Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Vom Nikolaustag am 6. Dezember

Er ist ein Tag für die Kinder. Sie spüren am Abend dieses Tages erstmalig die Güte des Weihnachtsmanns oder Ruprechts, d. h. die Güte der lieben Eltern, denn sie spenden, wie wir Erwachsenen wissen. In Audigast ging vor 40 Jahren der Nachtwächter als Ruprecht verkleidet durch den Ort und legte den Kindern Geschenke in die Fensterstöcke oder unter die Haustür, natürlich im Auftrage der Eltern. Heutzutage tun es die Eltern überall selbst heimlich, sofern nicht irgendwelche Erwachsene sich als Ruprecht verkleiden. Das erste Erscheinen dieses alten Mannes ist nicht gerade an den 6. Dezember gebunden. Doch tritt er gewöhnlich an diesem Tage zum ersten Male auf in Geithain, Görnitz, Heuersdorf, Großzössen, Ragenest, Hain, Kohren-Sahlis, Kreudnitz, Lauterbach, Lippendorf, Ossa (hier mit 2 Engeln), Prießnitz, Pulgar, Roda, Ruppersdorf, Trages-Thierbach. Er erscheint bis Weihnachten noch des Öfteren. Die Prießnitzer Kinder sehen in dem vorweihnachtlichen Weihnachtsmanne den bösen Weihnachtsmann; der Gute kommt erst am heiligen Abend. In Oberfrankenhain tritt er immer seltener auf. Seine Kleidung besteht überall aus alten Sachen, Larve, langem weißen Barte, Stock oder Rute, Handschuhen, Stiefeln, Sack. Die landläufigsten Bezeichnungen sind Weihnachtsmann und Ruprecht = Ruprich. Seltener hört man Heilger Christ oder Nikolaus.

Doch das Wichtigste am Nikolaustag ist nicht der Nikolaus, sondern das Geschenk, das er in der Nacht heimlich den Kindern spendet. Am 6. Dezember abends machen alljährlich Tausende von Kindern Schuhe, Pantoffeln oder Strümpfe fertig, damit der Ruprecht weiß, wohin er sein Geschenk tun kann. Daß die Schuhe, Pantoffeln und Strümpfe sauber sein müssen, ist selbstverständlich.

Schuhe oder Pantoffeln stellen hin: Audigast, Auligk, Benndorf, (früher), Borna, Breunsdorf, Flößberg, Frohburg, Gatzen, Geithain, Görnitz, Greifenhain, Groitzsch, Heuersdorf, Großzössen, Hagenest, Hopfgarten, Kieritzsch, Kitzscher, Kohren, Bad Lausick, Lobstädt (sogar Filzschuhe!), Lippendorf, Nauenhain, Oberfrankenhain, Oelzschau, Ossa, Pegau, Pödelwitz, Prießnitz, Pulgar, Ramsdorf, Regis-Breitingen, Rötha, Ruppersdorf, Stöntzsch, Tautenhain, Trages-Thierbach. Sie stellen sie bald vor die Haus-, Stuben- oder Schlafkammertür, bald auf das Fensterbrett oder vor das Bett, bald auf die Treppe oder an den Backofen.

Strümpfe hängen auch hin: Audigast, Auligk, Benndorf (früher), Blumroda, Deutzen, Ebersbach, Großzössen, Kieritzsch, Kreudnitz, Bad Lausick, Lobstädt, Lippendorf, Michelwitz, Oberfrankenhain, Prießnitz, Ramsdorf, Regis-Breitingen. Sie hängen sie an die Türklinken (Auligk, Blumroda, Deutzen, Großzössen, Lippendorf), an das Bett (Deutzen, Kreudnitz, Lobstädt, Michelwitz, Prießnitz, Regis-Breitingen), oder legen sie auf das Fensterbrett (Bad Lausick) oder hängen sie gar zum Fenster hinaus (Ebersbach) oder hängen sie am Stakete auf (Oberfrankenhain). Statt der Schuhe, Pantoffeln und Strümpfe benutzen Netze die Großzössener, Schälchen die Bad Lausicker, Teller die Mölbiser und die Oelzschauer. Die Netze finden ihren Platz außen an der Tür, die Schalen und Teller auf den Fensterbrettern.

Hagenest, Nauenhain, Rötha und Seifersdorf legen in die Schuhe ihre Wunschzettel für das Weihnachtsfest. In Nauenhain ist der Brauch schon sehr alt, in Rötha anscheinend auch, in Hagenest jedoch erst seit 1920 und in Seifersdorf auch seit etwa dieser Zeit, in Nauenhain und Rötha und Hagenest jedoch allgemein, in Seifersdorf nur in einer Familie, die etwa 1915 zuzog. In allen Fällen, ob mit Wunschzettel oder ohne solchen, gibt es ein Geschenk, Nüsse, Äpfel, Pfefferkuchen, Lebkuchen, ein Stückchen Zucker oder gar ein Zöpfchen aus Pfannkuchen wie in Trages und Thierbach.

Der Brauch ist nicht bloß an den 6. Dezember gebunden, sondern wiederholt sich nach diesem Tage in Flößberg, Groitzsch, Bad Lausick (hier an den Adventssonntagen), Pödelwitz, Regis-Breitingen.

In einer Reihe von Gemeinden ist dieser Brauch sehr alt, in manchen erst neu. In Kitzscher seit etwa 30 Jahren, in Hagennest erst seit 1920. Er ist in manchen Orten zurückgegangen, aber es gibt auch Orte, wo dieser Brauch nicht gepflegt wurde.