Wirtschaftsgeschichte der Witznitzer Kohlenwerke

Erweiterung der Witznitzer Kohlenwerke

Tagebau, Brikettfabrik und Kraftwerk konnten ständig durch den Erwerb weiterer Geräte vergrößert und erneuert werden.

Die erhöhte Nachfrage nach Energie führte schon schnell dazu, dass man die Kraftwerke mit immer größeren Generatoren ausrüstete. 1917 wurde in Witznitz die Erste der beiden Turbinen der Hamburger Vulkan-Werke durch eine Görlitzer Entnahmeturbine ersetzt. 1922 wurde die zweite Vulkan-Turbine ausgetauscht.

1923 wurde die Werkstatt durch einen Anbau für Ausbesserungsarbeiten an Abraumwagen und Grubenhunten vergrößert. Außerdem konnten ein Materiallager und eine elektrische Reparaturwerkstatt mit Ankerwickelei und Prüfstand sowie ein Aufbewahrungsraum für Ersatzteile gebaut werden. Zum Schmieden größerer Stücke kaufte man einen Lufthammer.

Im selben Jahr wurde für die Grube ein senkbarer Eimerbagger der Maschinenfabrik Buckau mit einer Förderleistung von 1785 cbm „gewachsener Kohle in einer 10-stündigen Schicht“ angeschafft. Bereits in den Vorjahren wurde der Betrieb um einen Eimerbagger der Lübecker Maschinenbauanstalt mit einer 17 m Eimerkette und einer Leistung von 300 cbm in 24 Stunden, sowie um einen Eimerbagger der Maschinenfabrik Buckau mit einer Leistung von 1000 cbm in einer Schicht erweitert.

1928 baute man in der Brikettfabrik ein neues Nassdienstsystem mit Hammermühlen ein, so dass jede Stunde 80 t Rohkohle sortiert und zerkleinert werden konnten.

Beginn der Großraumförderung

1932 wurde am Tagebau mit den Arbeiten an einem Großraumbunker mit 1500 t Fassungsvermögen sowie der dazugehörigen Gleisanlagen begonnen. Ab 1933 wurde die Kohle dem Bunker mit Großraumzügen zugefördert. Die Abförderung der Kohle aus diesem Zwischenbunker zur Fabrik erfolgte über die bereits bestehende Seilbahn. Mit dem Abschluss der Arbeiten begann in Witznitz die Großraumförderung.

Zeitgleich konnte ein Verbindungsgleis zum benachbarten DEA-Werk Dora und Helene in Großzössen fertiggestellt werden, es ermöglichte die gegenseitige Belieferung von Kohle und Material.

Die Veränderungen wurden auch durch die Verlegung der Wyhra sichtbar. Für die Arbeiten wurden etwa 100 erwerbslose Menschen eingesetzt. Der Durchstich erfolgte am 25. September 1935 unter Beisein vieler geladener Gäste und der am Bau beteiligten Gefolgschaftsmitglieder. Die Veranstaltung endete mit einem Fest im Deutschen Haus zu dem alle Beteiligten eingeladen waren.

1938 wurde an der Brikettfabrik ein zweiter Großraumbunker mit einem Fassungsvermögen von 1500 t Rohkohle gebaut. Nachdem man die Gleisen vom Tagebau zur Brikettfabrik Witznitz verlängerte, wurde die Seilbahnförderung mit Zwischenbunker im Tagebau obsolet. Die Rohkohle kam nun mit Großraumzügen aus dem Tagebau und wurde in den neuen Bunker abgekippt und von diesem über ein Schrägband in das Nassdienstgebäude transportiert.

Vereinigung zum Tagebau Witznitz-Lobstädt

1934 mussten die benachbarten Gruben der ebenfalls zur Deutschen Erdöl-AG gehörenden Brikettfabrik Viktoria in Lobstädt und der beiden Werke der Brikettfabrik Dora und Helene in Großzössen zum Tagebau Lobstädt zusammengeschlossen und zum Teil stillgelegt werden. Dabei wurden viele Geräte von den Witznitzer Kohlenwerken übernommen und weiter­verwendet.

1938 wurde der nun vollkommen erschöpfte Lobstädter Tagebau mit dem Abbaufeld der Witznitzer Kohlenwerke zum Tagebau Witznitz-Lobstädt vereinigt. Durch die Übernahme der Arbeitskräfte und des Materials konnte die Länge der Abbaufront des Witznitzer Tagebaus auf 1400 m verdoppelt werden.

Nach der Einführung der Großraumförderung, brachte der vereinigte Tagebau jährlich 1 157 728 t Rohbraunkohle aus; bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde diese Menge verdreifacht. Indes erhöhte sich in der Brikettfabrik die jährliche Produktion von 315 775 t im Berichtsjahr 1936 auf 331 595 t im Jahr 1939. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass der Witznitzer Tagebau nun 4 Brikettfabriken (1 x Viktoria, 2 x Dora und Helene sowie 1 x Witznitz) und deren Kraftwerke versorgte.