Weihnachtsbrauchtum im Bornaer Land

Vom Andreastag am 30. November

Der Andreastag wird nur in einem kleinen Teile des Kreises beobachtet, nämlich in: Audigast, Auligk, Benndorf, Borna, Cöllnitz, Elstertrebnitz, Gatzen, Großzössen, Haun, Hohndorf, Hopfgarten, Kieritzsch, Kitzscher, Kohren, Bad Lausick, Lobstädt, Mölbis, Nauenhain, Niedergräfenhain, Ossa, Pegau, Pödelwitz, Rötha, Tautenhain und Trages-Thierbach. Also nur in 25 von 70 Schulbezirken beachtet, wobei er auch hier nur vereinzelt zu beobachten ist.

Für diese ist der Tag das Zeichen, daß es an der Zeit ist, Zweige zu brechen oder zu schneiden, damit diese zu Weihnacht im Zimmer blühen. Man wählt Rotdorn Flieder (6 x), Forsythia, Kirsche (18 x), Weide, Haselnuß (2 x), Pflaume (2 x), Birne. Man schneidet oder bricht die Zweige ab. Der Bauer Arthur Lämmel in Trages bricht sie nur. Weshalb er sie bricht, nicht schneidet, vermag er nicht zu sagen. Es ist für ihn so Sitte.

Eine besondere Bedeutung wird dem Brauch nicht beigemessen. Man freut sich, wenn man zu Weihnachten eine blühende Pflanze im Zimmer hat (Elstertrebnitz und Großzössen). Sie deutet bereits in Eis und Schnee auf den kommenden Frühling hin (Trages-Thierbach).

Weniger ist der Tag ein Lostag, ein Orakeltag, ein Tag, der den Schleier der Zukunft lüftet. Wenn doch, dann zumeist bei jungen heiratslustigen Leuten und dann auch durchaus nicht allgemein. Es handelt sich um Bleigießen, Salzhäufchen setzen, Erbschlüssel drehen, Leinensamen vor das Haus streuen, Apfel- oder Kartoffelschalen hinter sich werfen, Schuhe werfen, Stube kehren, am Fenster horchen (Mölbis) oder Nußschalen auf dem Wasser schwimmen lassen (Ossa).

  1. Das Bleigießen (Auligk, Benndorf, Borna, Hopfgarten, Kohren, Mölbis, Niedergräfenhain, Ossa und Rötha). Man schmilzt einen Klumpen Blei oder eine Bleifigur und läßt das flüssige Blei in kaltes Wasser fallen. Die Figur des wieder erstarrten Bleies verrät die Zukunft. Der Brauch des Bleigeißens wird zur zeit mehr in der Silvesternacht vorgenommen, denn am Andreastage.
  2. Salzhäufchen setzen (Auligk und Niedergräfenhain). Setzt man Salzhäufchen, dann nimmt 12 Zwiebelschalen und schüttelt in jede gleiche Mengen Salz. Wenn z. B. das 3., 4. und 9. Häufchen mehr Feuchtigkeit als die anderen anziehen, dann werden im kommenden Jahre März, April und September regenreiche Monate.
  3. Erbschlüssel drehen (Hain, Hopfgarten und Ossa) kam im ersten Weltkrieg in Hain auf. Es interessierten die Fragen: „Wie lange dauert der Krieg noch?“ oder „Wann werden unsere Feldgrauen aus dem Ort wieder gesund heimkehren?“ Man nahm den Erbschlüssel zwischen Daumen und Zeigefinger, drehte er sich, so mußte man noch ein Jahr Geduld haben.
  4. Tischrücken (Benndorf, Hain, Hopfgarten und Mölbis). Alle Teilnehmer setzen sich an einen Tisch, legen ihre Hände flach darauf und stellen eine Frage. Vielleicht die: "Wann werde ich heiraten?" Soviele male sich der Tisch nun rührt, so viele Jahre heißt es noch zu warten.

In Audigast pflegen die jungen Mädel am Abend des Andreastages Leinensamen vors Haus oder unters Kopfkissen zu streuen, dabei sprechen sie:

Ich streue Leinensamen in Andreas Namen, in Andreas Garten, mein Liebchen zu erwarten, in seiner Gewalt, in seiner Gestalt, in seinem Habit, gleich wie er mit mir vorm Altar kniet. Soll ich mit ihm leiden Not, so soll er mir erscheinen bei Wasser und Brot. Soll ich mit ihm glücklich sein, so soll er mir erscheinen bei Bier und Wein. In Andreas Namen. Amen!

Nach dem Hersagen darf nicht wieder gesprochen werden.

Ein ähnlicher Vers, wird in Rötha beim Bleigießen gesprochen:

Heiliger Andreas las mir erscheinen den Herzallerliebsten meinen. In seiner Gestalt, in seiner Gewalt, in seinem Habit, wie er mit mir vorm Altar kniet. Ist er reich, so kommt er geritten. Ist er arm, so kommt er geschritten. Ist er von hier, so kommt er im Traum zu mir.

Daß man in der Andreasnacht den zukünftigen Ehegatten im Traume sehen kann (Pödelwitz), zeigt der aus alter Zeit stammende Vers:

Erbzaun, Erbzaun, rüttle dich! Feines Liebchen über dich!

Wer mittels Apfel- oder Kartoffelschalen die Zukunft befragen will, muss einen Apfel oder eine Kartoffel so kunstvoll schälen, daß die Schale aus einem Stück ist. Sie muß über den Kopf nach hinten geworfen werden und aus der Form und Lage kann man für sich Schlußfolgerungen ziehen (in Borna, Kohren und Mölbis und Ossa).

Weit einfacher ist der Brauch mit der Nussschale. Man setzt eine halbe Nußschale auf Wasserfläche. Wohin die Schale treibt, dorthin führt einen auch das Schicksal (Ossa).

Eine Sonderstellung nimmt Gatzen ein. Dort werden am Andreastag von den Eltern, die noch kleine Kinder haben, Fichtenzweige besorgt, und diese über Nacht mit Backwerk und Zuckerzeug behangen; zur Freude der kleinen Leckermäuler.

Zu praktischer Arbeit mahnt der Andreastag die Audigaster, Auligker, Costewitzer, Hagenester und Trautzschener. Der Andreastag ist für sie der gegebene Zeitpunkt die Steckzwiebeln vom Boden herunterzuholen und hinter den Ofen zu hängen. „Sie schossen dann nicht, werden keine Schosserte“.