile des oben als 2. angeführten Gedichtes wie folgt: Du lieber heiliger frommer Christ, komm doch nicht wenn es finster ist. Sieh mich nicht so böse an, stecke deine Rute ein.
Rupprecht, Rupprecht, guter Mann, sieh mich nicht so böse an. Stecke deine Rute ein, ich will auch immer folgsam sein.
Ruprecht, Ruprecht, guter Mann, sieh mich nicht so finster an, hau mich nicht mit deinem Besen, bin ein gutes Kind gewesen (Michelwitz).
Ruprecht, Ruprecht mit dem Sack, hast du mir was mitgebracht? Hast du was so setz dich nieder, hast du nichts, so pack dich wieder (Beucha, Großstorkwitz und Kitzscher).
Ruprecht, Ruprecht, guter Gast, wenn du was im Sacke hast, so setz dich nieder. Hast du nichts, so pack dich wieder (Auligk, Deutzen, Hagenest, Kitzscher, Mölbis, Oberfrankenhain, Prießnitz, Trages).
Du lieber heil’ger frommer Christ, ich weiß nicht wo mein Messer ist. Ich wollt’mer Stückchen Stolln abschneiden. Derweile muß ich Hunger leiden (Audigast, Beucha, Deutzen, Elstertrebnitz, Hagenest, Kreudnitz, Bad Lausick, Mölbis, Oberfrankenhain, Rötha und Stöntzsch).
Heil’ger Christ du Zottelbär, hau en Sack von Nüssen her. Haste welche, setz dich nieder. Haste keene, pack dich wieder (Elstertrebnitz).
Bete, bete, Kuchen, mir bet'n alle Wuchen, un wenn d’r liebe Sunntig kommt, da hamm'r nischt zu kuchen (Elstertrebnitz).
Ruprecht, Ruprecht, Besenstiel, deine Kinder fressen viel, alle Tage Wurst und Brot, schlag sie mit dem Hammer tot (Deutzen, Eula und Floßberg). Oder mit anderen Schlußzeilen: alle Tage ein 6 Pfundbrot, Rupprecht schlag sie alle tot (Görnitz). Oder: alle Tage ein 6 Pfundbrot (bzw. 8 Pfundbrot), schlag se mit der Keule tot (Beucha, Oberfrankenhain und Trages). Oder: alle Tage ein 4 Pfundbrot, morgen sind sie alle tot (Hopfgarten). Oder: jeden Tag ein Holzgebund, Ruprecht bist ein Schweinehund (Syhra). Oder: fressen bis se platzen, Knecht Ruprecht is e Batzen (Trages). Oder: alle Tage ein 6 Pfund Brot, schlag e mit dem Knüppel tot. Liegen se unterm Tische wie gebratene Fische, häng se uff de Leine wie gebraten Schweine (Beucha).

Der Weihnachtsmann erscheint in der Regel allein. Nur in Altmörbitz tritt er in Begleitung von Zwergen auf. In Michelwitz in Gegenwart kleiner Gestalten, wohl auch Zwerge und in Trages-Thierbach mit einem Knecht, der eifrig die Rute schwingt und dem Christkind folgte. In Großzössen gingen einmal – wohl 1934 – zwei Mädchen gemeinsam durchs Dorf, das eine als Ruprecht und das andere als Christkind. Für seine Gaben bekommt der Weihnachtsmann nirgends etwas. Eine Ausnahme macht in dieser Beziehung nur Trages-Thierbach, drei Familien belohnen ihn da mit einer Tasse Kaffee und Stollen. Sechs Familien erwärmen ihn mit einem Glase Grog.

Wann wird beschert?

Fast durchweg am Heiligen Abend. Die Familien sind zu zählen, die erst am 1. Feiertag früh sich beschenken. Sie wohnen ganz vereinzelt, etwas dichter nur in Borna, Frauendorf, Oelzschau, Roda, Rötha und Trages-Thierbach. Gründe sind: kleine Kinder, Arbeit des Vaters, die Frühmetten in Borna und Rötha. Früher bescherte man am 1. Feiertag früh öfters auch in Kreudnitz, Regis-Breitlingen und Flößberg. In Flößberg tat dies das halbe Dorf.

Beschert wird fast überall. Mit ganz geringen Ausnahmen taten es 1935 nicht: Frauendorf, Hopfgarten und Mölbis. Angeblich wegen wirtschaftlicher Nöte nicht.