Wirtschaftsgeschichte der Witznitzer Kohlenwerke

Beginn des Betriebes

Im ersten Halbjahr 1913 begann in der Fabrik der Kohlenwerke der Probebetrieb und sie nahm die Produktion von Salon- und Industriebriketts auf.

Die im Tagebau gewonnene Rohbraunkohle kam in Grubenhunten mit der Seilbahn an, und wurde über eine schiefe Ebene in das oberste Stockwerk des Nassdienstgebäudes transportiert. Darin wurden die Hunte mit Wippern ausgestürzt. Im Nassdienst erfolgte anschließend das Sortieren des Rohstoffs in Kessel- und Brikettkohle. Durch walzen, sieben und rütteln trennte man das Material von Knorpeln und von fossilen Hölzern. Die dabei für die Brikettfabrik als ungeeignet aussortierte Knörpelkohle sammelte man und verfeuerte sie zusammen mit der Kesselkohle im Kraftwerk. Die durch das Nassdienstgebäude gegangene Brikettkohle gelangte auf einem schrägen Förderband in den Feinkohlebunker des Trockenhauses.

Der Nassdienst war mit vier Brikettkohlensätzen und einem Kesselkohlensatz ausgestattet, welche von der Bernburger Maschinenfabrik AG aus Alfeld a. d. Leine gebaut wurden.

Die Brikettkohlensätze setzten sich aus 4 mechanischen Doppelwippern zum Stürzen der Grubenhunte, 2 Kaliberrosten und 2 Vorbrecherwerken zum Zerkleinern des Rohstoffs, 4 Schneckenzuführungen, 4 Schleudermühlen sowie 4 Entleerungswalzen und insgesamt 8 Rüttelsieben zusammen. Der Kesselkohlensatz bestand aus einem mechanisch-betriebenen Doppelwipper, einem Kaliberrost und einem Vorbrecher; wie auch bei den Brikett­kohlensätzen, bestand er aus einer Stachelwalze mit Pyramidenzähnen.

Nachdem die in den Kohlensätzen gebrochene und fein gemahlene Brikettkohle in das Trockenhaus gelangte, rutschte sie in eine der 10 Röhrentrockenöfen. In den Öfen wurde ihr Feuchtigkeitsgehalt auf ungefähr 15 Prozent Wasser reduziert. Das dabei entstandene Dampfgemisch wurde über die Entstaubung des Trockenhauses abgeführt. Die gesamte Anlage kam von Maschinenfabrik Buckau aus Magdeburg-Buckau.

Nach dem Trocknen gelangte die Brikettkohle in das Pressenhaus, wo sie ohne Bindemittel und unter hohem Druck zu Briketts verpresst wurde.

Das Gebäude beherbergte zunächst 8 Brikettpressen der Firma Ehrhardt & Sehmer aus Saarbrücken mit einer unmittelbar angekuppelten Dampfmaschine. Die Anlage diente zur Herstellung von je 2 mal 7" Salonbriketts oder von 14" Industriebriketts.

Abschluss der Arbeiten

Zur selben Zeit konnten die Arbeiten am Kraftwerk abgeschlossen werden. Die Steilrohrkessel wurden von der Erfurter Firma Topf & Söhne eingemauert, das Unternehmen Keilmann & Völker baute die Treppenrost-Halbgasfeuerung ein, welche von der Firma G. A. Schultze aus Charlottenburg mit Zugmessern versehen wurde. Darüber hinaus wurden alle Anlagen zur Wärmemessung und die Spritzwasseranlage fertiggestellt.

Mit der Fertigstellung des Kraftwerks waren die Geräte zur Stromerzeugung, die sich am Tagebau befanden überflüssig geworden. Die Lokomobile wurde abgebaut und das Häuschen in dem sie sich befand, abgebrochen.

Nördlich des Kesselhauses wurde das Werkstattgebäude übergeben. Der von der Berliner AEG elektrifizierte Anschluss der Brikettfabrik an die Staatseisenbahn konnte in Betrieb genommen werden. Die normalspurige Bahn entstand auf der Trasse der provisorischen Schmalspurbahn, die während des Baus der Witznitzer Kohlenwerke als Transportbahn diente. Für die Verladung der Salonbriketts wurde am Werkbahnhof ein Schuppen errichtet. Die Industriebriketts sollten stattdessen mit Förderbändern direkt in die ankommenden Waggons geladen werden. Außerdem kamen eine Niederlage und ein Lokomotivschuppen dazu.

Mit der Errichtung eines Badehauses wurde der Fabrikhof vervollständigt. In ihm wurden 2 Geschäftsräume für Betriebsbeamte, ein Krankenzimmer, eine Zechenstube, Ankleide- und Duschräume für die Arbeiter und Wannenbäder für das leitende Personal des Werkes untergebracht.

Bezug erster Arbeiterwohnungen

1912 wurde mit dem Bau einer Werkskolonie begonnen. Es konnten bereits 2 Arbeiterhäuser für 160 Menschen und ein dazwischen liegendes Wirtschaftsgebäude errichtet und bezogen werden. Mit dem Bau weiterer Wohnhäuser fing man im Herbst an. Ein Jahr später stellte man Wohnbaracken fertig, in denen den Arbeitern gegen Erstattung der Selbstkosten vollständige Beköstigung gewährt wurde. Als nächstes baute man 13 Arbeiterwohnhäuser für jeweils 4 Familien und 2 Beamtenwohnhäuser für je 4 Familien; an der Werkszufuhrstraße konnten 4 Beamtenwohnhäuser bezogen werden.

Die Maßnahmen erfolgen einerseits aus der Notwendigkeit neue Arbeitskräfte anzuwerben und anderseits dienten sie zur Bildung eines Belegschaftsstamms.