Neukirchen-Wyhra, seine Braunkohle, Anfang und Ende

Lohn und Lebenserhaltung der Bergarbeiter

Bis zum Beginn bergbaulicher Arbeiten war die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle für die Bürger von Neukirchen-Wyhra. Das änderte sich um 1890 entscheidend, als das Braunkohlenwerk seine Tätigkeit immer mehr ausweitete.

Zahlreiche Familien aus Sachsen, aber auch aus Polen, siedelten sich an, vor allem auch weil das Braunkohlenwerk Wohnungen anbot. In einer alten Beschreibung der Gemeinde Wyhra heißt es: ... das früher erquickliche Bild einer Landgemeinde ... hat sich seit 1890 ganz gewaltig verändert ... und es wird weiter festgestellt, dies geschehe ... zumal der neue Tagebau immer neue Arbeitskräfte auch aus der Ferne ... anziehe ... z. T. aus Rußland, Galizien, Österreich, Böhmen, Polen u. s. w., welche obendrein auch Katholische Konfession haben. Immerhin stellt man auch fest, dass das hiesige Werk ... z. Z. schon das größte seiner Art im Königreich Sachsen geworden ist.

Unter Tage wurden in 2 Schichten gearbeitet. Von früh 6 bis abends 5 Uhr dauerte die eine Schicht, einschließlich ½ Stunde Frühstückspause und 1 bis 1 ½ Stunden Mittagspause, und die andere beginnt abends 6 Uhr und geht bis früh 5 Uhr mit den gleichen Pausen.

Bei den Arbeiten über Tage beträgt die regelmäßige Schichtdauer 12 Stunden, also von früh 6 bis abends 6 Uhr, einschließlich der Ruhepausen von 2 Stunden. (Regelung aus dem Jahr 1905)

Der durchschnittliche Jahresverdienst der Bergarbeiter betrug
1865 312 Mark 1870 420 Mark 1890 693 Mark
1890 586 Mark 1900 924 Mark 1908 1184 Mark

1905 lag der Durchschnittslohn pro Schicht untertage bei 4,50 Mark. Es wurde aber auch im Abbau im Akkord gearbeitet. Das veranlasste vielfach dazu, dass die Frühstücks- und Mittagspause genutzt wurde, um Arbeiten zu verrichten.

Bezüglich der Lebenshaltungskosten wird für das Jahr 1908 in einer Untersuchung für eine Bergarbeiterfamilie mit 2 Kindern folgendes beschrieben:

Lebenshaltungskosten einer Bergarbeiterfamilie mit 2 Kindern im Jahr 1908
Lebensmittel: Brot und Backwaren: 3,15 Mark / Mehl, Graupen, Grütze: 0,90 Mark / Butter, Margarine, Fett: 3,08 Mark / Milch Eier, Käse: 3,08 Mark / Fleisch, Wurst, Speck: 2,50 Mark / Kartoffeln: 0,70 Mark / Gemüse, Obst: 0,60 Mark / Kaffee, Tee, Kakao: 0,65 Mark / Salz und Gewürze: 0,15 Mark / Zucker, Sirup, Honig: 0,55 Mark / Sonst. Nahrung: 0,60 Mark / Kleidung: 0,85 Mark / Miete, Steuern: 2,80 Mark / Beleuchtung: 0,30 Mark / Bier und Branntwein: 0,30 Mark / Tabak: 0,20 Mark / Zeitung, Bücher: 0,29 Mark / Heizung: 0,20 Mark / Schulgeld/-bedarf: 0.05 Mark / Möbel und Geschirr : 0,10 Mark Arzt, Apotheke: 0,16 Mark / Kranken-/Invaliden-Versich.: 0,38 Mark
Summa pro Woche: 19,62 Mark
Summa pro Jahr: 1019,24 Mark

Diese Summe verglichen mit dem durchschnittlichen Jahresverdienst vom Jahre 1908 zeigt, dass die Familie auskömmlich leben kann.

In der gleichen Untersuchung wird angegeben, dass das Braunkohlenwerk Neukirchen-Wyhra 15 Wohnungen baute, die Miete sofort vom Lohn abgezogen wurde und dass sich Zwei- und Mehrfamilienhäuser, wie sie die Kohlenwerke durchweg gebaut haben, als unzweckmäßig erwiesen, da zwischen Frauen und Kindern immer Reibereien vorkommen.

Lebensmittel Preis auf dem Bornaer MarktPreis auf dem Leipziger Markt
Rindfleisch 160 Pfennige/Kilogramm 165 Pfennige/Kilogramm
Speck 188 Pfennige/Kilogramm 164 Pfennige/Kilogramm
Brot 27 Pfennige/Kilogramm 28 Pfennige/Kilogramm
Butter 260 Pfennige/Kilogramm 166 Pfennige/Kilogramm